Duisburg von unten – „Zum Klösterchen“

klosEine Trostlosigkeit sondergleichen gepaart mit schwer erträglichen Protagonisten, jenseits des gesunden Menschenverstands. Dies ist der Bericht eines Besuchs im „Klösterchen“. Einer Pinte in der Duisburger Altstadt, in der man keine Sekunde ohne harten Alkohol ertragen kann.

Als ich mit ein paar Freunden vor ewigen Jahren lattendicht am Duisburger Hauptbahnhof in ein Taxi stieg, wusste der Fahrer angesichts unseres Ziels schnell Bescheid. „Fahren sie uns bitte zur asozialsten Kneipe in Duisburg“. – „Hmm…ich kann euch in die Altstadt zum Klösterchen fahren“.

Dort angekommen standen wir vor verschlossenen Türen. Dies war auch der einzige Versuch diese „Wirtschaft“ aufzusuchen. Vor wenigen Wochen startete ich einen neuen Versuch in einem völlig nüchternen Zustand.

Ich spazierte die Altstadt entlang ohne wirklich zu wissen, was ich eigentlich will oder welches Etablissement ich aufsuchen wollte. Schräg gegenüber der Grundschule an der Klosterstraße entdeckte ich den Schuppen und erinnerte mich an den legendären Spruch des Taxifahrers. Ich drosselte das Tempo und näherte mich vorsichtig der Pinte. Aus dem Inneren hörte ich eine rauhe Lache einer vermutlich versoffenen Dame, welche ziemlich nach „Cindy aus Marzahn“ klang.

Die logische Punk-Konsequenz war ein schneller Entschluss den Laden zu betreten.

Sieben Gestalten bevölkerten die Theke als ich ein munteres „Guten Abend zusammen“ in die Runde warf. Nicht ein Gast erwiderte meinen Gruß. Immerhin kam die Wirtin lächelnd auf mich zu. „Wat kann ich Gutes für dich tun“? – „Ein Pils hätte ich gern“.

Als ich die Dame neben mir bemerkte, welche mich von oben bis unten seltsam abschätzte, ergänzte ich: „Wissen se wat? Geben Sie mir noch ein Wodka dazu“.

Die Drinks waren in Ordnung und passabel gekühlt. Von hinten ruft plötzlich jemand: „Heinz…wie lange solln wir warten? Du bist dran!“ – Der neben mir stark angesoffene Heinz steht gemächlich auf und schlürft den langen Weg zum Dartautomaten entlang. Dabei präsentiert er den Thekenmenschen ein verdammt tiefes, widerlich schwitzendes Maurerdekoletee. Heinz legt los und wirft die ihm zustehenden drei Pfeile. Als wenn die Pfeile sich beleidigt fühlen sich dermaßen besoffen behandeln zu lassen, scheinen sie sich anscheinend zu weigern in der Zielscheibe stecken zu bleiben. Null Punkte für Heinz. Er bückt sich und weitet die Arschfalte beinahe schon talentiert um die Dinger aufzusammeln und trottet völlig desinteressiert wieder zur Theke zurück um sich neben mich zu setzen.

„Ganz schön Pech gehabt, was?“ frage ich Heinz in der Hoffnung einen Gesprächspartner zu finden. „Kannste besser, wa?“ entgegnet er. Ich drehe mich wieder um zur Wirtin um ein neues Pilsken zu ordern als ich bemerkte, dass die Dame neben mir plötzlich anfängt zu heulen. Wie sich herausstellte war sie besoffen genug um den Sinn des Klassikers „Ich war noch niemals in New York“ zu begreifen, welcher just zu diesem Zeitpunkt im „Klösterchen“ lief. Schräg gegenüber rief anscheinend eine Freundin rüber ob „ et wieder soweit wäre“. Die schluchzende Frau orderte ihren x-ten Korn und wusch sich die Tränen aus dem Gesicht. Hinten rechts saßen noch vier andere Herren. Diese waren anscheinend dartmäßig besser drauf und spulten ihr Programm lakonisch runter. Das ganze spielte sich in einem furchtbaren Ambiente ab und man fühlte sich in die 50er Jahre zurück versetzt. Bevor ich Selbstmordabsichten hegte, bezahlte ich lieber. Ok, ein Wodka noch. Ach, Heinz!

Zum Klösterchen

Klosterstraße 29

47051 Duisburg

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