„ Wir sind Fechter aus Leidenschaft“ – Eindrücke vom Fechtsport bei Eintracht Duisburg

Am vergangenen Wochenende fand das 33. internationale Montan Fecht Tunier auf den Planchen des Eintracht Duisburg statt. Mehrere hundert Sportler lieferten sich in ihrer weißen Fechtkleidung, spannende Duelle.

xtranews wollte mehr über die in weiten Teilen der Bevölkerung nur als wahrgenommene Randsportart erfahren.

Mit dem Sieger des B-Jugend-Wettbewerbs Michael Steinfort und dem Trainer Klaus-Dieter Rose standen zwei kenntnisreiche Gesprächspartner zur Verfügung.

Einer der Favoriten und Hoffnungsträger der Eintracht ist der 14-jährige Michael Steinfort

Einer der Favoriten und Hoffnungsträger der Eintracht ist der 14-jährige Michael Steinfort

Einer der Favoriten und Hoffnungsträger der Eintracht ist der 14-jährige Michael Steinfort. Sein erstes Training begann er im Alter von 10 Jahren und hat im diesjährigen 33. Montan-Turnier den 1. Platz der B-Jugend erzielt. Verletzungsbedingt musste er ein Jahr auf Turniere verzichten und war selbst überrascht an diesem Wochenende über seinen Erfolg. Als kleiner Junge hat er das Fechten für sich entdeckt, da auch sein Vater aktiver Fechter war. „ Er fand es eine gute Idee, wenn ich mit dem Fechten anfangen würde. Er hat mich dann dem Sport näher gebracht. Ich hatte Talent und habe auch gut abgeschnitten“, so der Gymnasiast, der gerne nach dem Abitur Mathematik studieren würde.

Im Fechtsport leistet der Eintracht Duisburg eine enorme Jugendarbeit, erzählt uns Michael. Die Ausbildung im Verein erfolgt durch erfahrene Trainer. Michael Steinfort trainiert 2-mal die Woche 2 Stunden und ist mehr als zufrieden mit der Ausbildung im Verein. „Ich habe schon bei einigen anderen Vereinen trainiert, aber hier geht es entspannter zu. Wir fechten gerne. Wir sind Fechter aus Leidenschaft. Wir mögen alle den Sport, wir haben Spaß daran“.

Dass mit dem entspannten trainieren, sieht Klaus-Dieter Rose als verantwortlicher Trainer naturgemäß etwas anders. „Wir arbeiten im Verein mit offenen heterogenen Gruppen. Dies hat den Vorteil, dass jeder nach seinem Leistungsvermögen trainieren kann und wir als Trainer gezielt Potentiale erkennen und dann speziell fördern können“ erzählt der diplomierte Sportlehrer.

Leistungsdruck steht bei Eintracht nicht auf dem Trainingsplan. Gerade junge Menschen haben noch andere Interessen. „Jemand der Talent hat, der muss auch speziell gepusht werden. Der hat auch Spaß an dem Sport und kommt dann auch gerne 3-4 Mal in der Woche zum Training. Ob er dies jetzt als Zwang empfindet oder nicht, das ist immer sehr individuell. Die Schnittstelle ist immer sehr fließend. Wir versuchen es, jedem Recht zu machen. In einem Landesleistungszentrum geht dies natürlich nicht. Erfolgreich wird man erst im Fechtsport, wenn man wirklich 2-3 Mal die Woche trainiert. In anderen Sportarten muss man wirklich jeden Tag trainieren. Im Fechten ist das nicht so. Man muss aber zielgerichtet daran arbeiten. Wir haben aber auch Kinder, die ganz klar sagen, das die das nicht wollen. Wettkampf kommt nicht für mich in Frage. Es gibt aber andere, die leben sich an einem Wettkampf richtig aus. Wir kommen zum Training und wollen einfach nur mitmachen. Dies berücksichtigen wir auch“, so Trainer Rose.

„Leistungsdruck gibt es hier nicht. Es gibt dafür kein Geld, alles nur Hobby. Es geht immer nur, wenn der Sportler am Ende sagt: Ich will!“, erzählt der Trainer weiter.

Michael Steinfort hat auch andere Seiten erlebt. „Ich kenne Vereine, in denen man unter Druck gesetzt wird. Ich habe mich von Anfang an gegen extremes Training ausgesprochen. Wir Laufen, wir machen Ausdauertraining, ein bisschen Beinarbeit und Freigefecht. Bei anderen Vereinen ist dies anders. Dort wird sehr stark auf Leistung getrimmt. Wir sind hier ein relativ entspannter Verein. Man lernt etwas, ohne es wirklich zu merken. Erst auf dem Turnier wird es einem klar, wie sehr man den anderen meistens überlegen ist.“

Angesprochen, welche Eigenschaften ein Fechter mitbringen sollte und was das Fechten ausmacht, antwortet Michael „Beim Fechten werden die Instinkte geschult. Es gibt Fechter, die während des Gefechtes denken und sich auf jede Aktion einspielen. Das Training dient jedoch dazu, sich instinktiv auf jede Aktion des Gegners vorzubereiten. Klar braucht man eine gewisse Kondition, aber es ist ein Kurzsprint-Sport“.

„Man muss persönlich den Ansporn haben sich in einem Wettkampf mit einem anderen messen zu wollen. Ich muss mich mit dem anderen auseinandersetzen wollen. Man muss auch eine gewisse Koordination haben und es muss jemand sein, der Fleiß entwickelt“ ergänzt Ausbilder Rose, der bis 2006 als Trainer im Landesleistungszentrum für Fechter in Moers beschäftigt war. Es sei ein Kampfsport der zwingend vorschreibe den Gegner nicht zu verletzen führt weiter aus. Wer bei einem Wettkampf aggressiv sei oder den Gegner auch nur versehentlich anrempelt, wird sofort von der Planche geschickt und ist disqualifiziert.

Angesprochen, ob es auch Interessierte gebe, die gerne Fechten lernen wollen, weil sie die Musketiere gerne gesehen oder gelesen haben, lacht Rose auf und antwortet, dass es kaum welche gibt, die nicht von diesen Mantel- und Degenfilmen inspiriert worden seien.

Wer Interesse an dem Fechtsport hat, dem bietet die Eintracht Duisburg auch Schnupperkurse an. Eine Ausrüstung wird in der Anfangszeit auch vom Verein gestellt, so dass es hier zu keinen Fehlinvestitionen kommt. Später kann man Ausrüstungsteile in der vereinseigenen Gebrauchtbörse günstig erwerben. Wer allerdings eine komplett neue Ausrüstung kaufen möchte, der wird schnell 400 Euro los.

Weitere Informationen finden sie unter http://eintracht-duisburg.com/abteilungen/fechten.html

Bilder vom Sonntag: http://xtranews.de/imagedesk/index.php/Duisburg/Internationales-Montan-Fecht-Turnier-Sonntag

Bilder vom Samstag: http://xtranews.de/imagedesk/index.php/Duisburg/Internationales-Montan-Fecht-Turnier

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