Buchrezension: Bartimäus – Das Amulett von SamarKand Bd.1

Buchbesprechung* von Mona Ziemes

Nathanael ein zwölfjähriger Zaubererlehrling, wohnt wie es für Lehrlinge üblich ist, in dem Haus seines Meisters Underwood. Zuneigung erfährt Nathanael nur von Martha, der Ehefrau des Meisters.

Als intelligenter, neugieriger Zauberlehrling und mit Wut auf Zauberer Lovelace, dauert es nicht lange, dass Nathanael sich an erste Beschwörungsformeln und Pentagrammen herantraut.
Somit erscheint ihm Dschinn Bartimäus, der ersichtlich von Zauberern genervt ist und dies mit sehr viel Ironie immer wieder deutlich macht.

Im etwas anderen London nimmt die Geschichte ihren Lauf. Zauberer beherrschen das Land und die „Gewöhnlichen“ leiden darunter.
Die Spannung steigt als Nathanael dem Dschinn den Auftrag erteilt, das Amulett von SamarKand zu stehlen.

Das Buch ist einfach geschrieben, da es ursprünglich für Jugendliche ab 10 Jahren geschrieben wurde. Aber auch der Erwachsene kann ersichtliche Freude an der Geschichte entwickeln.
In der Sicht des Dschinns Bartimäus geschrieben, mit seinen recht ironischen Anmerkungen via Fußnote, kommt man meist aus dem Lachen nicht heraus.
An einigen Stellen zieht sich die Geschichte in die Länge, so dass sich auch das Lesen der Fußnoten als schwierig erweisen, aber die Spannung sowohl der Humor überzeugt, weiter zu lesen und man wird nicht enttäuscht!

Leseprobe: Gespräch mit einem Foliot > „billiger Dschinn“

„… Gegen Mittag schwoll der Strom gut betuchter Kunden, die Pinns Laden aufsuchten, noch an. Der dicke Sholto dienerte und katzbuckelte, was das Zeug hielt. Auf sein Geheiß hüpfte der Foliot kreuz und quer durch den Laden und schleppte Schachteln, Umhänge, Regenschirme und alle möglichen anderen Artikel herbei.
Etliche Verkäufe wurden getätigt, dann näherte sich die Mittagszeit ihrem Ende und die Kunden verliefen sich wieder.
Jetzt kümmerte sich Sholto um seinen Magen. Er erteilte dem Foliot ein paar Anweisungen, zog einen dicken schwarzen Mantel an und verließ sein Geschäft.
Ich beobachtete, wie er ein Taxi heranwinkte, einstieg und im Verkehrsgewühl verschwand. Gut so. Er würde eine Weile wegbleiben.
Inzwischen hatte der Foliot ein Schild mit der Aufschrift GESCHLOSSEN in die Tür gehängt und sich auf den Hocker an der Ladentheke zurückgezogen, wo er sich, ganz eifriger Schüler seines Herrn, wichtigtuerisch aufplusterte.


Das war die Gelegenheit, auf die ich gewartet habe. Ich wechselte die Gestalt, und statt der Taube klopfte ein bescheidener Botenkobold an die Tür, ein getreues Abbild des Wichts, den ich in Hampstead Heath so drangsaliert hatte.
Der Foliot blickte erstaunt auf, warf mir einen ärgerlichen Blick zu und machte mir ein Zeichen zu verschwinden. Ich klopfte  noch kräftiger. Mit einem zornigen Ausruf sprang der Foliot vom Hocker, tapste zur Tür und öffnete sie einen Spalt. Die Ladenglocke bimmelte.

Hier in der Passage wird die Umgangssprache deutlich, die in diesem Buch oft verwendet wird.

„Wir haben geschlossen“
„Nachricht für Mr Sholto.“
„Der ist nicht da. Komm später wieder.“
„Geht leider nicht, Chef. Is dringend. Wann isser denn zurück?“
„Ungefähr in einer Stunde. Mein Herr ist zu Tisch.“
„Wohin?“
„Das hat er mir nicht mitgeteilt.“ Der Foliot hatte eine hochnäsige, überhebliche Art. Offenbar war er sich zu gut dafür, mit Kobolden wie mir zu reden.
„Auch egal. Dann warte ich halt.“ Ich machte mich dünne, duckte mich unter seinem Arm hindurch und schlängelte mich in den Laden . „Mann, das is ja ne krasse Bude hier!“
Der Foliot kam aufgeregt hinter mir hergerannt. „Raus mit dir! Raus! Mr Pinn hat mir strikt verboten, jemanden herein…“
„Reg dich ab, Kumpel. Ich klau schon nix.“
Der Foliot baute sich zwischen mir und dem Ständer mit den silbernen Taschenuhren auf. „Das will ich dir auch geraten haben! Ich brauche nur einmal aufzustampfen, dann erscheint ein Horla und frisst jeden Dieb oder ungebetenen Besucher! Also verschwinde gefälligst!“
„Schon gut, schon gut.“ Mit hängenden Schultern schlurfte ich zur Tür. „Ich seh´s ja ein – du bist mir überlegen. Und du hast es verflixt gut getroffen. Nich jeder darf so nen schicken Laden wie den hier führen.“
„Da hast du allerdings Recht. „Der Foliot war zwar reizbar, aber auch eitel und für Schmeicheleien anfällig.
Wahrscheinlich wirst du nie verprügelt und kriegst auch nie´n Glühheißen Stichel verpasst.“
„O nein, niemals! Schließlich bin ich außerordentlich tüchtig und mein Herr weiß das sehr zu schätzen.“
Jetzt wusste ich, mit wem ich es zu tun hatte – mit einem Kollaborateur der schlimmsten Sorte! Am liebsten hätte ich ihn gebissen. ¹

Bartimäus ist ein sehr intelligenter Dschinn, der nicht durch Stärke so manchen Kampf gewinnt, sondern durch die Cleverness, die er an den Tag legt.

1. Unsereiner führt seine Aufträge zumeist gezwungenermaßen aus, und zwar aus dem einfachen Grund, weil man uns bestraft, wenn wir nicht spuren. Doch einige von uns, meistens solche mit bequemen Jobs wie Sholtos Diener, finden mit der Zeit Gefallen an ihrer Knechtschaft und richten sich darin ein. Oft müssen sie nicht einmal mehr beschworen werden, sondern arbeiten freiwillig für ihren Herrn, ungeachtet der Schmerzen, die ihnen der dauernhafte Aufenthalt in einem Körper beschwert. Wir anderen sehen mit Abscheu und Verachtung auf sie herab.

Fußnotenbeispiel andere Passage:

2. Von wegen! Ich war derjenige, der Nofretete das Fußkettchen verschafft hatte. Und ich darf hinzufügen, dass sie auch schon ohne das Ding eine tolle Frau war. (Nebenbei gesagt, die modernen Magier irren sich gewaltig. Das Kettchen macht eine Frau nich etwas schöner; es zwingt ihren Ehemann lediglich, allen ihren Launen nachzugeben. Der arme alte Herzog konnte einem fast Leid tun.) „

*Jonathan Strouds
Bartimäus – Das Amulett von SamarKand Bd.1
aus dem englischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung
Originalausgabe 2003 unter dem Titel „The Bartimaeus Trilogy – The Amulet of Samarkand“
cbj 2007 1 Aufl. ISBN 978-3-570-13293-7

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