Duisburger Karnevalsverein bangt um Veranstaltungsgenehmigung – IMD vermietet Halle ohne Brandschutz

Seit der Loveparade Tragödie, bei der 21 Menschen gestorben sind und 600 zum Teil schwer verletzt wurden, legt die Duisburger Verwaltung verschärfte Auflagen bei Veranstaltungsgenehmigungen vor. Dies bekommen vor allem kleinere Vereine zu spüren, wie jetzt eine Duisburger Karnevalsgesellschaft, die um ihre Veranstaltung am kommenden Samstag bangen muss.

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Karnevalspräsident Wilfried Schmitz Foto: Alle Mann an Bord «Die Blauen Jungs» Duisburg 1955 e. V.

Seit 1979 hält der Duisburger Karnevalsverein „Alle Mann an Bord «Die Blauen Jungs» Duisburg 1955 e. V.“ seine Veranstaltung in der Aula des Huckinger Mannesmann-Gymnasiums ab. Seit 2002 heißt der Vermieter „Immobilien-Management Duisburg“ kurz IMD. „Wir haben langfristige Verträge und bisher lief immer alles optimal“, sagt der Präsident der Karnevalsgesellschaft Wilfried Schmitz.

Im November, bei der letzten Sitzung des Vereins, gab es noch keine Beanstandung. Anfang Januar habe man die Schankerlaubnis beantragt und erfahren, dass es angeblich Brandschutzmängel geben solle, die schon 1997 protokolliert worden seien, so Schmitz. Warum man erst 14 Jahre und hunderte Veranstaltungen später das Protokoll findet, konnte uns der Vereinspräsident nicht erklären.

Bei einer Ortsbegehung mit Vertretern der Feuerwehr, des Ordnungsamtes und der Bezirksvertretung, wurde dann der Mangel benannt.

Die Theke im Foyer könnte brennen, ließ der Sachverständige der Feuerwehr verlauten und dies sei nur mit dem Einbau einer mobilen Löschanlage genehmigungsfähig.

„Wir haben daraufhin eine mobile Löschanlage für über 3000 Euro geordert“, erzählt uns Schmitz auf telefonische Nachfrage.

Auch bei der Sitzbelegung, die offiziell für 328 Personen ausgelegt ist, habe man in den sauren Apfel gebissen und sei auf die Vorschläge des Ordnungsamtes eingegangen, und nur mit 250 Plätzen geplant.

Am Dienstag kam dann der karnevalistische Super-GAU: Das Duisburger Bauordnungsamt verweigerte die Nutzungsgenehmigung. Es sei, so das Amt, einfach zu gefährlich, im Foyer zu tanzen.

„Wir verzweifeln langsam aber sicher“, sagt Schmitz. Und weiter: „Wir haben für Samstag schon alle Karten verkauft, haben Verträge mit den Künstlern und dem Catering, haben einige tausend Euro in Werbung investiert und das nicht nur für den kommenden Samstag, es stehen hier noch vier weitere Veranstaltungen in der Aula zur Disposition. Zusammengerechnet kommt da ein hoher fünfstelliger Betrag zusammen.“

Man habe gestern und heute noch einmal intensiven Kontakt mit der Bezirksvertretung und versuche eine Lösung zu finden. „Wir haben zugesagt, dass das Foyer nur zum Aufsuchen der Toiletten frequentiert wird, keine Musikanlage dort aufgestellt und nur in der Aula getanzt wird. Selbst eine Alu-Theke zum Getränkeausschank werde in der Aula aufgestellt“. Man hoffe, mit diesen Einschränkungen, die laufende Karnevalssession noch zu Ende zu bringen.

Anfragen an die Stadt Duisburg, warum die IMD eine Veranstaltungshalle vermietet, die seit 14 Jahren nicht über einen adäquaten Brandschutz verfüge respektive dort seit 1997 auch Schulveranstaltungen genehmigt wurden, obwohl diese gar nicht genehmigungsfähig waren, wurden noch nicht beantwortet. Selbiges gilt auch für die Frage, warum die IMD nicht schon längst eine mobile Löschanlage installiert habe.

