Martina Voss-Tecklenburg klärt auf

Während des Spieles des FCR Duisburg gegen den VfL Wolfsburg wurde die beurlaubte Trainerin Martina Voss-Tecklenburg am Spielfeldrand gesichtet. Sie sah sich wehmütig das Spiel von der Gegengrade aus an, während ihr Vertreter Marco Ketelaer die Regie bei den Löwinnen übernahm.

Sie freute sich sichtlich über das Tor von Alexandra Popp. Als man sie dann auf die derzeitige Situation ansprach gab sie lediglich kurz und wehmütig zu Protokoll:

„Ich bitte sie um Verständnis, das ich mich momentan nicht dazu äußern mag.“

Doch in der Pressekonferenz traute man seinen Augen kaum. Martina Voss-Tecklenburg ließ es sich nicht nehmen an dieser Teil zu nehmen. Am Rande verfolgte sie dann die Äußerungen des Vorstandes zu ihrer Beurlaubung und machte sich Unmengen an Notizen und Randbemerkungen.

Nach der Pressekonferenz stand sie den Medienvertretern mutig, stark und couragiert zur Aufklärung zur Verfügung.

Martina Voss-Tecklenburg:

„Es ist unfassbar. Am 11.02.2011 habe ich noch eine Email erhalten deren Inhalt es war, das ich meinen Vertrag um ein Jahr verlängert bekomme. Es fehlt nur noch der finanzielle Anhang. Man sagte mir, dass wir am Donnerstag dann die Personalplanung besprechen.“

Als sie dann am Donnerstag zum FCR kam um ihr Training mit der Mannschaft zu absolvieren und die anstehende Personalplanung zu besprechen, traf es sie wie ein Schlag. Nichtsahnend bekam sie die Nachricht über ihre Beurlaubung.

„Wir hatten auch schon Gespräche mit Spielerinnen, die ich geführt habe. Die Verträge sind dann leider nicht zu Stande gekommen, weil eine finanzielle Einigung nicht stattgefunden hat. Und ich wollte und hatte weitere Gespräche für Freitag angedacht mit jungen Spielerinnen, die ich dann natürlich abgesagt habe. Also, ich war in der Planung für die neue Saison schon drin, weil ich hier weiter mit einer Mannschaft trainieren und spielen wollte. Ich kann ihnen nicht sagen, was zu dieser Entscheidung geführt hat. Mir wurde das gleiche gesagt, was sie heute gehört haben. Ich kann auch nur Fakten sprechen lassen und ich habe Email vom 11.02.2011, weil Herr Oster meinte, es wurden zuletzt im Dezember Vertragsgespräche geführt. Und das stimmt nicht. Die Email sagt aus, dass nur noch der finanzielle Anhang fehlt und das sich natürlich an der Situation nichts geändert hat. Und wenn ich hier am Donnerstag her komme und denke, wir besprechen die weitere Personalplanung und werde dann beurlaubt, dann brauche ich das nicht kommentieren. Der neue Vertrag sollte ein Jahr laufen, aufgrund der momentanen Situation, weil wir nicht wissen, wie die Möglichkeiten sind in allen Bereichen. Vor allem wie der Kader zusammen gesetzt wird. Ich werde erst einmal zusehen, das ich zur Ruhe komme und dann nach vorne schauen. Dann mal schauen, was kommt und sondieren. Mal sehen.“

Der Trainerin wurde vom Vorstand vorgeworfen, dass sie erfolgsbesessen sei und enormen Druck auf die Mannschaft ausgeübt haben soll. Man empfand dies als Problem. Diesbezüglich äußerte sich die Trainerin wie folgt:

„Also, wenn man sich als einen Verein das Ziel setzt mindestens einen Titel zu holen und man hat dann keine Trainerin die den Erfolg will, dann kann man den Erfolg nicht holen.“

Auf die Frage hin, ob sie den offenen Brief der Mannschaft in der Pressekonferenz mitbekommen habe, antwortete sie wehmütig:

„Ich habe es gehört und es spiegelt genau das wieder, was ich mit meiner Mannschaft die ganze Zeit verbunden habe. Es ist ja mehr, als das ich hier nur Trainerin war. Und ich denke mal, das das in den Ausdrücken ja klar zur Geltung gekommen.“

Die Zukunft des FCR gibt sie so an:

„Es wird sich dann zeigen. Das müssen die Leute nun jetzt einleiten. Ich kann ihnen nicht sagen, wie die Zukunft aussehen wird. Sie ist aber auch von Erfolge abhängig. Für mich hat sich auch die Frage des Drucks nie gestellt. Ich kann die Erklärung hier auch nicht teilen. Mir geht es nur darum, dass die Mannschaft immer bestens vorbereitet gegen Everton wäre. Ich weiß jetzt nicht, ob jetzt der Fall ist, weil ich nicht weiß, welche Informationen es über den Gegner gibt.“

Auf die Frage hin, ob man nun die Befürchtung habe, das die Mannschaft aufgrund ihrer bitteren Enttäuschung jetzt gegen den Verein spielen könnte, wies Martina Voss-Tecklenburg diese Vermutung vehement von ihrer Mannschaft ab:

„Nein, nein. Das sollen sie auch nicht. Die Mannschaft hat einen tollen Charakter und die Mannschaft soll Fußball spielen. Und das haben sie heute ja auch getan. Die Mannschaft soll und das wollten sie auch mit mir und das wollen sie auch mit jedem anderen ihre bestmögliche Leistung bringen. Das haben sie in den letzten Wochen auch versucht. Und man muss eben auch Leistung relativieren. Wir haben in Potsdam ein gutes Spiel gemacht und wir haben im München eine tolle erste Halbzeit gespielt, haben leider die Tore nicht gemacht. Die Mannschaft will immer ihre Leistung bringen und da kann man ihnen auch überhaupt nichts sagen. Und sie sollen auch weiterhin so spielen.“

Ob sie Druck empfunden habe und ob man ihr den Druck nehmen sollte kommentierte die Trainer wie folgt:

„Natürlich hat man Leistungsdruck, aber dafür bin ich doch hier. Sonst hätte ich mir ja diesen Job sonst nicht ausgesucht. Sonst geh ich Kaffee verkaufen irgendwo.“

Unterstützung vom Vorstand habe sie in der letzten Zeit eigentlich wahr genommen.

„Ich kann hier auch nur Fakten sprechen lassen. Wenn man ein dreiviertel Jahr lang eine einzige Sitzung mit der Trainerin zusammen hatte, dann muss das jeder für sich bewerten. Natürlich habe ich die Unterstützung empfunden, weil ich in Vertragsgespräche war. Wir wollten ja den Weg gemeinsam gehen ins nächste Jahr. Deshalb bin ich ja auch so erschrocken, was da am Donnerstag passiert ist.

Ob sie es gut findet oder nicht, dass Ketelaer sich nicht als Cheftrainer sieht, kommentierte sie mit:

„Dazu möchte ich nichts kommentieren. Das klären wir doch lieber intern. Denn wir hatten echt eine tolle Zeit zusammen gehabt.“

Wir danken Frau Voss-Tecklenburg für ihr offenes und ausführliches Gespräch und wünschen ihr alles Gute für die weitere Zukunft.

Manuela Ihnle (Dustin.Paczulla)

Fotosstrecken zum FCR Duisburg finden sie unter http://xtranews.de/imagedesk/index.php/FCR01-Duisburg

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