DIE LINKE Duisburg: Flugblatt für Israelboykott wirft Fragen auf

Ein israelkritische Flugblatt bringt die LINKEN in Duisburg um Herrmann Dierkes in Bedrängnis.

Herrmann Dierkes - ein israelkritisches Flugblatt bringt ihn und die LINKEn Duisburgs in Bedrängnis.

Ein israelkritisches Flugblatt, dass auf der Webseite der LINKEn Duisburg gehostet wird lässt den Kreisverband in einem zweifelhaftem Licht erscheinen. Der Kreisverband, der mit Hermann Dierkes einen bekannten Israelkritiker in seinen Reihen hat, verbreitet in diesem Flugblatt Aussagen, die nah an den Parolen von rechtsradikalen Parteien changieren. Ein anonymer Hinweis bei den Ruhrbaronen förderte das Flugblatt, dass offenbar seit einiger Zeit auf dem Server der LINKEn zu finden ist, ans Licht.

 

Kritische Töne gegen Israel sind bei der LINKEn in Duisburg fast schon an der Tagesordnung. Die Formulierungen im Flugblatt sind allerdings höchst bedenklich:

Kauft keine Produkte aus Israel! Jeder, der israelische Produkte kauft, kauft potentielles Diebesgut! Die landwirtschaftlichen Produkte aus „Israel“ werden auf gestohlenem Land und mit gestohlenem Wasser hergestellt. Falls ihr in Supermärkten Obst und Gemüse aus Israel entdeckt, klebt die unten beschriebenen Aufkleber auf das Produktschild! (…)  Tretet der moralischen Erpressung durch den sogenannten Holocaust entgegen!

Offenbar stammt das Flugblatt aus dem Jahr 2009 – als Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters forderte Hermann Dierkes zu einem Boykott israelischer Waren auf. Der damalige Pressesprecher der LINKEn Rook äußerte sich in der WAZ dermaßen dass, „es legitim gewesen sei, den Boykottaufruf gegen Israel zu unterstützen, den die Teilnehmer der „Versammlung der sozialen Bewegungen” beim Weltsozialgipfels im brasilianischen Belem im Januar in ihrer Erklärung verfasst hätten.“ Scharfe Töne fand allerdings Petra Pau zu dem Aufruf des Israel-Boykotts: „Angesichts der deutschen Geschichte wecken diese Äußerungen unsägliche Assoziationen und bedienen finsterste Klischees“, sagte sie dem Tagesspiegel gegenüber. Trotz der Kritk der eigenen Parteispitze hielten Dierkes und der Duisburger Kreisverband an dem Boykott-Aufruf fest. Gegenüber dem Muslim-Markt äußerte sich damals wie folgt zu den Vorwürfen, die dann zu seinem Rücktritt führten:

Als Aktionsformen, um die israelische Politik zu einer Änderung zu bewegen, werden darin vorgeschlagen; Boykott, Desinvestment, Sanktionen. Ich fügte hinzu, ich halte diese Maßnahmen für vollkommen legitim. Jede und jeder könne sich zum Beispiel ganz persönlich entscheiden, ob er/sie im Supermarkt Obst und Gemüse aus Israel kaufe oder nicht, ich tue das angesichts der schweren Menschenrechtsverletzungen durch Israel schon lange nicht mehr. (…) Die infame Falschdarstellung wurde von einem dubiosen Netzwerk und Bloggern verbreitet, einschließlich über Presseagenturen. (…) Ich wurde in eine Ecke gestellt, in die ich einfach nicht hingehöre. Das wissen zahlreiche Menschen in Duisburg und außerhalb, das wissen auch zahlreiche Redaktionsmitarbeiter. Ich habe eine solche Hetzkampagne, der ich mich im Grunde schutzlos ausgeliefert sah, in meiner nun fast 40-jährigen Aktivität auf der politischen Linken und als Gewerkschafter noch nie erlebt und erlitt eine schwere psychische Krise. Das war eine öffentliche Steinigung. Ich zog daraufhin ganz persönlich die Konsequenzen, zog meine OB-Kandidatur zurück und bot auch meinen Rückzug vom Fraktionsvorsitz an.

Mit Davidstern und Hakenkreuz wirbt die Duisburger Linke für ihren Israel-Hass

Bis heute beharrt Dierkes auf den Standpunkt, dass ein „dubioses Netzwerk“ an einer Verleumdungskampagne ihm gegenüber beteiligt gewesen ist – damalige Anfragen allerdings, die handfeste Beweise für diese Behauptung geliefert hätten gingen beim Kreisverband Duisburg ins Leere. Nach wie vor allerdings stand der Verband hinter ihm. Dass eine Kritikfähigkeit den LINKEN in Duisburg bezüglich der Israel-Thematik komplett abgeht beweist dabei nicht nur ein Youtube-Video, in dem Dierkes das Existenzrecht Israels als „läppisch“ bezeichnet – sondern auch das massive Vorgehen gegen unliebsamer Kritiker vor Ort.