Inzwischen hat sich ein Stadtsprecher telefonisch gemeldet und versichert, dass die Veranstaltung am Samstag in der Aula unter der Auflage stattfinden könne, dass vorher die Theke aus dem Foyer abgebaut würde.

8 thoughts on “Duisburger Karnevalsverein bangt um Veranstaltungsgenehmigung – IMD vermietet Halle ohne Brandschutz

  1. Dem unvoreingenommenen und ortsunkundigen Leser vermittelt sich hier der Eindruck, als ob seitens der Verwaltung irgendetwas demonstriert werden soll. Tollhaus Duisburg!

    • @Bandelier

      In der Tat wird in Duisburg etwas demonstriert. Nämlich, dass den Verantwortlichen jegliches Mittel recht ist, auch das letzte kulturelle Ereignis zu zerstören.

    • Zu: „Dem unvoreingenommenen und ortsunkundigen Leser vermittelt sich hier der Eindruck, als ob seitens der Verwaltung irgendetwas demonstriert werden soll. Tollhaus Duisburg!“

      Die Lösung ist doch ganz einfach: Seit dem Loveparade-Unglück steht der Oberbürgermeister Herr Adolf Sauerland in der Kritik, weil er keine Verantwortung übernehmen will, aber selbst auch nichts unterschreibt.

      Zur Zeit wird gegen 11 Bedienstete der Stadt staatsanwaltschaftlich ermittelt, u.a. aus dem Bauordnungsamt.

      Nun raten Sie mal, wie hoch die Bereitschaft der Bediensteten für die Übernahme der Verantwortung ist.

  2. Damals war das MMG 6-zügig, rechnet man nun pro Klasse 25 Kinder (Baby-Boomer) für 3 Jahrgänge, bedeutet das: In der Mittagspause sind täglich 450 Kinder durch das Forum geturnt – und wir waren von einer Karnevallstruppe manchmal auch nur graduell enfternt.

    Da wird mir im Nachhinein noch Angst und Bange, es ist gradezu ein Glücksfall, dass ich meine Schulzeit überlebt habe.

  3. schuld sind eh die komischen typen, die den unveratworbaren zukünftigen ex-OB so hetzen… wenn die die füsse still halten könnten, müsste weiter keiner seinen job machen.

    mich wundert, wenn das lessivere und höchst bedenkliche genehmigungsverfahren des musikalischen wanderzirkus verwaltungstechnisch nicht zu beanstanden war, warum kümmert man sich nun plötzlich drum?

    schön auch: […] Die Theke im Foyer könnte brennen, ließ der Sachverständige der Feuerwehr verlauten und dies sei nur mit dem Einbau einer mobilen Löschanlage genehmigungsfähig. […]
    auf die idee, den zapfhahn offen zu lassen und die theke mit dem austretenden bier zu löschen käme niemand…

  4. Der Querulant soll starrsinnig und unbeeinflussbar durch maßgebende Belehrung versuchen, sein vermeintliches oder tatsächliches Recht zu erreichen. Sein Verhalten stehe dabei in keinem angemessenen Verhältnis zur Situation. Eine treffende Beschreibung für einen Querulanten sei: Er ist von Beruf dagegen, weil selbst ein Einschwenken auf die vom Querulanten geäußerte Meinung ihn nicht befriedige.

    Viel Spaß noch. shutdown -h now

  5. Der Querulant soll starrsinnig und unbeeinflußbar sein.
    Sein Verhalten steht in keinem Verhältnis zur Situation.
    Eine treffende Beschreibung für ´“unsern allzeit geliebten Herrn Sauerland.“

    • Schlecht recherchiert oder Absicht?
      Im Zuge des „120 Millionen-Projekts“ wurde 2004/2005 die Brandschutzsanierung der Aula durchgeführt.
      Das Foyer gilt ausschließlich als Flucht- und Rettungsweg und darf nicht „bespielt“ werden.
      Das ist so gewollt – eine schlichte Kosten-/Nutzenrechnung.
      Wer will schon für ein Foyer extra Miete bezahlen.

      Also – KEINE Brandschutzmängel!
      Man ist nach der Loveparade-Katastrophe nur etwas vorsichtiger geworden und hält sich an die Vorschriften.
      Hätte man das mal vorher getan …