Türkei in der EU – große Chance oder große Gefahr?

Soll die Türkei nun in die EU oder nicht? Diese Frage ist seit Jahren ein Dauerbrenner und bewegt die Gemüter. Eines steht allerdings fest: Der Beitritt der Türkei in die Europäische Union wäre sowohl für die Türkei als auch für die EU auf Dauer ein Gewinn!  Zwar ist ein Beitritt in den nächsten Jahren unrealistisch und es wird noch viel Wasser durch den Bosporus fließen, aber eine positive Entwicklung ist erkennbar. Sonst wäre die EU erst gar nicht in die Beitrittsverhandlungen eingestiegen.

Es steht aber auch fest, dass in der Türkei noch einiges bewegt werden muss. Die Rolle des Militärs ist angesichts geplanter Putschversuche immer noch kritisch. In der Kurden- und Zypernfrage ist man schon auf dem richtigen Weg, das Ziel ist aber noch nicht erreicht. Im Bereich der Menschenrechte ist zwar schon viel geschehen, es besteht aber immer noch Handlungsbedarf. Auch in den Punkten Religions- und Meinungsfreiheit entspricht die Türkei noch nicht den EU Standards, die sie für den Beitritt bräuchte. Die Rolle der Frau ist weiter ein oft genannter Kritikpunkt. Positiv hier: Die Emanzipation ist schon per Gesetz beschlossene Sache.

Die eingeleiteten Schritte in die richtige Richtung müssen hier weiter gegangen werden. Was man der Türkei zu Gute halten muss: In vielen der angesprochenen Bereiche wird bereits gute Arbeit geleistet.

So kann die Türkei Kritikern viele Pro – Argumente entgegenhalten. Die Türkei ist ein junger Wachstumsmarkt. Die Wirtschaft hat über Jahre hinweg eine starke Entwicklung hingelegt(natürlich war auch die Türkei von der Krise 2008 betroffen, aber jetzt wächst die Wirtschaft wieder)! Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Inflation runter, Wirtschaftswachstum hoch. Das Pro – Kopf Einkommen konnte von 2002 bis 2008 mehr als verdreifacht werden! Der Beginn der Beitrittsverhandlungen war ein gutes Signal an ausländische Unternehmen. Während sie 2002 noch weniger als eine Milliarde Euro in die Türkei investierten, flossen 2007 schon mehr als 22 Mrd. € aus dem Ausland in den türkischen Markt. Wichtigster Handelspartner der Türkei ist im Übrigen Deutschland. Daher kann ein Beitritt wirtschaftlich gesehen nur im deutschen Interesse sein. Auch energiepolitisch kann die Türkei als Transitland der EU einiges bieten: Trotz begrenztem Erdgas- und Erdölvorkommen, machen Stichworte wie Nabucco-Pipeline die Schlüsselposition der Türkei deutlich: Über die Türkei kann nämlich viel Gas und Öl nach Europa fließen. Geostrategisch würde die EU einen starken Partner in der Türkei finden! Es gäbe eine bessere Versorgungssicherheit und die EU wäre energiepolitisch nicht mehr von Russland allein abhängig! Weiter hätte die EU durch einen Türkeibeitritt die Möglichkeit stabilisierend auf die Schwarzmeerregion einzuwirken. So wären türkische Grenzen auch europäische Grenzen. Im Kampf gegen die Kriminalität, die aus diesen Ländern in die EU hineindrängt, könnte die EU mit der Türkei als Mitglied besser eingreifen.  Die geografische Lage der Türkei bietet der EU also neue Chancen. Trotzdem argumentieren häufig, dass die geografische Lage der Türkei sie von der EU trenne: Die Türkei sei doch zum Großteil asiatisch und deshalb genauso abzulehnen wie Marokko. Stimmt nicht ganz. Wenn man das Uralgebirge als Grenze nimmt, gehört die Türkei sehr wohl „geografisch“ zu Europa.

Um in die EU zu kommen hat die Türkei auch zeitlich schon einen langen Weg hinter sich:  Seit den 50’er Jahren wurde immer wieder der Beitritt versprochen! So hat schon CDU Bundeskanzler Konrad Adenauer 1963 beim Assoziationsabkommen mit der Türkei mitgewirkt. Langfristiges Ziel Adenauers: der Beitritt in die europäische Gemeinschaft. Auch heute gibt es in der CDU Stimmen, wie Ruprecht Polenz, die sich für den Beitritt aussprechen. Jetzt, wo man schon Beitrittsverhandlungen führt, wäre es nicht gerade die feine Art, 60 Jahre Versprechungen einfach wegzuwerfen!

