Duisburg von unten – „König City“

Auch Mainstream-Kneipen können in Ordnung sein. Der Beweis ist die Duisburger Institution „König-City“ wo es in der Tat das leckerste Bier in Duisburg gibt. Ein Besuch in einer Kultkneipe mit viel Spießer-Potential.

Ursprünglich wollte ich in die „Laterne“ am Sonnenwall als ich leicht erschrocken vor der Tür meinen Chefredakteur von Xtranews treffe. Der Boss schlägt vor ins nahegelegene „König-City“, allgemein „Köpi“ genannt, umzusiedeln. Nicht nur weil dort auch geraucht werden darf. Ich hadere. Denn unter der Rubrik „Duisburg von unten“ scheint diese Upper-Class Pinte nicht wirklich zu passen. Die Tatsache, dass ich von meinem Chef begleitet werde und er stets ein Auge auf den vermeintlich rund gesoffenen Deckel hat, lässt mich schaudern. Mein üppiges Salär für die Testbesuche in Duisburgs Pinten ist schliesslich nicht gerade die Welt und kann nur steigerungsfähig sein. Es qualmt ganz schön beim Betreten der Bar. Warum eigentlich ist hier überhaupt noch das Rauchen erlaubt? Haben da etwa ein paar Nikotin-Fans und Alkoholiker des Duisburger Ordnungsamt ihre Finger im Spiel?

An die 50 Gäste sind in und vor dem „Köpi“. Wirt „Walter“ stellt uns nach geschätzten 5 Sekunden ein Pils vor die Nase welches wirklich grandios schmeckt. „Walter“ wirkt routiniert, äusserst freundlich und witzig obendrein. Seine perfekt sitzende Weste über dem Hemd steht ihm. Er hat alle Hände voll zu tun. Das Bier fließt in der Tat in Strömen. „Nächstes Jahr haben wir Jubiläum. 35 Jahre sind es dann“ erzählt er. Seit 1977 wird hier gesoffen. Sagte ich „gesoffen“? „Man trinkt gepflegt“, sagt mir mein späterer Pissoir-Partner, welches ich rülpsend kommentierte. Gepflegt wirken auch die vielen Gäste des Abends. Rentner mit Zwirn, Anzugträger mit Schlips, Malochertypen mit Schnäuzer, aber ohne Trashfaktor, Damen ab 50 ohne Hartz 4-Status. Vergeblich suche ich nach echten Originalen abseits der üblichen Laberei. Mir wird beinahe schon langweilig als mir eine echte Duisburger Reporterlegende vorgestellt wird. Friedel Kaufhold. Eine Ewigkeit WAZ-Sportredakteur und jetzt im Ruhestand geniesst das Rentner-Pils. Man unterhält sich und stellt später leicht verbittert fest, dass dies wohl der einzige Höhepunkt des Aufenthalts im „Köpi“ war. Sind denn wirklich alle Gäste vernünftig und niemals ausfallend? Immerhin entdecke ich einen glatzköpfigen Rentner mit weißem Sakko und sehr seltsamer Brille. Dieser sprach ständig mit sich selbst und nestelte nervös an der Innentasche seines Jackets indem sich doch tatsächlich eine „Frolic“- Hundefuttertüte befand. Leider suchte ich vergeblich nach dem echten „Horst Schlemmer“. Nachvollziehbaren Gerüchten zufolge hat Hape Kerkeling ihn im „Köpi“ angetroffen und inspiriert. Man findet ihn auf der Homepage des „König-City“. Auf der Startseite in einem Video. Bei Minute 2:32 ist er zu sehen. Wenn ihn jemand kennt….34 Pils für ihn auf meinem Deckel. Prost!

http://www.koenig-city-duisburg.de

Düsseldorfer Straße 4
47051 Duisburg

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