Stoff für Atombomben auf deutschen Schrottplätzen

Strahlende Stoffe aus der ganzen Welt landen immer wieder auf deutschen Schrottplätzen. Pro Jahr registriert das Bundesumweltministerium über 20 solcher Vorfälle, wie das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL berichtet. Meist handelt es sich um kleine Quellen. Zwei Funde von Uran in Metallschrott schreckten allerdings sogar Experten für Massenvernichtungswaffen im US-Außenministerium auf, wie eine Washingtoner Depesche zeigt. Im März 2009, so der SPIEGEL, fanden Strahlenexperten bei einem Schrotthändler in Ennepetal in Nordrhein-Westfalen eine Kiste voller Pfännchen aus dem Metall Molybdän. Daran hafteten Krusten aus Uran, bis zu 2,9 Kilogramm. Ein Teil davon war angereichert, muss also in der Atomindustrie entstanden sein. Experten vermuten, der Stoff könnte aus der Produktion von Kernbrennstoff in der DDR stammen. Die amerikanischen Experten interessierten sich deshalb so für den Fall, weil bereits im März 2006 ein Stahlhändler im brandenburgischen Hennigsdorf gefährlichen Strahlenstoff registriert hatte. In einer Ladung aus Osteuropa strahlten 47,5 Gramm Uran. Dieses Material war zu 80 Prozent angereichert, der Stoff also, der für Atombomben taugt. Spezialisten haben inzwischen die Herkunft des Materials ermittelt: Es stammte aus Brennstoff für einen nuklearen Forschungsreaktor in Russland. „Diese Uranfunde zeigen, dass es mit der Sicherheitskultur immer noch nicht stimmt“, sagt der Proliferationsexperte Tom Bielefeld vom Belfer Center der Harvard University. Meist geht es auf Schrottplätzen um kleine Strahlenquellen. „Aber ab und an findet man auch Quellen, die so sehr ticken, dass sie diejenigen, die damit hantieren, schädigen können.“ Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA bestätigt, dass immer wieder gefährliches Material im Umlauf gerät, das Schrottdiebe auf schlecht gesicherten Geländen gestohlen hatten, meldet Spiegel-online in seiner Vorabmeldung.

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