Abos verticken und kräftig Kasse machen mit dem japanischen Atomunfall?

BildGedenken an die japanischen Erdbeben- und Tsunami-Opfer? Findet man selten.

Wenn ich nur daran denke, daß in einem Kameraladen einer befreundeten Fotografin gestern erst jede Menge Kunden anriefen, die wissen wollten, ob die neuen Canon-Modelle jetzt noch pünktlich so wie angekündigt auf den Markt kommen werden – und dann ein bekanntes Fotomagazin, das genau dasselbe wissen wollte und dachte, sie würde mal eben deswegen in Japan anrufen…die haben ja nun momentan echt keine anderen Sorgen, oder?

Definitiv keine andere Sorgen haben ganz offensichtlich unsere Drückerkolonnen, die Zeitungs- und Zeitschriftenabos verticken. Ob nun am Telefon, als Preisuasschreiben oder Umfrage getarnt, wo man als Hauptgewinn ein Abo zu glatten 3% günstiger als sonst „geschenkt“ bekommt. Und wo gleich eine ganze Horde gekaufter Kommentatoren protestiert, wenn ein Medienmagazin es wagt, gegen diese andauernde Volksverarschung die Stimme zu erheben?

Ja, auf die eine oder andere Art machen jetzt viele Medien Kasse mit dem Leid der Japaner. Nun, gut, das ist ja auch ihr Job.

Doch wie geschmacklos darf man sein, wenn man ein anerkanntes, ehrwürdiges Medium ist…sagen wir mal, die Zeit, das Intellektuellenmagazin der gesetzten Gymnasiallehrer. Schon bislang durch nervige Pseudoumfragen und Pseudo-Jubiläumsgeschenke sehr unintellktuell aufgefallen. Anscheinend hält man seine potentielle Klientel ja sogar für ausgesprochen blöde.

Und schon purzelt kurz nach 22 Uhr die folgende Geschmacklosigkeit in den Spam-Ordner:

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

wie ist Ihre Meinung? Nehmen Sie anlässlich der Katastrophe in Japan
Stellung zur aktuellen Diskussion, und beantworten Sie dazu 4 Fragen.

Als Dankeschön möchte DIE ZEIT Sie in den kommenden 3 Wochen kostenlos mit Analysen und Hintergrundberichten über die Ereignisse in Japan und ihre Auswirkungen informieren.

Ist der Atomausstieg jetzt dringender denn je?

» JA » NEIN

Ja – und auch der Zeitpunkt, Ihr Zeit-Abo wieder zu kündigen, ist dringender denn je. Denn ein Blatt, das so gefühllos zu wirklich jedem Thema eine „Umfrage“ präsentiert, braucht niemand!

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