Was nun – „Wetten dass“??

Die Verletzungen des jungen Wettkandidaten Samuel Koch sind schwerer als angenommen. Sein Zustand wird nach seiner gestrigen Operation als deutlich kritisch bezeichnet. Er liegt im künstlichen Koma. Die Halswirbelsäule sei verletzt, das Rückenmark an einigen Stellen geprellt. An der Wirbelsäule habe man zudem kleine Knochenbrüche entdeckt, sagte der Ärztliche Direktor der Uniklinik Düsseldorf,  Wolfgang Raab.

Auch nach einer ihm sehr zu wünschenden vollständigen Genesung kann und wird das ZDF nicht zum business as usual übergehen. Am Samstagabend in der Livesendung von Wetten dass fand eine Zäsur statt. Die erfolgreichste deutsche Fernsehshow hatte da ihre Unschuld verloren.

ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hat bereits aktuell angekündigt, die Show „Wetten, dass…?” auch nach dem schweren Unfall vom Samstag weitergehen zu lassen. Allerdings müsse der Sicherheitsstandard erhöht werden, sagte Bellut dem Rundfunksender NDR 1 Niedersachsen. Das ZDF werde alles tun, damit ein solches Unglück nicht noch einmal vorkomme. Eine hundertprozentige Sicherheit könne es bei solchen Sendungen aber nie geben, sagte Bellut.

Vieles muss nun aufgearbeitet werden. Wieso wurde eine solch gefährliche Wette überhaupt  durchgeführt? Und wenn sie geklappt hätte, wie wäre die nächste Steigerung dazu gewesen um das noch zu toppen? Ist für die Quote scheinbar alles erlaubt, oder gibt es Haltelinien, die es nicht zu überschreiten gilt?

Thomas Gottschalk wird mit folgendem Wunsch zitiert: „dass Samuel nächstes Mal wieder bei ihm zu Gast sei, in einem hoffentlich vorzeigbaren Zustand.“ Hinter diesem Satz schwingt sicher die persönliche Sorge des Entertainers für seinen Wettkandidaten mit, aber es wird auch wieder deutlich, das Wetten dass weitergehen soll und muss. Denn das Flaggschiff des ZDF einfach untergehen zu lassen bereitet den Fernsehmachern größte Sorge. Die überaus erfolgreiche Sendung war bisher immer ein Garant für kurzweilige Samstagabendunterhaltung. Aber diese Lockerheit wird diese Sendung ab sofort nicht mehr vermitteln können.

Die Macher von Wetten dass kündigen bereits an, manches zu überdenken, insbesondere die ihnen angebotenen Wetten. Nervenkitzel der sonst üblichen Art wird es vermutlich in dieser Form nicht mehr geben. Ob es den altbekannten Gottschalk in seiner flapsigen und lockeren Art noch so vor der Kamera geben wird, ist auch fraglich. Denn auch er ist ein Betroffener des TV-Dramas vom letzten Samstag. Der BILD gegenüber betonte Thomas Gottschalk, dass er alles menschenmögliche tun werde, um Samuel Koch zur Seite zu stehen.

Vielleicht täte dem ZDF, Thomas Gottschalk und auch den meisten Zuschauern eine Besinnungspause gut. Sie böte Zeit darüber nachzudenken, ob wir wirklich solche „Sensationen“ im Fernsehen sehen wollen oder ob hier ein Umdenken der TV-Konsumenten einsetzt. Das Menschen ihre Gesundheit, gar ihr Leben, einsetzen, um einen Moment der allgemeinen Beachtung erleben zu können, und den Sendern zudem noch Quote bringt, sollte zukünftig nicht mehr möglich sein.

Hier sind alle Fernsehmacher aufgefordert nachzudenken. Aber vielmehr noch: Wir, die Fernsehzuschauer!

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