West Wing: Amerikanische Politik als TV-Serie erleben

The West Wing

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Die erste Staffel der amerikanischen Erfolgsserie „The West Wing“ ist in Deutschland erhältlich. Warum man mehr von ihr lernen kann als von mancher Geschichtsstunde? Weil „The West Wing“ im Gegensatz zum ZDF-Kanzleramt unterhaltsam mögliche Politikentscheidungen Amerikas vermittelt.

Hochwertig produzierte Serien mit einem roten Faden haben es in Deutschland schwer. Während „Adelheid und ihre Mörder“ oder „CSI“ boomen haben es Serien wie „Life“ oder „Firefly“ nie geschafft die Herzen der deutschen Serienzuschauer zu erobern. Der deutsche Gewohnheitszuschauer möchte in 45 Minuten – plus Werbung – abgeschlossene Handlungen präsentiert haben. Allenfalls mal einen Zwei- oder Dreiteiler könnte man noch akzeptieren, doch Serien, bei denen man nicht ungestraft eine Folge verpassen kann sind nicht des Deutschen Sache.

Andererseits scheinen die TV-Sender auch gar nicht mehr willens, Serienexperimente im Free-TV auszustrahlen. Selbst der hochgelobte „Kriminaldauerdienst“ landete ja schließlich beim Spartensender ARTE. „Lost“, von Pro7 gehypt, war dann beim Resterampensender Kabel1 zu erleben. Ebenfalls ein Desaster: „Dr. Who“. Dabei muss man ARTE applaudieren, das mit „Breaking Bad“ kürzlich eine hervorragende, spannende und geniale Serie nach Deutschland brachte – auch wenn sie vermutlich eher unter ferner liefen läuft. Wie gut, dass es DVDs gibt und wie gut, dass englischkundige TV-Zuschauer nicht unbedingt warten müssen bis die Serie auf DVD in Deutschland erscheint. Schließlich wartet man immer noch auf die vierte Staffel von „Farscape“ – vor kurzem gab es tatsächlich auch noch die Meldung, dass „Zurück in die Vergangenheit“ nach fünf Jahren doch noch komplett auf DVD herauskommen wird. Kein Wunder, dass in Zeiten der digitalen Vervielfältigungstechniken Dienste wie Pirate Bay boomen.

Ob auch die restlichen sechs Staffeln von „West Wing“ auf DVD erscheinen werden – das ist eine Frage, die man nicht beantworten kann. Aber Hoffnung ist das, was den Serienjunkie antreibt. Konzentration also auf die erste Staffel aus deren erster Folge der grandiose Dialog „dein Freund POTUS hatte einen Fahrradunfall.“ – „Das ist nicht mein Freund, das ist mein Boss.“ hängenbleibt. POTUS, so erfährt man später, ist die Abkürzung für President of the United States, in diesem fiktiven Fall Präsident Bartlett, der von Martin Sheen hervorragend porträtiert wird. Um ihn und um die Probleme im Westflügel des Weißen Hauses dreht sich die Serie, um das Team von Beratern und Angestellten, die Bartlett während des Wahlkampfs begleiten. Ereignisse von weltweiter Bedeutung kommen dabei ebenso vor wie die Probleme und Nöte der Berater selbst. Es ist, das stellt die Serie klar, nicht alles Gold was glänzt. Dabei ist der Serie zugute zu halten, dass sie den Präsidenten nicht verherrlicht sondern ihn auch mit seinen Schwächen zeigt.

Aaron Sorkin, der Erfinder der Serie, verzichtet dabei auf große Action. Die Dramatik der Serie baut sich alleine aus den Dialogen und den Handlungen der Protagonisten auf. Das ist zuerst gewöhnungsbedürftig, da Sorkin auch gerne seine Darsteller redend durch die Gänge laufen lässt. Doch dank der Geschichten, die keine Schmonzetten wie beim „Kanzleramt“ sind, sondern durchaus Politik auf amüsante Art und Weise vermitteln bleibt man als Zuschauer dran und versteht immer mehr, wie das amerikanische System funktioniert. Erfreulich, dass die Serie jetzt endlich auch als Nicht-Import zugänglich ist – unerfreulich ist der hohe Preis von knapp 35,- Euro für die erste Staffel. Da gibts in den UK schon für etwas mehr Geld alle sieben Staffeln. Man sollte sich das merken, schließlich könnte es sein, dass die Serie hierzulande nicht komplett auf DVD herauskommt. Wünschenswert wäre es aber.

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