Duisburger Loveparade-Kongress: Öffentliches Interesse sieht anders aus

Duisburger Loveparade-Kongress: wenig Interesse

Duisburger Loveparade-Kongress: wenig Interesse

Als am letzten Samstag um kurz vor Begin der Konferenz im kleinen Prinzen, mehr Sitzplätze frei als besetzt waren, war die Anspannung der beiden Organisatoren, Jürgen Hagemann und Lothar Evers, deutlich sichtbar. Hagemann hatte schon kurz vorher in einem WDR Interview die Absage vieler Betroffener bekanntgegeben, da diese „noch nicht bereit wären, in die Öffentlichkeit zu treten“.

Das anwesende Publikum bestand überwiegend aus Mitgliedern von Duisburg21 „Suchet der Stadt bestes“ und „BÜRGER!MACHT!POLITIK!, NeverForget, sowie Angehörige vom Selbsthilfeverein „Massenpanik Selbsthilfe e.V. „. Dazu eine große Anzahl von Medienvertreter.

Stadtverwaltung oder gar Lokalpolitiker ließen sich erst gar nicht blicken. Weder Vertreter der SPD noch die, für jeden im Gaza-Streifen umgefallenen Kornsack Massenproteste organisierende, LINKE hatten Interesse an der Veranstaltung. In Anbetracht der teilweise 500 Demonstranten gegen die Schließung des Kultur-Clubs Djäzz eine Woche zuvor in der Duisburger Innenstadt, waren die 60 Anwesenden beim Kongress alles andere als ein Zeugnis für das Interesse an der Aufarbeitung der Loveparade-Tragödie.

Kaum neue Erkenntnisse

Akribisch, teils mit viel klein-klein, stellte eine gut vorbereiteter Lothar Evers sowohl die Planung, als auch den Veranstaltungstag vor. Viele Fakten waren schon vor dem Kongress bekannt und somit nicht mehr neu. Evers präsentierte aber einen gesprächsbereiten Ordner, dessen Interview er einspielte. So sei dem Ordner schon bei der Ankunft auf dem Gelände bewusst gewesen, dass die Veranstaltung im Chaos endet. Auch der Hinweis, dass am Morgen der Loveparade 40 Prozent der benötigten Ordner gar nicht zum Dienst angetreten seien, war für viele im Publikum eine neue und überraschende Information darstellte.

Interessant auch die Ausführungen von Kai Abrell, Meister für Veranstaltungstechnik und Dr. Frank Eikmaier, einem Rechtanwalt aus Witten, die sehr detailliert, die Nichtgenehmigungsfähigkeit der Loveparade anhand von gesetzlichen Bestimmungen dargelegt haben.

Peinlich der Auftritt von Jörg Kibbat (44), der im Verdacht steht, mit der Loveparade-Tragödie und dem Leid der Opfer und Angehörigen Geld verdienen zu wollen. Ganz ungeniert setzte er sich auf das Diskussionspodium und machte Werbung für seinen NRW-Kongress. In den Pausen, versuchte Kibbat in etlichen Einzelgesprächen davon zu überzeugen, dass er sich von seinen Partnern getrennt hätte und er selbst nur hehrende Ziele verfolgen würde.

Nach der Veranstaltung äußerten sich Teilnehmer, dass sie heute nichts wirklich neues erfahren hätten.

So bleibt als Fazit für diesen Kongress der Ausspruch von Opferanwalt Gerhart Baum „Der Kongress fördert vor allem den Zusammenhalt der Opfer untereinander.“

6 thoughts on “Duisburger Loveparade-Kongress: Öffentliches Interesse sieht anders aus

  1. klingt da etwa verwunderung durch? ein hauch anklage?

    es wird kein grosses echo kommen. der herr stadtdirektor hat es treffend auf den punkt gebracht: „… weil die Menschen hier zu träge wären. Protest käme nur aus den Resten eines ehemaligen Bildungsbürgertums.“
    wenn man nett umschreiben möchte, man halte sein volk für dumm und faul, könnte man es vielleicht so tun.

    wie gesagt, er hat nicht ganz unrecht. ich bin mir nur nicht sicher, ob ich das als vertreter dieser leute sagen würde… mir ist nicht aufgefallen, dass dem widersprochen wurde. erwartungsgemäss?

