Münster: „Bald war ich so gut wie isoliert“

Themenabend zu Lebenswegen von drei jüdischen Familien aus Wolbeck

Münster (SMS) „Bald war ich so gut wie isoliert“, schrieb die Jüdin Jenny Cohen über ihre Studienjahre in Münster während der Weimarer Republik. Die spätere Zahnärztin, 1905 in Wolbeck geboren, hatte den Holocaust überlebt. Lebensgeschichten zu Stolpersteinen von drei jüdischen Familien aus diesem Ortsteil zeichnet der Themenabend im Stadtarchiv am Donnerstag, 30. Juni (18 Uhr) nach.

„Sie haben doch immer dazu gehört“. Viele Deutsche nahmen die aufkommende Verfolgung ihrer jüdischen Nachbarn zunächst nicht ernst. Tatsächlich lebten die jüdischen Bürger Wolbecks in vielen Bereichen gemeinsam mit ihren katholischen und evangelischen Nachbarn. Sie teilten Alltag und Freizeit, begegneten sich in Vereinen und die Kinder besuchten dieselbe Schule.

Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurde die Ausgrenzung der jüdischen Mitbürger auch in Wolbeck spürbar. Der Themenabend spürt den Schicksalen der drei jüdischen Familien Falke, Pins und Philipps nach. Die Referenten Peter Schilling, Monika Simonsmeier, Dorothee Schulte-Scherlebeck und Dr. Gudrun Beckmann-Kircher vom Verein „Spuren finden“ werden die einzelnen Lebensgeschichten erzählen. Stolpersteine erinnern in Wolbeck an diese Opfer des Nationalsozialismus.

Der Vortrag wird ergänzt durch Fotos aus Privatbesitz, die zum ersten Mal öffentlich gezeigt werden. Das Stadtarchiv holt dazu aus seinen Magazinen Dokumente und Schriften, mit denen Archivbesucher sich auf Spurensuche begeben können. Der Eintritt ins Stadtarchiv, An den Speichern 8, ist frei.

 

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