André Schwind Namensgeber der „Duisburger Freiheit“ im Interview

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André Schwind, Inhaber der Werbeagentur Zufunktskommunikation SCHWIND in Bonn, Namensgeber der „Duisburger Freiheit“ (ehemaliges Güterbahnhofsgelände), im Auftrag von aurelis Real Estate GmbH und in Zusammenarbeit mit Vertretern der Stadt

Die Dachmarke „Duisburger Freiheit“ ist keine lokale, sondern eine internationale Marke. Bei der Vorstellung im Ratssaal gab es freundlichen Beifall und anerkennende Worte.“

Herr Schwind, Sie sind Eigentümer einer Kommunikationsagentur. Entspricht das einer klassischen Werbeagentur?

André Schwind: Werbung ist ein Teil von Kommunikation. Das heißt, wir bieten die Leistungen einer klassischen Werbeagentur an. Wir gehen aber darüber hinaus, indem wir unsere Kunden auf Wunsch mit allen Kommunikationsinstrumenten bei der Positionierung ihres Unternehmens oder ihres Produktes unterstützen können.

Sie bieten Zukunftskommunikation an. Was ist das, bitte?

André Schwind: Darunter verstehen wir Kommunikation, die in ihren Konzepten und Instrumenten besonders die Herausforderungen des Informationszeitalters aufgreift. Kommunikation ist eine sich ständig ändernde Plattform des Austauschs von Informationen und Botschaften, die Kanäle wandeln sich stetig und die Zielgruppen sind oft heterogen und suchen den interaktiven Austausch. Diese Entwicklungen und Trends beobachten wir und beziehen sie in die Lösungen für unsere Kunden ein.

Ah, ja. Sie hatten von aurelis den Auftrag erhalten, einer Duisburger Brachfläche in unmittelbarer Nachbarschaft des Bahnhofs einen Namen zu geben, dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände. Wie gingen Sie dabei vor?

André Schwind: Die Entwicklung einer Marke ist vor allem eine Kombination aus Fleißarbeit und Kreativität. Zunächst geht es darum, eine Ist-Aufnahme der Situation in Angriff zu nehmen. Daraus entwickelt sich eine Situationsanalyse, schließlich geht es um Suche von Alternativen, Ideenfindung und Ideenbewertung. Genau genommen ist das kreatives Handwerk, das durchaus wissenschaftlichen, dem Marketing zuzuordnenden Kriterien genügt. Es ist ein Trugschluss, dass sich ein Werber in die Ecke setzt, am Bleistift spielt und an seinem Apple bunte Kreise zieht, bis ihm irgendwann eine bahnbrechende Idee in den Sinn kommt. Das mag zwar schon mal so sein, ist aber in der Regel eben nicht der Fall.

Welche Alternativen gab es denn? Über die Bezeichnung Duisburger Freiheit kann man geteilter Meinung sein. Im Mai 2009 wurde der Name offiziell vorgestellt. Offensichtlich ist für Sie der Begriff Freiheit ein zukunftstauglicher. Wie kam das Ergebnis bei der Stadt Duisburg an? Wie nahmen die Bürger diesen Namen an?

André Schwind: Die Resonanz bei der Vorstellung des Namens hat gezeigt, dass sich mit dem Namen offensichtlich große Teile der Öffentlichkeit angesprochen fühlten. Bei der Vorstellung im Ratssaal gab es freundlichen Beifall und anerkennende Worte. Und dann gab es natürlich auch die, die den Namen etwas hochtrabend fanden, es wird bei Veränderungsprozessen aber immer so sein, dass es Befürworter und Mahner gibt. Und die Marke „Duisburger Freiheit“ war ja mit dem Ziel geschaffen worden, einen Veränderungsprozess vom brach liegenden Güterbahnhofareal zu einer städtebaulichen Entwicklung einzuleiten und zu begleiten.

Nun, die Ratsleute sind nicht „große Teile der Öffentlichkeit“. Demnach hatten die Bürger gar nichts zu melden. Dann kann jetzt ja wohl die Zukunft Einzug halten in Duisburg – mal sehen, ob sie es schafft. Doch keine Zukunft ohne Vergangenheit. Hatten Sie sich im Vorfeld eigentlich mit der Historie des Ortes auseinandergesetzt?

André Schwind: Grundsätzlich ist es unsere Aufgabe, uns bei der Markenentwicklung mit vielen Aspekten zu beschäftigen. Dabei geht es zwar vor allem um die Zukunft solcher Areale – das schließt die Beschäftigung mit der Historie eines Standorts aber zum Teil ein. Daraus können sich ja durchaus interessante Ansätze für die Zukunft ergeben.

Und welche könnten das sein? Unklar ist bis heute nämlich, ob dort einst Massendeportationen stattfanden oder nicht. Ein verschleiertes Stück Geschichte. Freiheit meint immer auch frei von etwas zu sein, was ja nicht unbedingt schlecht gewesen sein muss. Ist der Begriff Freiheit für Sie ein Begriff der Zukunft und wenn ja warum?

André Schwind: Freiheit ist zunächst einmal etwas, das Öffnung suggeriert. Ansatzpunkt für unser Konzept und die Dachmarke „Duisburger Freiheit“ war der Bezug zu Gerhard Mercator, einem der vielleicht namhaftesten Bewohner Duisburgs. Er war jemand, der sozusagen die Fesseln des mittelalterlichen Weltbildes ablegte und mit seiner Arbeit das Tor zur Moderne aufgestoßen hat.

