„Four Lions“: Eine Dschihadkomödie und die CSU

Die beste Art mit einer Gefahr umzugehen ist, ihr ins Gesicht zu lachen oder sie durch den Kakao zu ziehen. Offenbar hat das aber die CSU nicht so ganz verstanden, hält sie doch den britischen Film „Four Lions“ für so gefährlich, dass sie erwägt ihn zu verbieten. Ob die CSU-Mitglieder den Film je gesehen bzw. verstanden haben? Vermutlich nicht.

Christopher Morris „Four Lions“ ist eine Dschihad-Komödie. Sie spielt in Sheffield, wo vier angehende Möchtegern-Terorristen sich als konspirative Zelle versuchen. Wie dilletantisch die Terroristen vorgehen wird auf den ersten Blick deutlich, denn schon zu Beginn des Films beim Drehen eines Bekenner-Videos gehen die „Vier Löwen“  – eine Anspielung auf die „Three Lions“ der Fußballnationalmannschaft – alles andere als profihaft vor. Dass zwei Charaktere tatsächlich in ein Terrorcamp in Pakistan reisen – ja, das stimmt. Dass die allerdings keine Leuchten sind und es ihnen sogar gelingt eine Panzerfaust verkehrt herum abzuschießen – mit der Folge, dass nicht die CIA-Drohne sondern halt das Geheimtreffen der Terorristen selbst bombardiert wird… Ebenso wenn es darum geht eine große Anzahl von Dünger zu kaufen – was man besser nicht über Amazon tun sollte und ob man SIM-Karten wirklich essen sollte?

„Four Lions“ zieht dabei allerdings seine Charaktere nicht ins Lächerliche, sondern nimmt sie ernst. Was die CSU offenbar übersieht: Schließlich wandelt sich im Laufe der Handlung Omar von einem überzeugten Terroristen zu einem Zweifler, der am Ende versucht das geplante Attentat zu verhindern. Eine der ergreifendsten Szenen ist, wenn Omar versucht dem etwas mindergeistigem Waj davon abzuhalten in einem Fastfood-Restaurant sich in die Luft zu sprengen. „Der Teufel hat das, was du fühlen sollst auf den Kopf gestellt“, debattiert er. Dabei hinterlässt „Four Lions“ den Zuschauer aber nicht mit einem Happy-End. Ja, es finden Attentate auf der Leinwand in London statt. Zugegeben. Wenn diese allerdings in amerikanischen Agentenfilmen passieren oder in Fernsehserien wie „24“, dann scheint das für die CSU kein Problem zu sein? Wären diese nicht auch Filme, die in der aktuellen Terrordebatte dringendst verboten werden müssten?

Sicherlich ist das Sujet von „Four Lions“ ungewöhnlich, aber war das „M.A.S.H.“ nicht ebenso? Würde „Four Lions“ als Grundbotschaft die Agitation für den Dschihad selbst ohne wenn und aber anbieten, ja, dann wäre es in der Tat überlegenswert ob man den Film als Propaganda nicht verbietet. Stattdessen aber setzt sich „Four Lions“ auf humoristische und tragische Art und Weise mit dem Terror auseinander und bringt dem Zuschauer bis zum Abspann zum Nachdenken. Es lässt sich fragen, ob diejenigen in der CSU, die ein Verbot fordern den Film gesehen haben und wenn, ob sie ihn verstanden haben. Und vor allem: Längst gibt es den britischen Film als Import-DVD zu bekommen. Freigeben ab 15 Jahren.

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