Duisburg von unten – „Marktklause“ – Fingerspitzengefühl für Freaks und gestrandete Rentner vorausgesetzt

In Duisburg-Marxloh gibt es sie noch. Richtige Spelunken in denen so manch einer niemals freiwillig hineingehen würde. Interessant ist die „Marktklause“ dennoch allemal. Fingerspitzengefühl für Freaks und gestrandete Rentner vorausgesetzt.

Nach einem entspannten Saunabesuch in der Niederrheintherme führe ich mein Wellnessprogramm fort und gönne mir was gesundes beim legendären „Peter Pomm“ am Auguts-Bebel-Platz mitten in Marxloh. Als ich den neben mir stehenden, Curryletten schlürfenden Rentner frage ob es hier eigentlich noch deutsche Kneipen gibt, sagt er: "Naja… Ein paar wenige schon. Gehen Sie aber nicht in die „Marktklause“. Kann ungemütlich werden“. Ich erkannte schnell meine Chance eine Perle der Säuferkultur entdecken zu können.

Quasi schräg gegenüber vom Media-Markt, auf der Friedrich-Engels-Straße befindet sich die „Marktklause“. Wenige Meter davor höre ich schon ein lautes, keineswegs einladendes Palaver der Gäste. Ich betrete den Laden und ziehe sofort alle Blicke auf mich. Kein Wunder, denn erstens bin ich fremd und zweitens wirke ich ziemlich deplaziert mit meinem Anzug, dem Hut und den leicht dreckigen schwarzen Chucks. Ich nehme den einzigen freien Platz an der Theke, bestelle ein Pils und bemerke schnell eine wunderbare Trashqueen der abgefuckten Sorte mit verdammt tiefen Dekolette. Schnell bemerkt die vermutlich 50-jährige Dame meinen frechen Blick in ihrem Ausschnitt und spricht mich mit einer rauchigen Stimme an: „Für mich bitte einen Asbach-Cola“. Nicht nur angesichts ihrer extrem schlecht geschminkten Augen lache ich sie an. „Gern“ erwidere ich ihre punkige Offerte als sie von ihrer Nachbarin angeraunzt wird. „Der Mann ist doch grade erst reingekommen und du bettelst schon rum. Schämste Dich eigentlich für nix?“. Meine neue Freundin zuckt nur mit den Schultern und nimmt einen tiefen Zug Nikotin. Ich ordere ihr Gesöff, schnappe mein Iphone um die halbwegs angenehme Pinte zu fotografieren. Plötzlich kommt ein Gast auf mich zu. „Mich fotografierste aber nicht, verstanden?“. „Habe ich nicht vor. Will nur das Ambiente festhalten“. „Wat denn fürn Ambiente? Mich fotografierste nicht, ok?“. „Alles klar“. Ich setze mich wieder und schlürfe das eher fade Bier. Die anfangs nette Dame neben mir hat anscheinend trotz Asbach-Cola keinen nennenswerten Gesprächsbedarf, als ich mich dann doch entscheide wieder zu gehen. Schade eigentlich. Wie gerne wäre ich dort versackt aber anscheinend will man lieber unter sich bleiben? Immerhin kommt ein „Tschüssikowsky“ und ich schlürfe von dannen. Ich konnte noch nicht ahnen, dass der Nachmittag eine entscheidende Wende bekommt. Nur wenige Meter weiter entdecke ich eine neue Kneipe im Brahm-Center. Aber dazu an anderer Stelle mehr. Cheers! Wir sehen uns an der Bar!

4 thoughts on “Duisburg von unten – „Marktklause“ – Fingerspitzengefühl für Freaks und gestrandete Rentner vorausgesetzt

  1. hallo roman

    wenn ich du wäre würde ich die bisherigen lokalinspektionen auf cd brennen
    dazu ein gut formuliertes buch-expose

    duisburg von unten kriegt stadtführer-qualität
    sobald du genügend beiträge zusammen hast
    und das machst du ja schon ziemlich schnell

    und damit zu duisburg-marketing
    sollen dir nen verlag besorgen
    und das ding dann in der stadtinformation verhökern

    oder du machst book-on-demand auf dein risiko

    oder du redest mit rodenbücher
    dass xtranews das als eigene serie rausgibt
    das wäre in meinen augen die beste lösung

    anyway

    solltest du dich dazu durchringen

    schenkst du mir ein exemplar

    an dieser stelle sei dir schonmal gedankt

    • Lieber Thomas,

      vielen Dank für die warmen Worte!

      Zur Zeit bin ich viel zu faul für Dinge dieser Art. Ab September wird es deutlich ruhiger in meinem Leben. Dann ist alles möglich. Ich arbeite übrigens schon seit Jahren an meinem Buch:-)

      cheers

  2. finde wenn man schon die artikel schreibt

    warum keine zweitverwertung

    gewönnen alle dran

    es gibt ein buch von paul lafargue (schwiegersohn von marx)

    „das recht auf faulheit“

    da steh ich mit meinem leben voll hinter

    man gönnt sich ja sonst nichts