Rezension: Claudia Kern – Sissi, die Vampirjägerin

Was passiert wenn man die Idee von Buffy, der Vampirjägerin, in ein historisches Gewand hüllt und dabei en wenig mit den Klischees der bekanntesten Kaiserin Österreichs des 19. Jahrhunderts herumspielt? Ein Roman, der eigentlich das Potential zu einem Klasse-Hit hätt, aber sich dann doch nicht entscheiden kann.

Wien – Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Donaumonarchie erholt sich von den Ereignissen der Märzrevolution und ist peinlichst darauf bedacht, das Reich von Anarchisten freizuhalten. Es ist die Zeit des sogenannten „rothosigen Leutnants“, Franz-Joseph I. Soldat, Kaiser und … Vampir. Nur wenige Eingeweihte wissen, dass nahezu der gesamte Hochadel Europas von uralten Vampirclans durchsetzt ist, die unerkannt von ihren Untertanen, die Geschicke der Welt lenken. Toleriert und unterstützt von menschlichen Handlangern, achten sie auf die Einhaltung jahrhundertealter Machtgefüge. Doch es gibt eine kleine Gruppe von Menschen, die sich zum Ziel gesetzt hat, dem Treiben der Blutsauger ein Ende zu bereiten. Zu ihnen gehört Herzog Max Joseph in Bayern, der seine beiden Töchter Helene und Elisabeth insgeheim zu tödlichen Waffen gegen die Untoten ausbildet. Sie sollen direkt in das Herz der Vampir-Monarchie vorstoßen und sie vernichten. Eine zunächst unscheinbare Romanze der jungen Elisabeth hat das Potenzial die Fundamente einer ganzen Welt zu erschüttern …

Angefangen hat der Trend mit dem Buch „Jan Austens Sinn und Sinnlichkeit und Zombies“ – wobei die Zombies zwar eine kleine Aufmerksamkeitswelle hatten, diese ebbt jedoch wieder ab, das Thema ist offenbar schneller durch als Vampire und Werwölfe – das überraschenderweise in England zum Hit wurde. Knochentrockene Klassiker, die mit Zombie-Action-Einlagen aufgepeppt werden, Schullektüre auf den Kopf gestellt. Was in England allerdings gut funktioniert, funktioniert vielleicht hier nicht so gut – wobei es natürlich auch schon eine Zombie-Variante von den „Leiden des Jungen Werther“ gibt, die bei Schülern vermutlich wahnsinnige Begeisterung auslösen wird.

Claudia Kern entschied sich für eine Mischung: Eine Prise von Buffy, der Vampirjägerin – die Autorin übersetzt die Buffy-Comics bei Paninini – eine Prise der romantischen historischen Liebesgeschichte plus zahlreiche Actionszenen. Das könnte in der Tat ein fesselnder Roman sein. Leider ergibt diese Melange nur dann ein Lesevergnügen, wenn die historischen Klischees auf den Kopf gestellt werden. Was leider nur selten der Fall ist, aber die herzig-liebe Sissi, die in Wirklichkeit eine Vampirjägerin ist hat durchaus Potential. Und Claudia Kern stellt bei den Charakteren auch kein reines Gut-Böse-Schema auf, wenngleich es natürlich auch zutiefst böse Figuren gibt – die Haupthelden allerdings haben auch Fehler und Schwächen. Nach einigen Seiten aber fragt man sich: Hätte diese Geschichte nicht auch genau so in der Gegenwart spielen können? Historische Details und Fakten sind nämlich spärlich oder kaum vorhanden, die geschichtliche Dichte, das Kolorit – das fehlt leider völlig. Im Grunde ist die Historie hier nur Staffage, Kulisse. Mehr nicht. Und gerade das ist der Kardinalfehler des Buches. Wer historische Romane liest möchte zumindest ein wenig in die Zeit eintauchen können – aber das kann man mit diesem Roman nicht. Einzelheiten, ja, die sind da, aber es gibt kein stimmiges Gesamtbild.

Und die Handlung? Ist durchaus spannend angelegt zum dramatischen Höhepunkt, plätschert aber leider nur so dahin. Zudem: Muss man denn immer die Welt retten? Ab und an ist es mit dem Drama und dem Pathos dann doch übertrieben. Immerhin: Langweilen wird man sich nicht. Dafür ist Claudia Kern einfach eine zu gute Autorin, als dass sie nicht wüßte wo man Spannungspunkte setzt. Und sie lässt sich natürlich auch noch ein Hintertürchen für eine mögliche Fortsetzung offen.

Alles in allem ist der Roman wie ein Menü von MacDonalds: Leicht verdaulich, befriedigt für eine kurze Zeit, bleibt aber nicht lange in Erinnerung. Zwar haben auch diese Mahlzeiten ihre Berechtigung, aber Claudia Kern kann mehr – das hat sie in der Trilogie um den Verwaisten Thron bewiesen. Das nächste Buch „Die Lämmer und das Schwert“ ist dann aber wieder besser, Frau Kern, gelle?

Titel: Sissi – Die Vampirjägerin – Scheusalsjahre einer Kaiserin
Autor: Claudia Kern
Seiten: 316
Verlag: Panini Books
ISBN: 978-3426504888
Preis: € 12,95 (TB)

One thought on “Rezension: Claudia Kern – Sissi, die Vampirjägerin

  1. wenn man sich die situation des buchhandels ansieht versteht man für welchen markt die kern produziert

    diese vampirerei war vor stoker upperclass-undercover-porno

    mit stokers dracula kam undercover-antisemitismus rein

    sex and crime – eros und thanatos – das älteste spiel der welt und die geschäftsgrundlage von bild und sun

    verschwörungstheorien haben hohe konjunktur

    und wo schon jeder deppige bulle in jeder ard-serie dauernd undercover die welt rettet

    ich habe claudia kerns sissi nicht gelesen – könnte das allerdings für sublime satire für kenner halten – und dann fände ich das klasse