In Diskussionen um einen Beitritt wird leider oft mit Ängsten gespielt! Gegner befürchten, dass beim Beitritt zu viele Türken nach Deutschland einwandern würden. Aber: Die gleiche Sorge hatte man schon beim Beitritt Polens 2004. Die Völkerwanderung  aus Polen blieb jedoch aus! Und warum sollten Türken auswandern wollen, wenn ihr Land weiter wirtschaftlich so stark wächst? Ferner existiert die Angst einer schleichenden Islamisierung durch den Beitritt: Laut einer Allensbach – Umfrage  sagten 83% der Beteiligten, der Islam sei fanatisch. Weitere 60% halten ihn für undemokratisch. Diese Ergebnisse sind erschreckend. Sie zeugen von hoher Oberflächlichkeit und Unverständnis.  Wer sich etwas genauer mit dem Islam beschäftigt und vielleicht auch mal im Koran blättert, wird erkennen, dass Islam, genau wie das Christentum, wohl mit Demokratie vereinbar ist.

Beitrittsgegner prahlen auch damit, dass die Türkei nicht in die „christliche – abendländische“ EU passe. Was aber nur wenige wissen: Einige Wurzeln des Christentums liegen jedoch genau in der heutigen Türkei. Der Apostel Paulus kam aus Tarsus, aus einer Region, von der aus sich das Urchristentum verbreitet hat. Latein war hier sogar einmal Amtssprache.

Angeblich passt die Türkei auch kulturell nicht in die EU. Aber wie kann es sein, dass Istanbul neben Essen und Pecs europäische Kulturhauptstadt 2010 ist? Oder, dass sie beim Eurovision Song Contest teilnimmt? Galatasaray Istanbul hat sogar schon einmal den UEFA – Cup gewonnen! Somit ist die Türkei kulturell bereits ein Teil Europas.

Die Türkei gehört also anscheinend doch – wenn nicht gleich sofort aber auf Dauer schon – in die EU! Natürlich müssen noch einige Hausaufgaben gemacht werden, um dem 80.000 Seiten langen Anforderungskatalog (Kopenhagener Kriterien) gerecht zu werden. Man sollte im möglichen Beitritt aber eher eine Chance als eine Gefahr sehen. Schließlich wäre eine vom Islam geprägte Türkei in der EU ein positives Signal an die restliche muslimische Welt, vor allem in Zeiten, in denen man vom Kampf der Kulturen spricht: denn so wird deutlich, dass Islam mit der Idee des westlichen Rechtsstaats und Demokratie doch zusammenpasst  – eine Feststellung, die Bediüzzaman Said Nursi schon vor über 70 Jahren machte! Das Land hat der EU geostrategisch einiges zu bieten, sei es für den Bereich Wirtschaft oder auch Energieversorgung. So würden bei einem Beitritt beide profitieren, die Türkei und die EU. Um mit den Worten vom CDU Bundestagsabgeordneten Ruprecht Polenz abzuschließen: „ Die Türkei würde zum Zeitpunkt des Beitritts eine andere sein, als sie es heute ist.“

Gastkartikel von Michael Sendker.

Der Artikel erschien auch in „Ayasofya – Die Zeitschrift für Wissenschaft, Integration und Religion“, Ausgabe 33

Der Artikel erschien auch auf türkisch in der Risale Haber

Michael Sendker ist Vorsitzender der Jungen Union Kreis Warendorf. Herr Sendker ist 22 Jahre und studiert katholische Religion und Latein an der Uni Münster. Die JU in Warendorf veranstaltet am 6.12.2010 in Ennigerloh einen Infoabend zum Thema „Türkei in die EU!?“—xtranews berichtete!

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11 thoughts on “Türkei in der EU – große Chance oder große Gefahr?

  1. Repekt Herr Sandker… !!!
    Ich sehe immer mehr Menschen in Deutschland die ein unverklärtes Bild der Türkei entwickeln und auch vortragen. Nur glaube ich, als Türke der dritten Generation hier, nicht, dass die Türkei in die EU kommt, und wenn ich ehrlich sein soll, wünsche es ich Ihr auch nicht.

  2. Die realistischste Betrachtung der Türkei liefert Herr Ghaddafi :
    Etwa so, „die Moslems brauchen keine Waffen, keine Armee mehr, um Europa zu erobern, denn wir haben die Türkei als unser Trojanisches Pferd. Oh ihr Gläubigen, betrachtet nur die Einwandererzahlen und die Prozente ihrer Nachgeborenen“ , – nachles und -sehbar auf Wikipedia zumindest noch vorn paar Monaten; oder
    „.. ein EU-Mitglied Türkei sei, als würde man das Organ eines Menschenin eine Person mit einer anderen BLUTgruppe verpflanzen“
    — Wohl bekomm’s !

