Gibt es tatsächlich keine Nazis in Duisburg?

Vor einer Woche wurden Hakenkreuze in einen Eisenbahntunnel in Duisburg-Neumühl gesprüht. Ein Einzelfall, meint die Polizei. – „Ausweislich der Kriminalstatistik haben wir in Duisburg 79  unter dem Oberbegriff rechtsextremistische, fremdenfeindliche und antisemitische Straftaten im Jahre 2009 erfasst. Dies lässt den Schluss zu, daß Duisburg keine offene rechte Szene hat“, sagte ein Pressesprecher uns  gegenüber.

MdL Anna Conrads

MdL Anna Conrads aus Duisburg

Darüber sprachen wir mit der Landtagsabgeordneten Anna Conrads aus Duisburg, die auch innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion ist.

Der Pressesprecher der Duisburger Polizei behauptet, es gäbe keine offene rechtsradikale Szene in der Stadt. Was sagt die innenpolitische Sprecherin der Linken im Landtag, die aus Duisburg kommt, dazu?

Ich kann mich erinnern: Schon vor zehn Jahren – als der Rentner Egon Effertz im Duisburger Norden von Rechten totgeschlagen wurde – lief die Debatte so ähnlich. Damals erschienen dann auch antifaschistische Publikationen, wie „Duisburg-Rechts um?!“, die sich der Beleuchtung der Nazistrukturen widmeten. Es gab damals welche, ebenso wie heute. Auch wenn Sie sich mittlerweile stark verändert haben.

Die Neonazis treten in verschiedenen Stadtteilen seit einiger Zeit verstärkt in Erscheinung: Es wurden neue Aktionsgruppengebildet, sie sind Form von Konzerten, Schulhof-CDs, Graffittis, Aufkleber und Autonomen-Outfit stärker an den Jugendlichen dran.

Generell lässt sich aber sagen, dass wir in Duisburg natürlich nicht so eine aggressive und starke Szene wie in Dortmund–Dorstfeld. Dort sind gewalttätige Übergriffe, eingeschlagene Fensterscheiben, die Vertreibung von engagierten Familien und die Vereinnahmung ganzer Straßen durch die Neofaschisten Realität. In Dortmund wurde die 1.Mai Kundgebung des DGB angegriffen und der Punk Schmuddel von einem Neonazi ermordet. Dort haben Politik, Polizei und Bevölkerung viel zu lange weggesehen, so dass sich eine militante und aggressive Szene in Dorstfeld breit machen konnte.

Soweit sind wir in Duisburg sicherlich nicht –  aber wir müssen dringend Präventions-und Bildungsarbeit gegen Neofaschismus, Rassismus und Antisemitismus fördern.

DIE LINKE hat im Landtag eine Große Anfrage zum Thema Neofaschistische Strukturen in NRW gestellt, sobald die Antwort da ist – voraussichtlich Mitte März- wissen wir auch, was die Landesregierung über die Szene in Städten, wie Duisburg an Informationen bereitstellt.

Wer sind denn die Nazis in Duisburg? Und sind sie gefährlich?
Während klassische Parteien, wie die NPD hier eine untergeordnete Rolle spielen, spielt das Spektrum der Kameradschaften, der  Autonomen Nationalisten und auch der rechten Hooligans spielt eine größere Rolle. Es sind vermehrt Aktivitäten des Nationalen Widerstands Duisburg beobachtbar, der hat sich vor kurzem aus zwei Autonom Nationalistischen Gruppen zusammengeschlossen hat. Der Autonomen Nationalisten Duisburg/Krefeld und der Nationalen Jugend Duisburg.
Maßgeblicher Impuls für die Entwicklung eines Autonomen Nationalistischen Aktionismus ist hierbei der Zuzug eines neonazistischen Kader aus dem Schwabenland. Insgesamt gehen wir von ungefähr 40 aktiven gewaltbereiten Neonazis aus, welche sich primär im Hooliganmillieu der Division Duisburg bewegen und ca. 10-15 aktiven Autonomen Nationalisten, die teilweise in Personalunion mit der Division stehen.
Darüber hinaus gibt es einen überschaubaren Kreis von  Sympathisanten, welche sich auf diverse regionale Großevents der Neonazis mobilisieren lassen.
Insofern finde ich die Erklärungen der Duisburger Polizei ärgerlich, da gerade diese Gruppierungen im Jahre 2009 auf sich aufmerksam gemacht haben und durch die Polizei mit den brutalen Überfällen auf  Gewerkschaftler Busse in Dresden in Verbindung gebracht worden sind.