    es ist auch leichter auf jemandem rum zu hacken, den man für schwächer hält, als sich der wurzel des übels, in dem fall der politik, mal an zu nehmen. so sind in Duisburg opfer „selbst schuld“, politiker nicht für ihr handeln verantwortlich, leere kassen kein grund Millionengräber ruhen zu lassen oder (verfehlte) stadtentwicklung ein grund, die halbe stadt abreissen zu wollen.
    unmut? protest? weit gefehlt! eher wird noch versucht, die paar gestalten, die sich weiter gut sichtbar gegen das stellen zu diffamieren. sei es durch betroffene, die sich von gruppen aus verschiedensten gründen getrennt haben, von handlangern des Systems mit unsinnigen, aber kostspieliegen anzeigen (Demo) oder von „gönnern“ wie dem edlen herrn Krieger, der erst eine gedenkstätte zusagt und dann taktiert, als wäre sein gegenüber ein profitgeier seiner liga.

    mich erstaunt, wie ruhig die veranstaltung allem anschein nach über die bühne gegangen ist. den unkenrufen aus dem „sozialen netzwerk“ nach hätten einige der teilnehmer das bestreben geäussert, die bühne nutzen zu wollen und sich auf nebenschauplätzen austoben zu wollen. schön das herr Hagemann von den ver(w)irrten genügend aufmerksamkeit auf sich lenken konnte.

    es dürfte auch nicht eben dienlich sein, einen saal füllen zu wollen und (zwischenzeitlich) eine art schutzgebühr/erscheinprämie ein zu sammeln. mich würde sowas eher abhalten, als für den entscheidenden ruck zu sorgen.

    ich musste an dem tag für meine brötchen sorgen, so stand ich nicht vor der entscheidung für oder gegen die teilnahme. der artikel und die statements diverser anwesender der gruppen decken sich mit meiner erwartung.

    abschliessend möchte ich alle die, denen es um die sache geht, inständig bitten für die zeit bis zur klärung der (vermeidbaren) tragödie des 24.07.2010 und den damit verbundenen konsequenzen für das System die kraft darauf zu verwenden, nach jeweiligen möglichkeiten die ausstehenden antworten aus dem rathaus ein zu fordern und etwaiges geplänkel über persönliches für später zu verwahren. die sache gewinnt dabei nie und den nutzen zieht nur die gegenseite…

    • Dem ist widersprochen worden.
      Aber Herr Greulich ist ressistent, er nimmt gar nichts an Kritik an.
      Es gibt da einen Jüngling, der sich für den Schönsten hält und selbstverliebt ist.
      Wie hieß er noch, doch nicht etwa G……….?

  2. Haben nicht alle Mandatsträger im Stadtrat einen Schwur geleistet.
    Zum Wohle der Stadt und der Bürger.
    Nicht nur Sauerland und Greulich arbeiten nur für wenige der Diusburger Bürger,
    eine kleine Elite, ein interner Kreis, wo der schlichte und einfache Bürger nichts zu suchen und den Mund zu halten hat.
    Das ist deren Haltung, wahrscheinlich schon jahrelang .
    Für Duisburger Neubürger ein Schock, zuerst hält man es nicht für möglich.
    Man denkt, Täuschung, Irrtum, ist nicht wahr.
    Dann gibt es welche, die Widerstand leisten!
    Und die zanken untereinander.
    Wieder denkt man, stimmt nicht, nur ein Irrtum, ein Traum.
    Alles wahr……….!? Was mache ich ?
    Ratlos, zwischen Stühlen stehend, mal weinend, mal schreiend.

    Bitte tut Euch alle zusammen, damit der Widerstand effektiv wird.
    Damit die Damen und Herren dieses müde Lächeln verlieren, diese Arroganz,
    die für Bürger unerträglich ist. Laßt verschiedene Meinungen zu, solange man die Opfer und Betroffenen nicht übergeht und zusätzlich verletzt.

    Das Wort zum Dienstag, heute von einer Ratlosen.

    • „Für Duisburger Neubürger ein Schock, zuerst hält man es nicht für möglich.“

      Ich habe immer nur in Duisburg gewohnt. Ist das ernsthaft woanders besser?

      In den letzten sechs Jahren ist es nach meinem Empfinden schlimmer geworden, aber vorher war es auch nicht gerade gut. Ich bin immer davon ausgegangen, dass es in andren Städten genauso läuft.