Das Flugblatt wäre nur eine weitere Fussnote am Rande der äußerst trüben Geschichte des Kreisverbandes, wenn Duisburg nicht von einer rot-rot-grünen Koalition im Rathaus geführt werden würde. Angesichts der bisherigen Ereignisse war schon die Koalitionsvereinbarung mit einem gewissen Geschmäckle versehen – jetzt allerdings stellt sich die Frage, ob die Koalitionspartner diesen Aspekt der LINKEn in Duisburg weiterhin gnädig übersehen werden oder sich endlich doch der Tatsache stellen, dass sie Dierkes salonfähig gemacht haben. Stefan Laurin von den Ruhrbaronen hat mittlerweile jedenfalls Strafanzeige gestellt.

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11 thoughts on “DIE LINKE Duisburg: Flugblatt für Israelboykott wirft Fragen auf

    • Christian Heiko Spließ Do, 28 Apr 2011 at 00:31:59 -

      Nicht so richtig – überraschend ist auch nicht der Versuch des Pressesprechers Rook eine Verschwörung zu inszenieren – als ob zufällig jemand in einem CMS Dokumente hochladen könnte…

  1. Was ist denn das für ein Hetzerartikel?

    Natürlich darf und muss man Israel boykottieren und versuchen ihre Apartheitspolitik zu ändern. Ich habe nicht wie zu Zeiten meiner Grosseltern gelebt. Es ist aber meine Aufgabe mich moralisch gegen die Ultrarechte unmenschliche Politik Israels zu wehren wo wenig ich es auch kann.

    Permanente Kritik an Israel und Boykott gehören dazu

  2. Verehrter Namensvetter, da gehen Ihnen aber ein paar Vokabeln flott über die Tastatur:
    Aapartheit?
    Waren sie mal in Südafrika zu diesen Zeiten und in Israel heute?
    Erzählen Sie mal! Oder haben Sie da nur eine wohlfeile Worthülse aufgeschnappt?

    Super Strategie haben Sie sich da einfallen lassen, und so flammend neu, und gar nicht nach Art der Grossmutter:
    „Duisburger kauf nicht beim Juden…“
    Jaffa wird es verschmerzen…

  3. Was heisst hier: „Aussagen, die nah an den Parolen von rechtsradikalen Parteien changieren“…

    da ist überhaupt KEIN Unterschied festzustellen.

    Denn es handelt sich ganz klar um
    – Holocaustleugnung
    – Verwendung verfassungfeindlicher Symbole
    – Volksverhetzung

    Die Seite abbc.net , die die Linkspartei ihren Genossen zur Lektüre bezüglich des Holocaust ausdrücklich empfiehlt, leugnet den Holocaust unverhohlen als “unterstellte Ermordung von Juden” und sammelt auf 30 Seiten die bekannten Behauptungen der einschlägigen Kreise. So heißt es in der Zusammenfassung (S. 30):

    \“Doch bis zum heutigen Tage ist kein gerichtsmedizinisches Gutachten bekannt, das auch nur einen einzigen Todesfall durch Vergasung nachweist.\“

    Also bitte keinen Links-Bonus mehr, denn sowas schreiben selbst NPD und DVU nicht !!!

  4. tja die duisburger linke hat sich schon immer ausgezeichnet , mit Homophobie, Sexismus und Antisemitismus , und das es in der linken schon immer eine antisemitische strömung gibt wundert jetzt doch auch keinen oder ?
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    Der Antisemitismus ist die Gesinnung der Canaille. Er ist wie eine schauerliche Epidemie. Man kann ihn weder erklären noch teilen. Man muß geduldig waren, bis sich das Gift von selber austobt und seine Kraft verliert.

  5. Kommentar zu den Kommentaren:
    „Antisemiten“ haben wohl etwas gegen Völker, welche eine semitische Sprache sprechen. Und dazu gehören eine ganze Menge Völker. Einem davon entstamme ich selbst. Trotzdem erlaube ich mir eine differenzierte Meinung.
    Aus meiner Sicht sind israelische Regierungsbeteiligte in ihrer Haltung nicht ganz unähnlich zu deutscher Rechtsaußen.

    „Man muß geduldig waren, bis sich das Gift von selber austobt und seine Kraft verliert.“
    Da kann ich nur zustimmen, allerdings fasse ich die Zielgruppe vermutlich etwas weiter wie Sie;)

    Schönes Wochenende.

    OnTopic:
    Leider vermisse ich einen Hinweis darauf, daß die Parteiverantwortlichen durchaus zu doof sein könnten, eine Website zu betreiben. Zumindest erweckt der Pressesprecher diesen Eindruck.
    Warten wir doch einfach mal ab, was die Ermittlungen so zutage fördern;)