Missbrauch beenden – gesetzliche Regelungen für Praktikanten überfällig

Anlässlich der Beratungen des Deutschen Bundestags zu diversen Anträgen, die gesetzliche Regelungen für Praktikanten fordern, erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock am Donnerstag in Berlin:
„Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich eindeutige rechtliche Regelungen zum Schutz von Praktikanten einzuführen. Eine repräsentative Befragung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) belegt, dass die betroffenen Berufseinsteiger mehrheitlich gesetzliche Regelungen befürworten.“
Der DGB weist schon seit Jahren auf den zunehmenden Missbrauch von Praktikantinnen und Praktikanten als unter- oder unbezahlte Arbeitskräfte hin. „Reguläre Stellen dürfen nicht durch Praktika ersetzt werden“, sagte Ingrid Sehrbrock. „Das Praktikum muss gesetzlich als Lernverhältnis definiert werden, und wir brauchen endlich eine Begrenzung der Praktika auf drei Monate, eine Vergütung von mindestens 300 Euro pro Monat sowie fachliche Betreuung. Der Bundesregierung fehlt offenbar das Problembewusstsein für die Situation junger Menschen. Der Berufseinstieg hat sich in den letzten Jahren massiv erschwert. Mittlerweile ist es der Normalfall, dass selbst bestens ausgebildete junge Menschen mit Praktika, Mini-Jobs, Honorarjobs oder befristeten Arbeitsverträgen konfrontiert sind.“, so Ingrid Sehrbrock
„Die Daten aus dem BMAS belegen auch, dass insgesamt 20 Prozent der jungen Erwachsenen nach Abschluss einer Berufsausbildung oder eines Studiums ein oder mehrere Praktika machen. Das entspricht hochgerechnet rund 1,9 Millionen Personen. Tendenz steigend.Noch immer ignorieren viele Unternehmen die öffentliche Debatte um die Ausnutzung von Praktikanten und machen weiter wie bisher. Die Bundesregierung sieht derzeit keine weitere Notwendigkeit, belastbare Daten in Bezug auf die Generation Praktikum zu erheben. Frei nach dem Motto: Wo es keine statistischen Daten gibt, gibt es auch kein Problem. Nicht erst in Zeiten des wachsenden Fachkräftebedarfes ist es wichtig, die Betroffenen jungen Menschen mit ihren Problemen Ernst zu nehmen. Die Bundesregierung darf sich nicht weiterhin wegducken. Aus diesem Grund wird die DGB-Jugend im Frühjahr 2011 in einer Studie aktuelle Daten zur Generation Praktikum vorlegen.“, fügte die stellvertretende DGB-Vorsitzende hinzu.

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