Mercator also der Einzige, der das für Sie darstellt? Das Mittelalter ist lange vorbei. Gerhard Mercator soll im Hinblick auf 2012 (die nächste Duisburger Akzente, die unter diesem Motto stehen werden, Anm.d.Red.) wohl wieder an Bedeutung gewinnen, obwohl er, streng genommen, ja gar kein Duisburger war. Was sollen und können Ihrer Meinung nach die Duisburger, Bewohner einer Stadt, die geographisch mitten in Europa liegt, mit dem Begriff Duisburger Freiheit assoziieren?

André Schwind: Den Ursprung des Namens habe ich ja bereits erklärt. Sie sollten berücksichtigen, dass es aber nicht nur um den Begriff, sondern um die dazugehörige Bildmarke geht. Die Bildmarke ist die äußere Darstellung des Wesens dieser Fläche. Sie spiegelt die drei Dimensionen der Duisburger Freiheit wider: Raum, Zeit, Bewegung. Die Bildmarke interpretiert den Grundriss des Areals. Zugleich verdeutlicht die auslaufende Kontur des grünen Zeichens die Verbindung zum angrenzenden Raum. Wir haben damit deutlich gemacht, dass das Areal keine isolierte Insel ist. Außerdem wollten wir zeigen: Während, aber auch nach der Fertigstellung entwickelt sich das Areal kontinuierlich weiter, bleibt lebendig und steht in Interaktion mit den Menschen, die in Duisburg leben und arbeiten.

Das wird sich zeigen. Wenn das Wesen, dieses seit Jahrzehnten brachliegenden, Schadstoff belasteten Schotterplatzes, „Raum, Zeit und Bewegung“ sein soll, dann könnte man dem entgegen halten, dass dies alles und nichts bedeutet. Und es ist fraglich, ob es verstanden wird. Ich verstehe es schon mal nicht. Und die Leute außerhalb, unerheblich wo, was sollen die davon halten, verstehen die das?

André Schwind: Die Dachmarke „Duisburger Freiheit“ ist keine lokale, sondern eine internationale Marke. Also sollten die Menschen außerhalb Duisburgs diese Marke natürlich genauso verstehen wie die Duisburger selbst.

Okay, anderer Ansatz: Spielt in diesen Begriff eventuell ein gewisser freimaurerischer Aspekt mit hinein? Sir Norman Foster hat ja (auch) über dieses Gebiet die gestalterische Hoheit. Viele seiner architektonischen Planungen können diese Vermutung mehr als nahe legen, so z.B. Astana, die neue Hauptstadt Kasachstans. Da kommen recht merkwürdige Visionen zum Tragen, finde ich.

Es gibt keine direkten oder indirekten Aspekte.

Sie wurden von dem Grundstücksbesitzer aurelis Real Estate beauftragt. Machten die Ihnen Vorgaben, oder waren Sie frei in der Wahl Ihrer Wortschöpfung? Der Foster’sche Masterplan sieht dort u.a. einen Park vor, einen „Bürgerpark“. Fragt sich 1. was das sein soll, 2. auf wessen Mist dieser Name gewachsen ist und 3. ob man sich in Zukunft fragen wird: „Wollen wir im Bürgerpark Duisburger Freiheit spazieren gehen?“, bzw. kurz und knapp: „Gehn‘ wir inne Freiheit?“

André Schwind: Die Entwicklung einer Marke ist immer ein kreativer Prozess, an dem Auftraggeber und Agentur, in diesem Falle auch noch Vertreter der Stadt, mitarbeiten. Wir sind darüber informiert worden, was Foster an dieser Stelle als Planungsentwurf vorstellen würde. Der Name sollte ja nicht isoliert stehen, sondern auch die Vision einbeziehen. Hätte es aber schon eine konkrete Vorstellung in puncto Wortschöpfung gegeben, hätte der Kunde sicher nicht Kosten und Mühen auf sich genommen, um eine Agentur damit zu beauftragen.

Meine Vision lautet: Bäume, Pflanzen, Blumen, Biotope, Spielplätze, Jugendsport- und Freizeitstätten… – ein Hort für all jenes, was bedroht ist, geschützt und etabliert werden muss. War die aurelis Ihr alleiniger Auftraggeber oder war die Stadt Duisburg, vertreten durch die Duisburg Marketing GmbH, evtl. auch die Ruhr.2010 GmbH mit daran beteiligt?

André Schwind: Die aurelis war unser alleiniger Auftraggeber. Das heißt aber nicht, dass die Stadt bei der Kreation der Marke völlig außen vor blieb. Im Sinne eines partnerschaftlichen Projektes und angesichts des hohen Stellenwertes des Projektes gab es natürlich eine laufende Abstimmung aller Projektverantwortlichen. Ein solches Projekt und die Entwicklung eines Projektes ergeben nur Sinn, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

Galt es einen Namen zu finden, der einem späteren „Leuchtturmprojekt“ Rechnung tragen könnte (die Loveparade wurde offiziell als ein solches bezeichnet; von der Ruhr 2010, der Duisburg Marketing GmbH und mit ihr der Großkonzern Duisburg, (ehemals Stadt Duisburg, Anm.d.Red.), oder sollten mit diesem Namen vielleicht einzig und allein Investoren angelockt werden?

André Schwind: Die Frage erübrigt sich, da ich das in den Antworten zuvor gerade selber erklärt habe.

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