Britischer Experte soll Love Parade begutachten

Ein britischer Experte soll aufklären, wie es bei der Duisburger Love Parade zu dem tödlichen Gedränge kommen konnte, in dem am 24. Juli vergangenen Jahres 21 Personen starben und Hunderte verletzt wurden, so der Spiegel in seiner Vorabmeldung. Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat den an der Buckinghamshire New University lehrenden Professor für Massendynamik und Massenmanagement Keith Still beauftragt, ein Gutachten zur „Ursache der Menschenverdichtung“ bei der Raverparty zu erstellen. Still gilt weltweit als ausgewiesener Fachmann. Deutsch spricht er allerdings nicht. Für die Expertise benötigte Papiere wie etwa das Sicherheitskonzept der Love Parade liegen ihm bereits in Übersetzung vor. Deswegen rechnen die Staatsanwälte nicht mit einer Verzögerung ihrer Ermittlungen. Still müsse vor allem Videoaufnahmen auswerten, die aus verschiedenen Perspektiven den Zuschauerstrom dokumentierten. Sein Gutachten werde noch in diesem Jahr fertiggestellt.
Unterdessen könnte Innenminister Ralf Jäger (SPD) mit einer Äußerung in der Aktuellen Stunde des Landtags am vergangenen Donnerstag in Erklärungsnot geraten. Zum umstrittenen Schichtwechsel (SPIEGEL Nr. 20/2011) der Polizei während des Love Parade-Einsatzes sagte Jäger, es habe „weder in tatsächlicher noch rechtlicher Hinsicht Anhaltspunkte für eine dienstpflicht- beziehungsweise sorgfaltswidrige Ablösung der Polizeikräfte“ gegeben. Der Minister gab an, diese Passage aus einem Bericht der Staatsanwaltschaft Duisburg vom 17. Januar 2011 zu zitieren. Der Satz jedoch, der nach Jägers Ansicht die Polizei entlaste, steht nicht in diesem Papier. Stattdessen findet er sich in einem internen Bericht des Düsseldorfer Justizministeriums an Jäger vom 18. Mai. Mit diesem Papier, das eine eilig eingeholte Stellungnahme der Duisburger Staatsanwaltschaft wiedergibt, hatte sich der Innenminister für die Aktuelle Stunde präpariert.

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