    TR-PM Erdogan über den im Westen oft benutzten Begriff „moderater Islam“, wie für seine Partei AKP :
    „Diese Bezeichnungen sind sehr hässlic, es ist anstößig und eine Beleidigung für unsere Religion.
    Es g i b t keinen moderaten oder nicht-moderaten Islam. Islam ist Islam und damit hat es sich“ ( Milliyet 21.8.07)

    Ayyub A. Köhler, Exvorsitzender des Moslem-„Zentralrates“ i. D., FDP :
    „DIE DEMOKRATIE IST DEM ISLAM FREMD“
    Mazyek, aktueller Zentralrats-Chef ( verlängerter Arm der Moslembruderschaftler):
    “ Die Scharia ist mit dem Grundgesetz vereinbar“

    „Assimilation ( = Angleichung ) ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, Erdogan, Köln, Jan. 2008 vor 10-Tausenden seiner Kolonie

    „Die Demokratie ist nur der Zug auf den wir aufspringen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Minarette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten“, Erdogan

    sein Ziehvater und kürzlich Redner in der größten Duisburger Halle Erbakan:
    „Die Europäer glauben, daß die Moslems nur zum Geldverdienen nach Europa gekommen sind. ABER ALLAH hat einen ANDEREN PLAN.“

    — Und solche Typen werden von Politikern wie OBer-Sauberland hofiert, – inklusive MHP /Graue Wölfe oder IGMilliGörüsh, wie deren Vertreter in der „Großen offenen Moschee“ wie in den „Integrations“-Räten oder direkt in SPD oder CDU. ( die NRZ veröffentlichte …)

    Da klingt das Wulff’sche Diktum „Integration durch Aufstieg“ und das bekannte „Der Islam ist ein Teil Deutschlands“ schon anders, – nämlich tendenziell „Deutschland ist ein Teil des Islam.“

    So blöd wird man, als „Christ“ aber auch als Linker, wenn man nur materialistisch denkt oder in der Türkei usw. vor allem einen „großen Markt“ sieht, Herr Sendker, und wenn man Kunst und Musik mit KULTUR verwechselt, sowie den Willen mit realer Möglichkeit. Aber mit dieser kultivierten KULTUR(losigkeit) sind Sie leider überhaupt nicht allein. KULTUR ist der deutsch-ideologische Schmierstoff schon zur Expansion des 2. Dt. Reiches, bevor um 1900 der Rassenbegriff modern wurde und die „Kultur“ vorübergehend/ zuspitzend ablöste, – wie man auch an Kaiser W.s II. Hunnen-Rede und seinem Ausruf „Der Islam ist unsere Rettung“ erkennen konnte.

    Soll oder kann also das Bündnis mit dem Islam, also der puren Islammacht wieder unsere Rettung sein ?!
    — Dazu Arabist http://www.Wolfgang G. Schwanitz, u.a. „Djihad made in germany“, ebenso zur Zusammenarbeit beim Holocaust, – oder dort http://www.photospalestine.free.fr , od. http://www.TellTheChildrenTheTruth.com

    — gemeinsame Einrichtung dt.-osman. Djihadzentralen : Wikipedia.NACHRICHTENSTELLE für den ORIENT

    > Doch Kemal Mustafa ATATÜRK, der demnach in concludo inhaltlich in der TR erledigt ist und mit den Verhaftungswellen der letzte Jahre u. der diesj. „Volksabstimmung“ auch juristisch und militärmachtmäßig entthront wurde
    :
    „. . . Der Islam diese absurde Gotteslehre eines unmoralischen Beduinen (( weil Räuber, Mörder, Vergewaltiger )), ist ein verwesender Kadaver , der unser Leben vergiftet. . . .“ und
    “ Es gibt viele KULTURen, aber nur eine Zivilisation; die europäische.“

    Der Scheich Omar Abdel Rahman von der sunnitisch führenden Kairoer Al-Azhar, von der auch die antijüdische Vertreibungs-Fatwa von 1945 stammte, auf eine Studentenfrage vor 500 anderen im Jahre 1980:
    „Mein Bruder, es gibt eine ganze Sure, die „die Kriegsbeute“ heißt. Es gibt keine Sure, die „Frieden“ heißt. Der Djihad und das Töten sind das Haupt des Islam, – wenn man sie herausnimmt, enthauptet man den Islam.“ ( nach Prof. Mark A. Gabriel ) – aber echt spirituell, nicht Herr Sendker, oder kulturell ?!

