Linkspartei Ahlen: Generationswechsel auf linke Art

In der aus zwei Mandaten bestehenden Mini-Fraktion der Linkspartei im Ahlener Rathaus hat es nach der Sommerpause einen Generationswechsel gegeben.

Christopher Epping (24) gab sein Mandat auf und begann Anfang September eine kaufmännische Ausbildung in Berlin und verliess den Ahlener Linksverband qua Ortswechsel. Ihm rückte der über 70-jährige Wigand Busse, Ahlener Linkspartei-Universaltalent und erfahrener Parteidiener, nach.

Zusammen mit dem sich ebenfalls fast im Rentenalter befindlichen Mandatsträger Reiner Jenkel bilden die Ahlener Stadtratslinken nun die durchschnittlich älteste Fraktion im Rat dieser münsterländischen Stadt. Jüngeres politisches Personal war offensichtlich in der Linkspartei nicht vorhanden oder kam erst gar nicht zum Zuge.

Busse, den die eigene Partei jovial einen „alten Hasen“ nennt, war bis vor einigen Jahren Lehrer an einer Ahlener Schule. Seitdem war er besonders im kirchlichen Bereich aktiv. Seine sozialistische Ader erkannte der gutsituierte Pensionär erst recht spät. Viele seiner Genossen erkannten sie bei ihm allerdings bis Heute nicht. Es kam vor, dass er bei Sitzungen, die anwesenden Genossen schon mal, -bei den Linken sehr unüblich-, mit „verehrte Damen und Herren“  ansprach.

Eppings „politisches Erbe“ wird nun ein Genosse übernehmen, der gut zwei Generationen älter ist als er.

Jenkel, der ebenso wie sein neuer Fraktionsgenosse Busse, dem beamteten Lehrerberuf angehört, wird es vermutlich nun noch schwerer haben,  dass eigentliche Wunschklientel der Linken, Hartz-4-Bezieher, Jugendliche und Rentner, sowie Alleinerziehende, mit überzeugendem Personal anzusprechen.

Eine der ersten Amtshandlungen der beiden sozialistischen Lokalpolitiker war ein mageres Statement zur Berliner Mauer. Damit trafen sie zwar nicht den Geschmack vieler NRW-Linken, aber eckten damit auch nicht im Kreise ihrer Stadtratskollegen an. Schliesslich kennt man sich seit Jahren. Die will man ungern mit Sozialismus vergraulen.

Die Linke Ahlen hat durch diesen besonderen „Generationswechsel“ viele Chancen vertan. Da hilft es auch nicht zu argumentieren, dass Busse als numerischer Nachrücker feststand. Busse hätte den Weg für jüngere Parteimitglieder freimachen sollen. Vermutlich konnte oder wollte er es nicht.  Allerdings sieht sich die Ahlener Linkspartei in bester Gesellschaft. Lukrative Parteiposten und Mandate gibt die NRW-Linke gern an altgediente und, aus Sicht der Partei, verdiente Genossen ab.

Politisch wird sich damit in Ahlen aus Sicht der Linkspartei nichts ändern.  Aber vielleicht war dies auch nicht gewollt.

 

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