RVR: Von New York lernen heißt siegen lernen

1898 kam es zur Vereinigung von 5 Bezirken und fast 40 Städten zu dem New York, wie wir es heute kennen. Visionäre Politiker hatten das Projekt angestoßen. Im Juli 1886 hatte der Long Island City Star ausführlich über das Projekt berichtet, das nicht zuletzt durch die Einweihung der Brooklyn Bridge 1883 an Dynamik gewann.

Die Widerstände waren groß, obwohl die Vorteile auf der Hand lagen, u.a. eine effiziente Planung der Verkehrsinfrastruktur, mehr internationales Gewicht allein durch die Größe der City und die Anzahl der Einwohner (3,4 Mio, in 1898) und Berlin, London, Chicago hatten es bereits vorgemacht. Auch drohte der Hafen bei weiterem Kirchturmdenken an Bedeutung zu verlieren. Brooklyn befürchtete jedoch eine Bevorzugung des wirtschaftlichen Zentrums in Manhatten, auch war man nicht sicher ob die ehemaligen selbständigen Städte nun als Randgebiet ins Hintertreffen geraten würde.

Die in der New York Times vom 1.1.1898 abgedruckte Rede von President Green läßt die Widerstände erahnen wenn er ausspricht: „All denen, deren Horizont begrenzt ist und die mit ihren beauftragten Anwälten ihre persönlichen Interessen verfolgten und allen, die unfähig sind die überragenden Vorteile einer großen Gemeine zu erkennen rufe ich zu dass unsere Pläne erfüllt wurden und sich zweifellos weiter erfüllen werden.“ Er sollte Recht behalten.

Auch das Ruhrgebiet durchlebte verschiedene Wellen einer kommunalen Neuordnung, so etwa 1929, im Jahr der Weltwirtschaftskrise und zuletzt 1975 durch die kommunale Neugliederung. Diese Neuordnungen gingen nicht ohne Widerstand durch, so wurde der Zusammenschluss von Bottrop, Gladbeck und Kirchhellen durch ein Urteil des NRW Verfassungsgerichts vom 6.12.1975 für nichtig erklärt.

Seit diesem Zeitpunkt herrscht Stillstand und dies hat dem Revier geschadet. Die grossen Wellen der wirtschaftlichen Entwicklung schwappten am Ruhrgebiet vorbei und versandeten in der Bürokratie, dazu zählen: Die erste Gründungswelle der PC Firmen in den 1980er Jahren, die Entwicklung der Medienstandorte, die Internet-Gründungswelle.

Letztere bietet ein gutes Beispiel für die Gründe, die sich auf zwei Faktoren reduzieren lassen: 1. Das Revier ist gespalten und nicht koordiniert. So sprach man von Garagenfirmen, ein Synonym für geringe Kosten, wollte diese aber durch zahlreiche verstreute Technologiezentren fördern und baute einen kostspieligen Palast nach dem anderen. 2. Dann die Platzhirsche, die angestammte Industrie im Ruhrgebiet. Nie hätten sie Emporkömmlinge geduldet, Firmen wie Oracle oder Microsoft hätten im Ruhrgebiet niemals eine Chance gehabt sich durchzusetzen. Die Platzhirsche gründeten ihre eigenen Internet Firmen, sortieren teilweise ihr überflüssiges Personal in diese Neugründungen aus und legten diverse Projekte auf um Fördermittel, die es reichlich gab, abzuzweigen. Keine Chance für die Newcomer.

Der Regionalverband Ruhr soll nun 2011 von Frau Karola Geiß-Netthöfel geführt werden. Ein Programm hat sie auch schon: „Brauchen wir nicht“, keine Ruhrstadt, keine Koordination, kein gar nichts. Dieses „Programm“ reiht sich ein in die schon irrwitzige Idee des Duisburger OB Herrn Adolf Sauerland, Duisburg gehöre gar nicht zum Ruhrgebiet sondern zur Rheinschiene. Ihm wurde dann von der Rheinschiene erklärt wie „intelligent“ seine Ideen sind.

Das Ruhrgebiet als „Weltmarke“ zählt bei seinen geistlosen Führen anscheinend nichts. Man feiert sich lieber selbst. Kulturhauptstadt war gestern, heute ist kleinkariertes Denken angesagt. Frau Geiß-Netthöfel will laut WAZ jetzt in Berlin und Düsseldorf erklären, „dass das Ruhrgebiet auf der Schiene und Straße nicht abgehängt wird“. Bitte Frau Geiß-Netthöfel, erkären Sie nichts, machen Sie bitte nichts. Das kann doch nicht so schwer sein, schauen Sie sich doch einfach mal um, alle anderen Politiker machen ja auch nichts. Verfolgen Sie einfach Ihr Programm: „Wir brauchen Sie nicht“!

Die Frage muss erlaubt sein: Womit haben wir solche Leute verdient? Wo sind die Visionäre? Wer kümmert sich um uns? Warum werden wir von solchen Polit-Trotteln heimgesucht? Was haben wir verbrochen? Hilfe!!!!!

3 thoughts on “RVR: Von New York lernen heißt siegen lernen

  1. Und wo sollen wir dann hin mit all den Bürgermeistern und Möchtegernpolitikern, wenn wir dem Beispiel New Yorks folgen? Für diese müsste ja ein Stadtteil extra gegründet werden! Und was kümmert die schon das Wohlergehen einer Region, wenn sie schon so viel Last haben, für ihr eigenes Wohlergehen zu „kämpfen“.