FDP-Informant war aktiver als bekannt – Westerwelles Büroleiter berichtete seit 2007 an die USA

westerwelle Der bisherige Büroleiter von FDP-Chef Guido Westerwelle, Helmut Metzner, hat den Amerikanern schon deutlich früher Informationen geliefert als bislang bekannt. Wie aus den Depeschen hervorgeht, die dem SPIEGEL vorliegen, datieren die Kontakte zwischen Metzner und der Botschaft mindestens bis ins Jahr 2007 zurück. Am 22. Juni des Jahres kabelte die Berliner Botschaft einen Bericht nach Washington, in dem es unter anderem hieß: "Westerwelle positioniert sich als Außenminister der nächsten Bundesregierung". Quelle: Helmut Metzner, "Chef-Wahlkampfstratege" der Partei.

Der Vertraute Westerwelles hatte in der vergangenen Woche eingeräumt, die Quelle zu sein, auf die sich Berichte der amerikanischen Botschaft beziehen, so der Spiegel in einer Vorabmeldung für sein am Montag erscheinendes Magazin. So hatte er unter anderem aus den Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP berichtet.

Der Draht zu den Amerikanern blieb auch nach den Koalitionsverhandlungen intakt. In einem Bericht aus Berlin vom 3. Februar 2010 wird Metzner mit seiner Lesart zu der schwierigen Koalition mit der Union zitiert. "Helmut Metzner beschuldigt die CDU/CSU, auf ihre eigenen internen Probleme zu reagieren." Die CDU habe mit der Kunduz-Affäre zu tun, die CSU mit einem schweren Bankenskandal. Schon am 16. Februar sprach Metzner erneut mit einem Mitarbeiter der Botschaft: Westerwelle werde weiter seiner Überzeugung folgen, dass "Diplo-Speak" in seiner Rolle als Außenminister angemessen sei, er in der Innenpolitik aber weiter Klartext reden werde.

Das Auswärtige Amt zog erste Konsequenzen aus der Veröffentlichung von Botschaftsberichten der Amerikaner. In einem Schreiben an alle "Leiterinnen und Leiter der Auslandsvertretungen" wies Staatssekretär Peter Ammon "aus gegebenem Anlass" darauf hin, dass es gute Tradition des Amts sei, "bei der Bewertung von Vorgängen und handelnden Akteuren ausgewogen, sachlich und analytisch zu berichten". Weiter heißt es: "Die sorgfältige Wahl des Ausdrucks in unserer Berichterstattung dient den Interessen unseres Landes."

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