Wuppertaler Brauhaus: Schwimmbadakustik

W4090196crWas tut man nicht alles, wenn man ein langes Wochenende mit Freunden unterwegs ist: Bus fahren, Schwebebahn fahren, Elektrobus fahren, laufen und einen fahren lassen, ausschlafen…nein, das natürlich nicht. Auf gar keinen Fall!

Stattdessen Kneip(p)-Kur. Unvoreingenommen. Spaß haben. Wie die Touris. Das Wuppertaler Brauhaus.

Ok, wenn ich vorher auf die Website geschaut hätte, wäre mir klar gewesen, daß mich da „Hartz-IV-Mucke“ erwartet, wie es einer der Freunde charmant und doch geschmacklos ausdrückte. Und nein, auch wenn man auf der Website statt dem Hellen das weit schmackhaftere Dunkel anklickt, wird die Musik nicht besser. Man kann sie aber auch abschalten. Und das Weizen ist auch gut.

Soviel kann man also schon mal sagen: Das Bier ist gut!

Leider ist es das dann auch schon.

Der Biertempel ist ein ehemaliges Schwimmbad, man sitzt also wie in einer Sportarena oder einem Festsaal. Soweit cool, und die Enge und Beklemmtheit „gemütlicher Dunkelholzkneipen“ bleibt einem erspart. Zumal ja inzwischen auch nicht mehr geraucht werden darf und damit der Lokalbesuch auch für Allergiker wie mich möglich wird.

Die Speisen waren allerdings durchmischt, auch wenn unsere nette Bedienung sich eifrigst bemühte. Da sie allerdings anscheinend alleine den ganzen Stock bedienen mußte, ging dies mit fortschreitendem Abend immer zäher vor sich. Irgendwann saßen alle auf dem Trockenen. Und das im Schwimmbad.

Was man allerdings schnell aufgab, war, miteinander zu kommunizieren. Die Akustik war halt immer noch wie Schwimmhalle, es war zwar nicht extrem laut, doch man verstand schon sein Gegenüber am Tisch nicht mehr, zumal dann eben noch die Schlager-Mucke der Loser mindestens dreier Generationen dazuquakte: Die Gummibär-Tanz-Band (Gumbai-Dance-Band) ist etwas, über das selbst Heinz Strunk gerne den gnädigen Mantel des Vergessens breiten würde. Dazu lief ständig Werbung über riesige Plasmabildschirme, meist für den Ersteller der Werbung selbst, was aber niemand kapiert haben dürfte, weil dieser ständig nur irgendwelche coolen Surf-Videos mit seiner Handynummer versehen einspielte. Wenn das ein Versuch war, eine neue Braut zu bekommen, ohne sich selbst in die Kneipe hocken zu müssen, war er mißlungen.

Die Folge war, daß sich selbst Nichtraucher in die Raucherräume verzogen, weil es dort anscheinend weniger laut war. Dafür natürlich verqualmt.

Später am Abend wird dann die Musik noch lauter gedreht und zusätzlich werden große Video-Leinwände ausgefahren – für die, die kurzsichtig sind und die Handynummer sonst nicht lesen können, unter denen die Werbung gebucht werden kann. Wir suchten aber lieber das Weite – und fanden es dann auch.

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(Bilder: Jo Frank)

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