„Sie berührt…“: Olesya Golovneva gibt ihr Debüt als Vitellia in Mozarts „La clemenza di Tito“

Photo: Prinzjakowitsch

Zurückweisung, unerwiderte Liebe, Einsamkeit – was den Menschen zu grausamen Verbrechen treibt, sind oft unterbewusste Vorgänge, initiiert vom Verhalten anderer. In der Oper „La Clemenza di Tito“ verleiten die seelischen Konflikte zu einem mörderischen Plan: Vitellia, Tochter des ehemaligen Soldatenkaisers Vitellius, liebt den römischen Kaiser Titus. Dieser hat jedoch eine andere zu seiner Braut erkoren und erwidert Vitellias Gefühle nicht. Die gekränkte Frau sinnt auf Rache und beauftragt ihren Verehrer Sextus, den Kaiser zu ermorden, doch das Attentat wird vereitelt. Am Ende vergibt Titus in seiner Milde (clemenza) Vitellia.

In den letzten drei Vorstellungen im Opernhaus Düsseldorf (23. Juni, 26. Juni und 2. Juli) singt die russische Sopranistin Olesya Golovneva die Vitellia. In Düsseldorf ist sie keine Unbekannte: Ihr Debüt an der Deutschen Oper am Rhein als Gilda in Verdis „Rigoletto“ wurde von Publikum und Presse bejubelt. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung sah in der „zierlichen, hypersensiblen Gilda“ ein „kraftvolles lyrisches Stimmwunder“, für den Kölner Stadtanzeiger war sie ein „Glücksgriff“: „Was hat diese Frau für Möglichkeiten! Ihr Sopran flutet durch alle Höhen und Tiefen, durch alle Lautstärkegrade mit einer Mischung aus Weichheit und Strahlkraft. Wenn sie ihre Töne erzeugt, gelingt ihr das mit minimaler Luftzufuhr und größter Leichtigkeit. Diese Stimme hat etwas Seltenes: Sie berührt…“. Und in der „Opernwelt“ hieß es: „Die Krone des Abends gebührte Olesya Golovneva alias Gilda. […] Man wird wohl noch viel Freude an ihr haben. Golovnevas Sopran flutet mühelos auch durch Grenzbereiche der Tessitura. Sie beherrscht den fließenden Übergang zwischen kleinsten Lautstärkegraden und versteht es, Koloraturen bei minimaler Luftzufuhr klangintensiv zu formen. Eine Stimme, die immer wieder tief berührt.“
Wie in der Premiere 2006 ist Corby Welch als Titus zu erleben, die Mezzosopranistin Katarzyna Kuncio singt Sesto, die Sopranistin Anke Krabbe die Servilia. Melanie Lang, Mitglied des Opernstudios, gibt ihr Debüt als Annio. Für seine Inszenierung hat Christof Nel keinen historisierenden Zugang gewählt, vielmehr geht er von heutigen Lebenserfahrungen aus: „Gerade bei dieser Oper finde ich spannend und modern, was Mozart in den Beziehungen zwischen den Figuren in dieser historischen Handlung versteckt hat. Was da an Konflikten, Spannungen, Zerrissenheiten und an einer unglaublich modernen Sicht auf Menschen niedergeschrieben ist, finde ich atemberaubend.“
Wolfgang Amadeus Mozarts (1756–1791) Oper entstand 1791 als Auftragswerk des Prager Nationaltheaters zur  Krönung Leopolds II parallel zu seinem letzten Werk „Die Zauberflöte“. Mit dem historischen Stoff, der noch  ganz dem Geist der Aufklärung verpflichtet ist, schreibt er eine Oper, die sich im Stil der Opera seria musikalisch  vollkommen von der „Zauberflöte“ unterscheidet. Wie immer stellt Mozart seine Figuren mit großem Einfühlungsvermögen als lebensechte Charaktere mit all ihren Stärken und Schwächen vor und schafft ein wirkliches Drama der Leidenschaften.

Vorstellungen im Opernhaus Düsseldorf: Do 23.06. – 19:30 Uhr  /  So 26.06. – 18.30 Uhr  /  Sa 02.07. – 19.30 Uhr. Karten: Opernshops Düsseldorf und Duisburg, Tel. 0211 / 89 25 211, www.operamrhein.de.


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