Mehr Aids-Diagnosen in Münster

Image by Wikipedia/Gary van der Merwe

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Münster (SMS) Auf den ersten Blick sieht die Statistik bedrohlich aus: In diesem Jahr registrierte das Robert-Koch-Institut in Münster bereits 20 HIV-Neudiagnosen, während es im ganzen Jahr 2009 nur sieben neue Fälle waren. Tatsächlich besteht nach Einschätzung des städtischen Gesundheitsamtes aber kein Grund zur Panik. „Es ist davon auszugehen, dass die Zunahme der Neudiagnosen auch auf der höheren Inanspruchnahme der Testangebote in Münster beruht“, so dessen Leiter Dr. Norbert Schulze Kalthoff. „Betrachtet man den gesamten Regierungsbezirk, so ist kein Anstieg der HIV-Neudiagnosen zu beobachten.“ In Münster bietet die städtische Aids-Beratung seit Anfang 2010 einen Aids-Schnelltest an, der seit Juli kostenlos ist. Dieses zusätzliche Angebot ist rege gefragt.

Das Robert-Koch-Institut, das die Aids-Epidemie beobachtet und analysiert, rechnet für 2010 wie in den Vorjahren mit bundesweit rund 3000 Neuinfektionen. Jährlich sterben in Deutschland etwa 550 Menschen an der Immunschwächekrankheit. Die meisten Neuinfektionen betreffen unverändert Männer mit Mann-Mann-Kontakten in der Altersgruppe 30 bis 49 Jahre. Nach Schätzungen des Instituts leben in Deutschland etwa 70 000 Menschen mit dem Aids-Virus. Diese Schätzung rechnet auch Personen mit ein, die noch nicht von ihrer HIV-Infektion wissen.

Die Therapiemöglichkeiten sind kontinuierlich verbessert worden. „Damit sie für Betroffene voll genutzt werden können, sind qualifizierte Beratungs- und Testangebote für Aids und andere sexuell übertragbare Infektionen enorm wichtig, auch als Mittel der Prävention“, sagt Monika Brosda, Ärztin und Aids-Koordinatorin des Gesundheitsamtes. Für 2011 habe das Land NRW erneut die Kostenübernahme für Untersuchungen auf HIV und Syphilis zugesagt. „Damit können wir im Gesundheitsamt weiterhin die kostenlosen, anonymen Tests anbieten“, so die Aids-Koordinatorin.

Erfreulich: Teenager und Twens sind weiterhin wenig von HIV-Neudiagnosen betroffen. „Dieser Trend hat sich im laufenden Jahr fortgesetzt“, weiß Ralf Bolhaar, Präventionsfachkraft der Aids-Hilfe Münster. „Das Sexualverhalten von Jugendlichen ist sogar eher defensiver geworden“, ergänzt Anke Papenkort, Sexualpädagogin der Aids-Hilfe. „Das ‚erste Mal‘ wird heute später erlebt als noch vor einigen Jahren. Sexuell experimentierfreudiger sind da eher Menschen über 30. Dennoch bleiben gerade für die nachwachsende Generation die zentralen Botschaften des Welt-Aids-Tages zu Aufklärung, Schutz und Solidarität unverändert aktuell.“

„Zielgruppenspezifische Angebote und die Fortbildung von Multiplikatoren sind neue Schwerpunkte in unserer Präventionsarbeit“, berichtet Markus Giesbers, Vorsitzender der Aids-Hilfe. Deshalb hat für die Aids-Hilfe die Zusammenarbeit mit Krankenpflegeschulen, berufsbildenden Einrichtungen und Einrichtungen der stationären Jugendhilfe nun höhere Priorität.

Veranstaltungen zum Welt-Aids-Tag

Unter das Motto „Positiv zusammen leben – aber sicher!“ haben das Gesundheitsamt und die Aids-Hilfe die Aktivitäten zum diesjährigen Welt-Aids-Tag gestellt. Mit den Veranstaltungen wollen sie zur gesellschaftlichen und persönlichen Auseinandersetzung mit der Situation der Betroffenen ermutigen und die Stigmatisierung und Diskriminierung Aids-Kranker weiter abzubauen.

Musikalischer Auftakt war am Sonntag, 21. November, mit dem Chor „Die Untertanen“ und dem „Musiktheater Signale“ in der Kreuzkirche. Im Anschluss gedachten Angehörige und Freunde am „Kleinen Stern“, der an Aids Verstorbenen. Am Dienstag präsentierten die Städtischen Bühnen „Die Comedian Harmonists“ als Solidaritätsvorstellung. Am Ende des Stücks sammelten Schauspielerinnen und Schauspieler für die Arbeit der Aids-Hilfe.

Am Samstag, 27. November, stehen Infostände in der Stadtbücherei am Alten Steinweg und am Hauptbahnhof. Außerdem erfolgt mit Unterstützung von Ehrenamtlichen und Prominenten eine Sterntaler-Sammelaktion in der Innenstadt. Am Mittwoch, 1. Dezember, dem „Welt-Aids-Tag“, lädt die Aids-Hilfe zum Tag der offenen Tür in die Einrichtung an der Schaumburgstraße 11 ein. Alle sind willkommen, die Lust auf Waffeln, Kaffee, Glühwein und informative Gespräche bei Kerzenschein haben. Außerdem ist die Aids-Hilfe am Welt-Aids-Tag mit einem Infostand auf dem Weihnachtsmarkt an der Lambertikirche präsent, während pro familia auf der Ludgeristraße informiert.

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