Der Verkauf und die Stilllegung von Wasserwerken hier in Duisburg birgt ökologische und ökonomische Risiken

Ein Text von Ralf Welters

Aufgrund sinkender Einwohnerzahlen beabsichtigen die Duisburger Stadtwerke, das Wasserwerk in Rumeln-Kaldenhausen zu verkaufen.
Kaufinteressenten sind der Copeo-Fruchtsafthersteller Niederrhein-Gold aus Moers-Kapellen und die Energie Wasser Niederrhein GmbH (Enni).

Nach Angaben der Stadtwerke wird dieses Wasserwerk nicht mehr benötigt, da die sinkende Einwohnerzahl den Wasserverbrauch von damals 50 Mio Kubikmeter auf ca. 34 Mio Kubikmeter reduziert hat.

Zur Zeit ist die Wasserversorgung in Duisburg so geregelt, dass der Norden der Stadt das Wasser vom externen Versorger Gelsenwasser bezieht. Das ist vertraglich geregelt. Die natürliche Grenze bildet dabei die Ruhr.

Der Süden der Stadt bezieht das Wasser aus zwei Wasserwerken in Düsseldorf-Bockum und Düsseldorf-Wittlaer sowie zur Zeit aus Rumeln-Kaldenhausen. An den beiden Wasserwerken auf Düsseldorfer Gebiet sind die Stadtwerke anteilmäßig mehrheitlich beteiligt. Auch daran soll sich künftig in puncto Wasserversorgung etwas ändern. Es bestehen seitens der Stadtwerke Überlegungen, das Werk in Bockum langfristig still zu legen.

In Abwägung der Argumente des Unternehmens Stadtwerke Duisburg, welches sicherlich, aus unternehmerischen Überlegungen, den kurzfristigen Gewinn durch den Verkauf vor Augen hat, sehe ich dennoch hohe Risiken.
Ein ökologisches Risiko ist durch die Stilllegung der Anstieg des Grundwasserspiegels. Wir wohnen hier in Duisburg in einem Gebiet mit vielen Flüssen und Seen. Das Wasser aus dem Rheinbecken spielt bei der Grundwassergewinnung eine gewichtige Rolle. Auch die Ruhr und die vielen Seen sind dabei nicht zu vernachlässigen.

Sollten nun die Brunnen der Wasserwerke durch Stilllegungen versanden, besteht die große Gefahr, bei klimatischen Phänomenen wie Starkregen, dass der Grundwasserspiegel ansteigt und die Keller vieler Häuser volllaufen. Der wirtschaftliche Schaden wäre dabei nicht zu beziffern. Zudem würden die heutigen maroden Kanalisationsnetze unserer Stadt diese Wasserlasten nicht kompensieren können.

Ein weiteres Problem stellen mögliche Versorgungsenpässe bei Katastrophenszenarien da. Wie bereits damals geschehen, waren alle angrenzenden Wasserwerke bei einer Verunreinigung des Rheins durch einen Chemieunfall (Sandoz-Chemieunfall 1986) nicht in der Lage, die Trinkwasserversorgung der umliegenen Kommunen zu gewährleisten. Wasserwerke, wie das in Düsseldorf-Bockum, bekamen damals eine wichtige Rolle, weil deren Entfernung vom Rhein eine hohe Qualität des Trinkwassers ermöglichte und somit die Grundversorgung gewährleistete.

Die Landwirtschaft birgt ebenfalls unkalkulierbare Risiken in sich. Grundwasserverunreinigungen durch zu hohes Düngen und der damit verbundene hohe Nitrat-Gehalt im Grundwasser zwingt uns ebenfalls, eine Großzahl an Brunnen zu erhalten, damit die Wasserversorgung für die nächsten Jahrzehnte geregelt bleibt.

Ökonomische Gefahren sind ebenfalls nicht so einfach von der Hand zu weisen. Der Rohstoff Trinkwasser wird von Jahr zu Jahr immer kostbarer. Durch Stillegungen von Brunnen und Wasserwerken ist die Gefahr eines Preisanstiegs für den Endverbraucher gegeben. Neben steigenen Energiepreisen beim Öl und Gas wird sicherlich auch der Wert des Wasser durch gesteuerte Ressourcenverknappung steigen. Hinzu kommt bei der Preisgestaltung, aus Duisburger Sicht, die unsinnige Schaffung von Abhängigkeitsverhältnissen mit externen Versorgern, wenn wir unsere eigenen Wasserwerke verkaufen oder stilllegen. Auch hier wird der Endverbraucher die Zeche zahlen dürfen. Betroffen sind nicht nur die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt, sondern auch ortsansässige Betriebe und die Schwerindustrie. Produktionskostensteigerungen sind dann die Folge, die sich ebenfalls im Endpreis eines Produktes wiederspiegeln.

Ein weiterer Aspekt ist der unötige und kostspielige Mehraufwand durch eine Stilllegung. Durch eine Stilllegung von Wasserwerken muss der Ausbau eines Ringversorgungsnetzes und der Bau weiterer Versorgungsleitungen koordiniert werden, was wiederum Mehrkosten verursacht.

Wenn, wie oben bereits erwähnt, ein Energieunternehmen wie Enni Interesse am heimischen Wasserwerk zeigt, sollten wir Duisburger hellhörig werden und uns die Frage stellen: Warum hat ein Unternehmen wie Enni ein solch großes Interesse an einem „unrentablen“ Wasserwerk. Enni denkt wahrscheinlich langfristig und ist nicht an kurzfristigen Gewinnen orientiert. Genau dieses sollten die Verantwortlichen bei den Stadtwerken ebenfalls tun ich nehme sie hiermit in die Pflicht. Zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Sie dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen.

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