Vor allem aber fallen die Gruppen in Duisburg bisher durch gehäufte Propagandaaktionen auf: Zettelwurfaktionen zur Bewerbung des europaweit größten Aufmarsches in Dresden in der Innenstadt, Nazischmierereien auf dem Anne-Frank-Denkmal, Schmierereien am Denkmal ermorderter Gewerkschafter im NS, Kreuze im Kantpark mit Rudolf Hess Bildern zu dessen Todestag im vergangenen Jahr, ein konspirativ organisiertes regionales Fussballturnier mit Beteiligung Duisburger Nazis, regelmäßige Teilnahme an Aufmärschen NRW-weit, Plakatieren und massives Aufkleberkleben und Sprühen in verschiedenen Stadteilen z.B. Meiderich, Mitte, Rheinhausen und Marxloh, häufig eben auch an Schulhöfen.
Ich finde, wir dürfen in der Diskussion über Gefährlichkeit und Definitionen über das Wort „Szene“ nicht so lange verharren und uns in Sicherheit wiegen, mit der Folge dass wir eine gefährliche Entwicklung der vorhandenen Strukturen verpassen.

Es ist spätestens seit dem Winter 2004 zu beobachten, daß harte Naziführer wie Christian Worch und  Axel Reitz in Duisburg ihren Schauplatz für Aufmärsche ihrer Kameradschaften nehmen.

Vielleicht glauben sie, hier in Duisburg Terrain gewinnen zu können, soziale Spaltung für rassistische Propaganda ausnutzen zu können und eine Brücke zwischen den rechten Lagern zu schlagen. Allerdings ließ sich ja bei jedem der rechten Aufmärsche in Duisburg auch beobachten, dass Reitz und Co nur klägliche Ansammlungen mobilisieren konnten, große Teile der Duisburger Bevölkerung bisher dagegen Präsenz gegen Rechts gezeigt haben und deutlich klargemacht haben: Wir wollen keine Naziaufmärsche in Duisburg!

Duisburg will sich als weltoffene Hafenstadt bezeichnet wissen  – glauben Sie, daß in Duisburg Nazis Raum greifen können?

Ich erlebe, dass in Duisburg in vielen Stadtteilen ein friedliches und solidarisches Miteinander gelebt wird und dass es internationalistische Traditionen gibt. Aber in Duisburg haben Pro NRW und die NPD zusammen fast 5% der Stimmen bei der Landtagswahl erreicht – das ist ziemlich bedenklich. In einer Stadt, wie Duisburg mit vielen sozialen Problemen, mit einer wachsenden Gruppe von Menschen, die sozial ausgegrenzt werden, gibt es immer auch einen Nährboden für Rassismus und sozialdarwinistische Ansätze.

Flankiert von der Wirtschaftskrise, Abstiegsängsten der Mitte und der geschürten Terrorparanoia  haben Gruppen wie Pro NRW mancherorts möglicherweise leichtes Spiel. Zumal gerade Duisburg in letzter Zeit leider häufiger als Projektionsfläche für  muslimfeindliche und kulturalistische Ressentiments aus der Mitte der Gesellschaft dienen muss.

3 thoughts on “Gibt es tatsächlich keine Nazis in Duisburg?

  1. „Die Neonazis treten in verschiedenen Stadtteilen seit einiger Zeit verstärkt in Erscheinung…“

    Wo, wie viele, seit wann, welche Strukturen, wie organisiert?
    Was ist mit den überregional tätigen Jungen Nationalen?
    Welche Gruppen sind in DU aktiv, vor allem welche Wehr- und Kampfsportgruppen? Wie sieht deren Vernetzung aus?

