MSV Duisburg Hauptversammlung: Überzeugender Auftritt der neuen Führung

Viel war im Vorfeld über die Neubesetzung von Aufsichtsrat und Vorstand des MSV Duisburg geschrieben worden, auch der öffentlich zelebrierte zähe Abgang von Walter Hellmich im Herbst 2010 war kein Glanzstück, aber diese Versammlung am 6.4.2011 in Meiderich unterschied sich in vielen Dingen von denen der Vorjahre. Fast pünktlich eröffnete der neue Vorsitzende Dieter Steffen die Versammlung und er schaffte es, innerhalb von 20 Minuten alle Themen klar und deutlich anzusprechen: Dazu zählt die finanzielle Gratwanderung der letzten Jahre mit einem erneuten Verlust von 1,9 Mio. Euro zum 30.6.2010 und einem negativen Eigenkapital von 4,832 Mio. Euro. Dann der deutliche Hinweis auf eine notwendige neue demokratische Organisation, in der überflüssige Alleingänge durch Teamgeist ersetzt werden sollen. Die Ziele definierte er klar: Finanzielle Konsolidierung und Vermeidung von Verlusten als Voraussetzung für das Erreichen der 1. Liga. Er bezog aber auch die ehrenamtlichen Helfer bewußt mit ein, denn ohne diese läuft gar nichts, die Erfolge der Jugendarbeit wären ohne ehrenamtliche Übungsleiter undenkbar und diese Ehrung am Anfang der Versammlung war schon ein deutliches Zeichen, dass in Zukunft jeder im Verein wieder für seinen Einsatz Anerkennung finden wird.

Herr Roland Kentsch stellte die Zahlen dann ausführlicher dar und es wurde allen Anwesenden mehr als deutlich, dass 2009/2010 einen Tiefpunkt darstellte. Die Ressourcen waren zum 30.6.2010 nicht mehr vorhanden, man war praktisch am Ende, auch bei durchschnittlich 11.000 zahlenden Zuschauern, eine Zahl die sich in der Zwischenzeit wieder auf 13.000 erhöht hat, aber immer noch nicht zufriedenstellend ist.

Herr Hans-Werner Tomalak als neuer Vorsitzender des Aufsichtsrates unterstrich die Kernaussagen seiner Vorredner und betonte erneut die Notwendigkeit einer Funktionstrennung im Konzern MSV mit Transparenz und nachvollziehbaren Entscheidungen. „Keine Experimente mit dem MSV, der Aufsichtsrat stellt die Interessen des Vereins in den Vordergrund trotz unterschiedlicher Auffassungen“. Klarer konnte eine Aussage über die neue Rolle der Gremien und damit eine Kehrtwendung nicht sein.

Diese Klarheit war überzeugend und trug zu einer kurzen Diskussion bei, in der nochmals die Hellmich Ära angesprochen wurde. Herr Nitzki wies unter Applaus darauf hin, dass natürlich die Pokaleinnahmen zu einer deutlichen Entspannung führen, in der 2.Liga aber weiterhin mit ca. 2.Mio. Euro Verlusten zu rechnen sei und dies ein untragbarer Zustand ist. Den Antworten von Herrn Steffen und Kentsch konnte man deutlich entnehmen dass an diesem Thema bereits gearbeitet wird.

Vorstand und Aufsichtsrat wurden bei 257 stimmberechtigten Mitgliedern mit 52 Gegenstimmen (Vorstand) bzw. 20 Gegenstimmen (Aufsichtsrat) entlastet.

Die Wahlen zum Aufsichtsrat waren dann recht interessant, insbesondere die Beiträge der Kandidaten. Herr Wolfram Weber ging direkt auf das Thema Marketing Vertrag ein und forderte auf, die Verträge auf den Prüfstand zu bringen. Es könne nicht sein dass der MSV jedes Jahr mit 2 Mio. Verlust plant während die Marketing Gesellschaft Gewinne einfährt. Er attestierte Marc Hellmich ein Mann zu sein „mit dem man sprechen könnte“. Der Beitrag von Herr Klaus Weinberg enthielt eine Aussage zu seinem Rücktritt aus dem Gremium im Jahre 2004. Man konnte deutlich entnehmen dass es damals erhebliche Differenzen gab und Herr Weinberg die Interessen des e.V. nicht mehr vertreten wollte. Ebenfalls stellte sich Herr Kirmse sowie Herr Brinkmann zur Wahl, Herr Düster zog seine Kandidatur zurück. Insgesamt eine sehr gute Auswahl an Kandidaten, aber nur zwei konnten gewählt werden und die Versammlung entschied sich für Wolfram Weber und Udo Kirmse, die sich beide zur erneuten Wahl gestellt hatten.

Was von der Versammlung bleibt ist ein insgesamt positiver Eindruck. Jedem ist klar dass der DFB Pokal in finanzieller Hinsicht ein Geschenk des Himmels war und der Dank und Applaus gebührte der Mannschaft, die nach dem Training für ca. eine halbe Stunde der Versammlung beiwohnte. Aber es wurde auch klar dass die Strukturen geändert werden müssen und ein ausgeglichenes Ergebnis auch in der 2.Liga erreicht werden muss. Man kann nach dieser Versammlung der neuen Führung die Ernsthaftigkeit dieses Ziel zu erreichen abnehmen. Die Professionalität ist vorhanden und die Glaubwürdigkeit hergestellt. Im Grunde können es sich Vorstand und Aufsichtsrat nicht leisten in 2 Jahren mit ganz leeren Händen vor die Versammlung zu treten und ein Scheitern zu verkünden, aber die positiven Zeichen wurden heute gesetzt. Die Erwartungen dürfen nicht enttäuscht werden, sonst wird eine einmalige Chance vertan. Das Vertrauen konnte die neue Führung heute schon für sich gewinnen, man kann ihr zutrauen die Ergebnisse auch erreichen zu können. Der Vertrag mit Hellmich Marketing aus dem Jahre 2001 und die dort fehlende Unterschrift des damaligen Vorsitzenden Sandrock, die Zahlungen für Fernsehgelder ohne Gegenleistung, die Stadionmiete und die Vorgänge um den Bau der MSV Arena sowie die Gründe der Kostenexplosion: Alles muss auf den Prüfstand, Gelder müssen zurückgefordert werden. So wie bisher kann und darf es nicht weitergehen.

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