Terrorverdächtige: Menschen zweiter Klasse?

Sensor predator

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Es mag sein, dass der Libyer Attija Abd al Rahman die Nummer 2 von Al Kaida war. Das er Menschenleben auf dem Gewissen hatte. Das er ein Terrorist war.

Oder auch nicht.

Auf keinen Fall aber hat er verdient, aus der Luft von einer ferngesteuerten Drohne getötet zu werden.

Auch er hat einen Prozess verdient. In dem bewiesen werden muss, dass er schuldig ist. Denn das unterscheidet uns doch angeblich von den „bösen Terroristen“: Unser Rechtssystem. Der Anspruch auf ein faires Verfahren. Ein Rechtsweg, frei von politischer Einflussnahme.

Doch so bald jemand das Stigma „Terrorist“ oder auch nur „Terrorverdächtig“ trägt, scheint ihn das literarisch zum Abschuss frei zu geben. Und Protest gibt es dagegen nicht zu lesen – lediglich eine Darstellung der glorreichen Heldentat, jemand möglicherweise Schuldigen aus der Ferne umgebracht zu haben.

Besonders von der ARD hätte ich erwartet, solche Texte nicht einfach zu bringen:

Der neue US-Verteidigungsminister Leon Panetta hatte vor kurzem gesagt, dass ein strategischer Sieg über Al Kaida in greifbare Nähe gerückt sei. Die USA müssten noch bis zu 20 Führungsmitglieder töten oder gefangennehmen.

Schon allein die Reihenfolge „töten oder gefangennehmen“ impliziert m. E. nach worum es hier wirklich geht: Kaltblütige Selbstjustiz einer Nation, deren Macht ihr selbst zum Verhängnis geworden zu  sein scheint. Und man kann es eigentlich nur so beschreiben: Der Krieg gegen den Terror, den die USA führen, ist barbarisch.

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