    Offiziell gibt es in Duisburg ja auch keine Obdachlosen und keine Drogenszene. Hier ist’s halt wie früher in der DDR. Würden die städtischen Securities mal damit beauftragt werden diese „Szene“ zu kontrollieren, anstatt die Königstraße Obdachlosen-, armuts- und drogenfrei zu machen!

    Der Stimmenzuwachs bei Pro NRW und NPD in DU liegt im Bau der größten Moshee Deutschlands begründet und die gleichzeitige städtische Akzeptanz illegaler turk-faschistischer Vereine, so auch in Rheinhausen, der angeblichen Moshee, in der Sauerland Trost beim Fasten brechen fand. Auf faschistische islamistische Gruppierungen, die von MHP genährt werden und die Organisationen wie die Grauen Wölfe oder Milli Görüs heranzüchtet, folgt die Antwort auf deutsch-nationalistischer Seite, was nur logisch ist.

    Geschaut werden muss in Duisburg auf das Thema Integration, genauso wie in Wuppertal rund um den Verein „Einladung ins Paradies'“ der, genauso wie in Rheinhausen, erst dann „verboten“ wurde als aufflog, dass die ohne Genehmigung ihr Unwesen treiben (s. Rheinhausen) oder wie es auch in Köln-Ehrenfeld geschieht dank Ralph Giordano z.B.

    Die Frage ist wer oder was wird hier mitttels städtischer Legitimation integriert? Da sind an aller erster Stelle Sauerland, Greulich und Özmal gefordert.

    Solange die Stadtregierung nicht wissen (will), wer oder was Milli Görüs ist und die in der Mercatorhalle europaweit tagen lassen, weil das viel Blutgeld in die Säckel dieser Verbrecher spielt, so lange wird es auch rechtsradikale Auswüchse in den deutschen Reihen geben, denn es sind nun deutsche gegen türkische Faschos, die gegeneinander antreten.

    Viel zu wenig oder keine Beachtung finden türkische islamistische Faschisten, auch das sind Rechtsradikale, auch das sind Nazis, wenn man so will.

    In Duisburg existieren mindestens 5 (fünf!) illegale islamistische „Vereine“ = politisch-extremistische Gruppierungen! Das sind dann je nachdem Möbellager oder Großhändler oder…

    Die alle sind Sauerlandwähler, eine einzige riesige Sauerlandgruppe, von denen auch Greulich, Kantel, Janicki und viele andere mehr profitieren!

    Das „Wunder von Marxloh“ durfte nur deshalb mit EU-Geldern gebaut werden, weil die sich verpflichten mussten einen Integrationsauftrag auszuführen. Wer kontrolliert den, die Özmal vielleicht? Lachhaft! Die Grauen Wölfe durften dort „protestieren“ als dort Pro NRW neulich mal wieder auftauchte! Einen Integrationsauftrag mit deutschem Koranunterricht für die Kinder und Jugendlichen und Deutschunterricht für die Frauen. Passiert das? Mit dem Ziel islamistischen Auswüchsen den Nährboden zu entziehen. Nicht so in Duisburg, in der Stadt, in der Verantwortungslosigkeit, Gewissenlosigkeit, Korruption und Lüge zu Hause ist. Und ein verdammt kriminieller, organisierter Wille.

  2. Die Nazis sind da.
    Einige treten noch aggressiv und pöbelnd auf, aber das ist nicht die Norm.
    Sie sind raffinierter geworden, angeblich ordentliche und angepasste Bürger. Fassade!
    Alle, die nicht so leben wie sie, ihren Vorstellung nicht entsprechen, werden hart und konsequent gemobbt und kriminalisiert und bedroht.
    Staatsanwaltschft und Polizei gucken weg oder machen sogar mit.
    Duisburg ist eine rechtlose Stadt geworden.
    Bei dem obersten Dienstherrn und Repräsentanten der Stadt kein Wunder.
    In Straßen, Bahnen und Bussen macht sich Gewalt breit und es wird negiert.
    Augen zu und weggucken.
    Die negativen Wutbürger sind da!
    Wo sind die Wutbürger, die sich für Recht und Demokratie und Freiheit einsetzen. AUGEN AUF, HINSEHEN !
    Es wäre noch soviel zu schreiben, aber im Moment bekomme ich Kopfschmerzen.