Codename Payback – Es herrscht Krieg im Internet

Es war die ultimative Kriegserklärung, als die, als Buch- und Elektronikversender großgewordene und sich mittlerweile als Cloud-Hoster etablierte Firma Amazon die Seiten von Wikileaks sperrte, der Domainanbieter easydns.net die Adresse wikileaks.org dekonnektierte und somit alle Anfragen ins Leere liefen.

Als dann auch noch die Weiterleitung von Spendengelder an Wikileaks durch die Ebay-Tochter Paypal und im Nachgang auch durch Mastercard und Visa gestoppt wurden, gab es für die Anhänger der Enthüllungsplattform kein Halten mehr. Mit gezielten Distributed Denial of Service Attacken (DDoS) legten eine Gruppe namens „Anonymous“ die Webseiten von Mastercard und Visa lahm, so dass es über Stunden unmöglich war, die Seiten aufzurufen.

Bei DDoS Attacken werden Millionen oder gar Milliarden gleichzeitiger Anfragen an den „gegnerischen“ Server gesendet, so dass dieser nicht mehr alle Anfragen beantworten kann und somit für den normalen Besucher nicht mehr erreichbar ist. Diese Attacken werden meist über tausende verschiedener Rechner gefahren, die zumeist ohne Wissen der Besitzer, zu Botnetzen zusammen geschlossen sind.

Neben den Kreditkartenunternehmen hat es aber auch die Webseiten der ehemaligen Vizepräsidentschaftskandidatin der US-Republikaner und heutige Gallionsfigur der amerikanischen Konservativen Sarah Palin getroffen. Hier wurde nicht nur die der Internetauftritt lahm gelegt, sondern zusätzlich Kreditkarteninformationen von Palin und ihrem Mann Todd entwendet. Palin hatte in der Debatte um den Kopf von Wikileaks, Julian Assange, gefordert, diesen genauso zu verfolgen wie ein Al Kaida Anführer oder einem Taliban.

Immerhin hat sich paypal anscheinend dazu entschlossen die eingefrorenen Wikileaks-Spenden wieder frei zu geben.

Abzuwarten bleibt es, ob „Anonymous“ auch gegen die technisch hochgerüstete Serverfarm von Amazon vorgeht. Sollte dieser eher unwahrscheinliche Fall eintreten, so würde der Versandhändler durch einen Ausfall im umsatzstarken Weihnachtsgeschäft, empfindliche Einbußen hinnehmen müssen. Vorgewarnt durch den peinlichen Ausfall von Mastercard und Visa, werden bei Amazon derzeit sicherlich weitere technische Ressourcen bereitgestellt.

Des weiteren bleibt es abzuwarten, ob sich solche Aktionen als neue Protestform etablieren wird. Die Truppe um Julian Assange hat gestern gezeigt, dass sie technisch in der Lage sind, Firmen nicht nur einen finanziellen Schaden zuzufügen, sondern viel schlimmer, deren Image zu ramponieren. Wer die Oberhand bei diesen Muskelspielchen behält, werden die nächsten Tage zeigen.

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