Kongress in Duisburg: Elternarbeit ist der Grundstein für mehr Bildungsgerechtigkeit

Duisburg – Mehrheit der Lehrer beklagt laut aktueller Allensbach-Umfrage mangelnde Unterstützung aus dem Elternhaus/Konstruktiver Dialog zwischen Kita, Schule und Elternhaus gefordert/ Duisburg sendet positive Signale in die Bildungsrepublik Deutschland/ Vodafone Stiftung Deutschland und Stadt Duisburg starten in Duisburg Hochfeld und Homberg-Hochheide Modell für Elternarbeit mit allen Bildungsakteuren

Herkunft prägt Zukunft. Ob PISA, OECD, Bildungs- oder Integrationsbericht – die Ergebnisse gleichen sich: In Deutschland entscheidet die Herkunftsfamilie maßgeblich über den Bildungserfolg von Kindern. Der Einfluss des Elternhauses auf den Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen ist laut Bildungsforschung mehr als doppelt so groß wie der Einfluss von Schulen, Unterricht und Lehrern zusammen. Neben den persönlichen Leistungen und Ambitionen der Kinder prägt auch das Entscheidungsverhalten der Eltern die Bildungsbiographie. Der Kongress zur Elternbildung am 17. Mai 2011 in Duisburg brachte über 500 Experten, die gemeinsam mit Familien an der Entwicklung und Bildung von Kindern arbeiten, in der Mercatorhalle Duisburg zusammen, um neue Wege der Zusammenarbeit mit Eltern zu erkunden.

„Schon heute fördert das Land Nordrhein-Westfalen mehr als 150 Familienbildungsstätten. Deshalb freut es uns sehr, dass mit diesem Kongress neue Wege in der Arbeit mit Eltern aufgezeigt werden sollen. Denn Bildungsgerechtigkeit werden wir nur dann erreichen, wenn wir alle Eltern für die Bildungsverläufe ihrer Kinder begeistert haben“, so Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Das Programm „Lernen vor Ort“ von DuisburgBildung, gefördert mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, und die Vodafone Stiftung Deutschland hatten zu einer Fachtagung mit Experten öffentlicher und privater Bildungsinstitutionen aus Nordrhein-Westfalen und der gesamten Bundesrepublik nach Duisburg eingeladen.

„Damit Bildung gelingt, bedarf es nicht nur engagierter Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch eines konstruktiven Dialogs zwischen Kita, Schule und Elternhaus. Vor allem benachteiligte Familien brauchen passgenaue Angebote, damit sie den Lernfortschritt ihrer Kinder auch zu Hause begleiten und im besten Fall unterstützen können. Ich begrüße deshalb, dass die Stadt Duisburg und das Programm ‚Lernen vor Ort’ zusammen mit der Vodafone Stiftung Deutschland das Thema ‚Elterndialog’ in den Mittelpunkt stellen und Pädagogen, Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger zusammenbringen. Duisburg kann so positive Signale in die ‚Bildungsrepublik Deutschland’ senden“, sagte Thomas Ellerbeck, Vorsitzender des Beirats der Vodafone Stiftung Deutschland.

Eltern brauchen Unterstützung

Karl Janssen, Dezernent für Familie, Bildung und Kultur der Stadt Duisburg, ergänzte: „Wenn sich, wie die Ergebnisse der repräsentativen bundesweiten Allensbach-Umfrage der Vodafone Stiftung Deutschland unterstreichen, 78 Prozent der Lehrkräfte über mangelnde Unterstützung der Kinder im Elternhaus, Desinteresse der Eltern an schulischen Inhalten und unkontrollierten Medienkonsum beklagen sowie eine Überforderung der Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder feststellen, zeigt dies, dass viele Eltern individuelle Unterstützung bei ihrer anspruchsvollen Erziehungsaufgabe benötigen. Auch die PISA-Studien unterstreichen, dass die Bildungsbiografien unserer Kinder heute noch viel zu stark von den sozialen Rahmenbedingungen abhängig sind, in denen die Kinder aufwachsen.“

Die Tagung hat sich das Ziel gesetzt, den mit Familien und Eltern arbeitenden Fachkräften in Duisburg neue Wege im Dialog mit Eltern vorzustellen. Dazu haben das Programm „Lernen vor Ort“ und die Vodafone Stiftung Deutschland mehr als 20 Referenten eingeladen, darunter der durch seine Medienauftritte einer breiten Öffentlichkeit bekannte Hirnforscher Professor Gerald Hüther. In Referaten und Workshops wurden neue Möglichkeiten der Elternansprache genauso diskutiert und vorgestellt wie die gelungene Ansprache von Eltern in der Kita oder die Bedeutung interkultureller Elternarbeit.

Karl Janssen und Dr. Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland, stellten darüber hinaus ein gemeinsames Programm der DuisburgBildung und der Vodafone Stiftung Deutschland vor. „Wir freuen uns sehr, dass der mit der heutigen Tagung angedachte Impuls in Richtung Sensibilisierung für Eltern in Duisburg durch ein Kooperationsprojekt der Vodafone Stiftung Deutschland und des Programms Lernen vor Ort Nachdruck verliehen werden kann“, sagte Oberbürgermeister Sauerland.

Begleiten und vernetzen

In den Stadtteilen Hochfeld und Homberg-Hochheide werden die Stiftung und das Programm „Lernen vor Ort“ in den kommenden 12 Monaten mit dem Programm „Vodafone Talente – Elterndialoge neu denken, Übergänge gestalten“ tätig sein. Ziel ist, die Eltern darin zu bestärken, die Bildungsverläufe ihrer Kinder aktiver zu begleiten. Dazu soll ein Modell für ganzheitliche Elternarbeit entwickelt werden, das die lokalen Akteure stärker vernetzt und den Dialog mit bildungsfernen Eltern optimiert. „Wir danken der Vodafone Stiftung Deutschland für dieses Engagement und freuen uns, die hier gemachten Erfahrungen anschließend in möglichst viele Stadtteile unserer Stadt übertragen zu können. Unser besonderer Dank gilt aber auch den Fachkräften aus Kitas, Schulen und allen weiteren Einrichtungen für ihr Engagement, denn nur durch deren Einsatz in den Einrichtungen vor Ort wird der heutige Tag nachhaltige Auswirkungen auf die Bildungsregion Duisburg haben können“, sagte Dezernent Janssen.

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