    Aber Herr Sendker, – geht’s denn noch dööfer :
    „Beitrittsgegner prahlen auch damit, dass die Türkei nicht in die „christliche – abendländische“ EU passe. Was aber nur wenige wissen: Einige Wurzeln des Christentums liegen jedoch genau in der heutigen Türkei. Der Apostel Paulus kam aus Tarsus, aus einer Region, von der aus sich das Urchristentum verbreitet hat. Latein war hier sogar einmal Amtssprache.“

    Ist das noch Selbstbetrug oder schon geschulte Sophisterei ?!
    Und zu Kunst/Musik/ Sport vs. Kultur :
    „Angeblich passt die Türkei auch kulturell nicht in die EU. Aber wie kann es sein, dass Istanbul neben Essen und Pecs europäische Kulturhauptstadt 2010 ist? Oder, dass sie beim Eurovision Song Contest teilnimmt? Galatasaray Istanbul hat sogar schon einmal den UEFA – Cup gewonnen! Somit ist die Türkei,“
    Oder: Ab wieviel Dönerbuden, Moscheen und Türken pro qkm und frei agierender verfassungsfeindlicher Organisationen ist denn „Türkei“ hier ?!
    – Oder vermengen Sie jetzt auch noch neben den Jahrtausenden die geographische Türkei mit der kollektiven Rechtsperson, Tradition und Staatsmacht, wie uns BPr. Wuff ?
    k u l t u r e l l bereits ein Teil Europas.“

  3. @Dick Berthold: Soviel Hass... Do, 09 Dez 2010 at 15:10:28 -

    wehrter Herr Berthold, kann nur zwei Ursachen haben: Angst oder Schmerz.

    Bitte denken Sie doch mal drüber nach, welcher der beiden bei Ihnen zutrifft. Und ohne hier ein Prophet sein zu müssen, sage ich Ihnen, würde Ihr Leben einfacher werden, wenn Sie sich über den Auslöser Ihres Hasses klar werden würden.

  4. Sie verwechseln vielleicht Temperament mit Hass, – das aber sehr wahrscheinlich absichtlich: Eine wohlfeile , vor anderen psychologische Waffe, um unliebsame aber harte SACHARGUMENTE NIEDERZUMACHEN.
    – OB Sau(b)erland wird ja auch nur des gepflegten HASSES wegen „niedergemacht“, wie ich es – trotz breiter Presseaufklärung im LOVEPARADE-Fall – von schlecht informierten Leuten immer wider mal mitbekam.
    Also : Stellen Sie sich den von mir angeführten FAKTEN, – meinetwegen auch der systematisch „religiös“ uns entgegengebrachten VERACHTUNG. Und Hass, der durch den nur zu einem kleinen Teil wiedergegebenen Ideologie „des besten aller Völker“ – das Allah’s – generiert wird.

    Wenn ich überhaupt etwas HASSE – (verachtens)werter Herrrr X – dann, wenn mir bei ernsten und wohl überlegten Dingen und Kritiken jemand psychotherapeutisch kommt. das ist im Kern widerlicher und verachtenswerter, als das Gebaren so mancher Herrenmenschen nazistischer oder islam(ist)ischer Art,
    DENKEN S i e darüber einmal nach.
    Die gesunde Reaktion auf eine angst-machende Bedrohung ist übrigens Weglaufen oder Gegenangriff, – was ich hier argumentativ mit allem recht tue.
    Mit welchem Recht stecken Sie, mich verunglimpfend, den Kopf in Ihren psycho“analytischen“ Sand ?
    Das ist nämlich die psychologische und politisch erbärmliche Parallelfunktion, die zu dem Selbstgenuss ihrer Psychovolldurchblicker-Herrrr-lichkeit abläuft.
    Und wenn Sie nur einwenig guten Willen oder Ahnung von Psychologie hätten – statt der Lust an überheblichen Wortspielen — dann kämen Sie auch nicht auf den Blödsinn, dass der Mensch durch SCHMERZ mal eben so zum Hass kommt.
    Allerdings bei immer wieder erlittener Unterdrückung durch Verächter und Diffamierer wie Sie, da kann das schon was werden.
    Und auf kommunaler Ebene kriegen die Betreffenden schon jetzt und bei der nächsten Wahl die Quittung dafür, das ist sicher.
    Was den noch jungen Herrn Sendker betrifft – obschon sehr grenzwertig geschult – da ist das noooch etwas anders.