Wenn Galas mit Gästen feiern…

Es ist nicht so als ob ich die WAZ besonders hassen würde, manchmal verstehe ich sie einfach nicht. Korrektur: Ich verstehe in diesem besonderem Fall den Artikel von Martin Krampitz über die Sparkassen-Gala nicht. Und das liegt nicht daran, dass ich nicht unbedingt schlageraffin bin…

Eine rauschende Ballnacht feiert rund 900 Gäste bei der 31. Sparkassen-Gala am Samstag in der ausverkauften Mercatorhalle.

Ja, ein Tippfehler, okay, aber direkt im Teaser für den Artikel tut das schon weh. Zumal ich an dieser Stelle ins Stolpern komme: Die Merator-Halle kann nicht in Gänze ausverkauft gewesen sein – 900 Gäste sind etwas zu wenig. Laut der Webseite des Citypalais: „Fassungsvermögen inkl. Rang: 1.645 Personen in Reihenbestuhlung (1.196 Plätze im Parkett, 449 Plätze im Rang mit Balkon)“. Hmm, das passt nicht so ganz, denn anscheinend war der Rang nicht abgesperrt wie bei Kammerkonzerten üblich – weiter im Artikel findet man nämlich diese Angabe: „… nicht nur im Rang, wo die treuesten Fans saßen, sondern auch im Parkett.“ Offenbar hat der Journalist hier die Angaben von der Sparkasse übernommen – momentan lässt sich der Artikel von der Duisburger Sparkasse bei mir im Browser nicht aufrufen – es mag sein, dass diese ein begrenztes Kartensortiment im Angebot hatte, aber dann hätte man das als Journalist irgendwie auch anmerken können? Denn so liest sich der Satz als wären tatsächlich alle Plätze in der Mercator-Halle belegt gewesen. Was ja so nicht stimmen kann. Es sei denn die anderen Karten gingen alle an Ehrengäste… Netter Gedanke, aber unwahrscheinlich.

Als Stargast umjubelt wurde die Schlagersängerin Helene Fischer, Freundin von Florian Silbereisen. Silbern war auch das Kleid, das die attraktive Blondine bei ihrem einstündigen Konzert trug.

Also da habe ich was gebraucht um den Rückbezug zu verstehen – auch silbern, auch silbern… Oh – sie ist die Freundin von Florian SILBEReisen. Die Überleitung soll elegant klingen, ist aber definitiv alles andere als das.

Die meisten Lieder von Helene Fischer sind sehr einfach gestrickt und eingängig. Und die Melodien und Texte über Liebe, Lust und Leid ähneln einander stark.

Unglaubliche Erkenntnis: Schlagersängerin singt Lieder, deren Texte und Melodien sich sehr stark ähneln. Ja. Genau. Schlager sind halt teilweise ähnlich gestrickt. Da kann man natürlich keine tiefgründige Musikkritik zu verfassen, aber mehr als das sollte man doch können: Es gibt ja auch beim Schlager solche und solche – Stimmungslieder, Balladen, Up-Tempo-Songs… Ach, stimmt, Balladen werden erwähnt… Und sie sing übrigens „aus voller Brust“. Aha.

Und natürlich sind Arrangements meistens „präzise und wirkungsvoll“. Besonders beim Schlager sollten sie das ja auch sein, aber das ist so – beliebig. Erwartet man übrigens nicht auch, dass die Band im richtigen Timing spielt? Wenns anders wäre, das wäre interessant. Aber so. Weiter gehts dann mit den Balladen. Alle Achtung: Fast einen ganzen Absatz mit einem Satz zu füllen ist schon Kleist-würdig. Wo ist eigentlich die Vorgabe hingekommen, dass man als Journalist eine klare, verständliche Sprachfeder führen sollte?

Und das Vorprogramm war – also – irgendwie – das muss spannend gewesen sein. Genau. Stimmt. Richtig. Spannend. Und Trampolinspringer sind nun mal spannend. Wie der Rest des Vorprogrammes auch. Und dann kommt ein Absatz, der einen richtig wütend machen kann, denn der Informationsgehalt, dass eine Band zum Tanzen animierte und das Publikum das nutzte ist schön – ist ja immerhin eine Gala und High-Society-Anlass und so – aber Respekt: Komplette Nullinformationen in vier Sätze zu packen, das ist echt eine Kunst.

Wohlgemerkt: Klar, es ist natürlich nicht einfach von einer Gala zu berichten. Zugegeben. Aber warum wird mit keinem Wort erwähnt welche lokalen Persönlichkeiten von Rang und Namen anwesend waren? Warum wird nicht genauer auf die Darbietungen des Vorprogrammes eingegangen – die sicherlich noch einigen Nummern mehr zu bieten hatten? Es gibt bestimmt spannende Einsichten und Perspektiven, die das Thema hat. Gerade bei einem solchen lokalem Thema hätte die WAZ aufblühen können – stattdessen aber ist da ein Hauch von Bratwurst…

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