Reitz-Thema oder Post von der WAZ

Der WAZ muss es nicht gerade gut gehen. Sonst würde sie nämlich nicht ausgerechnet mich anschreiben, mich, der man mich auserwählt hat Ziel einer Reklamesendung per Brief zu werden. Mit Gewinnspiel. Natürlich. Und Geschenk. Oho. Na sowas. Wenn man die WAZ als Probeabo für sagenhaft günstige 19,- Euro für einige Wochen nimmt. Aha. Man, muss es der WAZ schlecht gehen.

Also jetzt mal Klartext: Da wird ja immer so viel von persönlicher Leserbindung gesprochen, von der Miteinbeziehung und der Teilnahme des Lesers am Produkt Zeitung. Die WAZ nimmt das ernst und lässt Herrn Reitz eine postalische Werbesendung verteilen. Vorne drauf steht was von „Bürgerumfrage NRW“ – was natürlich, wenn nicht das WAZ-Logo noch auf dem Briefumschlag wäre zu einigen irrigen Annahmen führen könnte. Herr Reitz also schreibt mir. Und vermutlich einer Unmenge von anderen Noch-Nicht-Abonnenten der WAZ in NRW und bittet mich um meine Meinung. Gerne doch: Ich finde diese Art der Werbung einfach nur unverschämt.

Oh, pardon – man möchte meine Meinung zu Schlaglöchern und anderen Dingen, die hier in Duisburg vor sich gehen. Wenn man brav den Fragebogen ankreuzt führt das wohl wieder zu solchen netten und belanglosen Balkenstatistiken, wie man sie öfters auf der Seite der WAZ sieht. Kann ich nicht ernstnehmen. Schließlich gibts ja Regeln für repräsentative Umfragen und ich glaube nicht, dass diese Werbesendung hier tatsächlich irgendwas repräsentatives darstellt. Zudem: Habe ich auch noch nie irgendwo bei der WAZ gesehen, den Zusatz: „Diese Umfrage wurde unter so und so vielen Personen durchgeführt mit den und den Mitteln, sie ist daher repräsentativ.“ Kann auch sein, dass ich das irgendwie immer übersehe. Jedenfalls: Wenn man diese Fragen ausgefüllt hat und zurückschickt, kann man was gewinnen. Toll.

Auf der Rückseite des Briefumschlags war übrigens auch angekündigt, dass man ein Geschenk gratis erhalten könne. Liest man aber den Text des Briefes genauer, stellt sich raus: Man bezahlt für das Geschenk. Das bekommt man nämlich dann wenn man ein Probeabo abschließt, das nach einigen Wochen auch garantiert ausläuft. Direkt darunter aber hat man – vorsichtshalber – schon mal ein zweites Kästchen hinzugefügt, wenn das angekreuzt wird kann man die WAZ auch nach den fünf Wochen im Abo behalten. Also mal ehrlich: Woher soll ich denn als Neuabonnent wissen, ob ich die WAZ echt nach fünf Wochen weiterhin abonnieren möchte? Noch bevor ich überhaupt weiß was die WAZ mir bringt? Sehe nur ich da einen leichten Logikfehler? Oder vertraut man darauf, dass der Leser brav alles ankreuzt was da steht und man so einen Abonnenten mehr im Sack hat? Ausschließen würde ich das persönlich nicht, Kleingedrucktes liest ja nicht jeder aufmerksam durch. Geschweige denn AGBs. Im Endeffekt also bekomme ich zwar was, bezahle aber knapp 19,- Euro dafür. Wie, ich habe was gespart? Also erstmal sind 19,- Euro weg – was ich da gespart haben soll entzieht sich mir meiner Kenntnis.

Nun ist Werbung durchaus ein legitimes Mittel der Wahl. Keine Frage. Nur: Es kommt auf die Art und den Tonfall an. Ich sehe mir ja auch gutgemachte Werbespots auf Youtube an. Aber mal ehrlich, liebe WAZ: Was ihr da momentan macht erinnert stark an eine Konfetti-Kanone. Man packt so viele mögliche „Mailings“ in den Briefkasten wie es geht, hat vorher vielleicht noch die Zielgruppe raussortiert und hofft dann, dass wenn man nur breit genug schießt irgendwas hängenbleibt. Das ist in etwa so effektiv wie das Kamelleschmeißen beim Rosenmontagszug – und da bekomme ich ja wenigstens noch etwas Anständiges für meine Wartezeit und Geduld. Eigentlich hätte ich gedacht, dass die Marketingstrategen bei der WAZ mittlerweile verstanden hätten, dass sowas a) eine Unmenge Geld kostet – Porto, Druckkosten, Papier – und b) der Nichtabonnent in der Regel nicht mehr auf diese Gewinnspielmasche reinfällt, weil es genug Werbefahrten gibt, die im ähnlichen Stil werben. Sprich: Ich glaube nicht, dass sowas funktioniert. Zu unpersönlich. Zu reißerisch. Zu – nun schlicht und einfach – dämlich.

Und beim nächsten Mal gibts das per unfrankiertem Briefumschlag postenwendend wieder an die WAZ zurück. Also echt.

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