Ex-Siemens-Vorstand auf der Flucht

Volker Jung, früherer Siemens-Vorstand, ist offenbar aus Griechenland geflohen, so der Spiegel in einer Vorabmeldung für sein am Montag erscheinendes Magazin. Athener Behörden hatten ihn vor 17 Monaten im Land festgesetzt. Sie werfen ihm vor, in den Siemens-Schmiergeldskandal verwickelt zu sein. Am Dienstag vergangener Woche hatte ein Athener Untersuchungsrichter den Antrag des 71-Jährigen, das Land verlassen zu dürfen, erneut abgelehnt. Jung, der sich zuletzt in seinem Ferienhaus auf der Kykladeninsel Paros aufhielt, soll daraufhin abgetaucht sein. Wo der Ex-Manager sich derzeit aufhält, ist unklar. Jung war bis September 2003 Verwaltungsratschef bei der Landesgesellschaft Siemens Hellas und soll, so vermuten griechische Fahnder, von Bestechungspraktiken gewusst haben. Nach Erkenntnissen deutscher Ermittler hat Siemens in Griechenland zwischen 1997 und 2007 mindestens hundert Millionen Euro Schmiergeld gezahlt, um an Aufträge zu kommen. Das Geld soll an Geschäftspartner, Militärs und Politiker der beiden großen Parteien geflossen sein. Jung hatte immer betont, er habe von solchen Zahlungen nichts gewusst. Die Münchner Staatsanwaltschaft konnte bei ihren Ermittlungen im Siemens-Schmiergeldskandal dem früheren Vorstandsmitglied keinerlei Verwicklungen nachweisen. Nach Ansicht ehemaliger Kollegen war Jung für die Griechen ein Faustpfand. Die Athener Staatsanwaltschaft hätte gern den früheren Siemens-Landeschef Michael Christoforakos zurück, der sich vor eineinhalb Jahren nach Deutschland abgesetzt hatte – und bislang nicht ausgeliefert werden konnte. Jung hatte immer betont, er sei, bereit Kaution zu zahlen, und stehe der griechischen Justiz jederzeit zur Verfügung, wenn er das Land verlassen dürfe. Sein Münchner Anwalt, Andreas von Máriássy, wollte sich auf SPIEGEL-Anfrage nicht äußern.

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