Kuhls Kolumne: POLITIKER SIND MÖRDER

ob-kuhl-0206„Soldaten sind Mörder“ schrieb mein Kollege Tucholsky damals. Und ihre Auftraggeber? Und braucht man überhaupt noch Soldaten dafür? Muß man denn gleich abmurksen? Kann man nicht auch aushungern oder ersticken? Kann man das nicht auch über Gesetze erreichen?

„Mörder“ ist – so haben es die Nazis formuliert – und Adolf Hitler ist immer noch der stärkste Einfluß in der deutschen Politik – und so gilt es als § 211 StGb noch heute – „wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.“

Ich übersetze das jetzt mal in den allgemeinen Sprachgebrauch: „Wer einem anderen Menschen aus niedrigen Beweggründen das Leben nimmt, ist ein Mörder.“ Und in dieser Formulierung macht es Sinn – und wird anwendbar. Da reicht es, wenn man einfach die Toten zählt.

Die historische Großtat von Helmut Kohl war nicht die Zerschlagung der DDR-Industriestruktur mittels der Treuhand, um dann ein ganzes Volk als Konsumenten an die boomende exportorientierte BRD-Wirtschaft anzuschließen und so als Vereinigungskanzler in die Geschichte einzugehen. Nein, der größte Kanzler aller Zeiten hatte es geschafft, die Suizidrate über die der Verkehrstoten zu heben. Man kann auch sagen, er hat vielen das Leben genommen, was man erst seit dem Freitod seiner Frau so diskutiert.

Sein vorgeblich sozialdemokratischer Amtsnachfolger, der jetzige Kurier des Zaren, hat mit Hartz4 auch schöne Erfolge erzielt. Ob das amtliche Mobbing, das in der Fachliteratur als „Verfolgungsbetreuung“ bezeichnet wird, mangels sonstiger Perspektiven zum „Bilanz-Suizid“ führt, oder ob notorische Existenzängste bei Mangelernährung über Krankheiten zum Tod führen, das ist letztlich egal.

Von denen, die für unsere „Bündnistreue“ in Afghanistan geopfert werden seitdem die Bundesrepublik „am Hindukusch verteidigt“ wird, will ich gar nicht erst reden.

„Politikfolgenabschätzung“ ist inzwischen eine Wissenschaftsdisziplin, die sich allerdings notorisch weigert, die Toten zu zählen. Und die politisch veranlassten Statistiken sind da gewollterweise ungenau.

Und dann gibt es ja auch noch Millionen Untote, Organismen die zwar medizinisch-biologisch noch nicht als tot gelten – aber dennoch kein Leben mehr haben. All die Überschuldeten, Armen, Niedriglöhner, Hartz4er, Kinder und Jugendliche ohne Perspektive – sie haben kein Leben.

„Gesundheit“ ist laut Weltgesundheitsorganisation „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ Das wär doch schon mal ne Minimaldefinition von „Leben“. Wer hat das schon?

Die Motive von Kohl, Schröder oder auch Sauerland liegen auf dem Tisch.

Hier in Duisburg haben wir neben den vielen Toten, die unserem Adolf im Zusammenhang mit Masterplan, Thyssen, ArGe oder Loveparade und dergleichen mehr zuzuordnen wären (wogegen die Bandidos mit nur einem Toten als Chorknaben gelten können), auch noch einen hauptamtlichen Totmacher: Ordnungsdezernent Rabe versteht seit den seriellen Versäumnissen seiner Behörde vor einem guten Jahr seine Funktion dahingehend, jedes großstädtische Leben schon im Ansatz zu ersticken.

Ob es sich um gemobbte Obdachlose, bis an die Existenzgrenze geprüfte Gastronomen, Raucher, Kleingärtner, Junkies oder wen auch immer handelt, keiner bewegt sich unkontrolliert – demnächst wird er wohl Militärparaden abhalten – zur Abschreckung und Aufrechterhaltung der Ordnung.

Die alten Griechen haben uns nicht nur aus demos (volk) und kratein (regieren) was gebastelt, sie haben auch ein Wort für den politisch nicht interessierten Bürger gefunden: idiotes. Dieser Privatier (römisch: privare: berauben), der, der sich da nicht mit Stephane Hessel empört, der ist als Wähler oder Nichtwähler letztlich Ermöglicher solcher Zustände.

Mörder sind Totmacher, sind Menschen, die Leben nehmen.

Untote sind Opfer weil ihnen das Leben genommen wurde.

Idioten wehren sich nicht.

Wenn die Untoten und die Idioten aufstehen, dann haben die Mörder keine Chance mehr.

Dann hätten wir eine Demokratie.

„…daß die Stärke des Volkes sich misst am Wohle der Schwachen…“ steht in der Präambel der Verfassung der Schweiz.

Die haben eine Demokratie.

Und Duisburg?

2 thoughts on “Kuhls Kolumne: POLITIKER SIND MÖRDER

  1. Diesem Kommentar stimme ich zu 100% zu. Und setze an einer Stelle noch einen drauf: Ich war 2009 und 2010 bei zwei Krefelder Bildungsträgern u.a. als Leher beschäftigt, die mich beide fristlos kündigten. Weil ich etwas für den Arbeitgeber schädliches tat: Ich habe junge Erwachsene in Ausbildung und Arbeit vermittelt, so wie es im Arbeistvertrag steht. Wie passt das? Ganz einfach: Im Auftrag der Jobcenter ist es Aufgabe von Bilungsträgern -um in der Diktion zu bleiben- Untote zu produzieren. Menschen zu domestizieren, die dann bis zum Tod mit Hartz IV zufrieden sind, und die Schnauze halten. Die Schöpfer dieses Systems wie der „Kurier des Zaren“ haben sich schon etwas dabei gedacht: Die Londoner Krawalle sind bei uns undenkbar. Wie lange noch?