Küssen für Toleranz! Kuss-Flashmob vor dem Papst geplant

Das wird dem Heiligen Vater sicher nicht gefallen! Am 7. November wird Papst Benedict Barcelona besuchen und dabei im Rahmen einer  Messe in der berühmten Kirche Sagrada Familia den Altar der Basilika weihen. Nachher soll er unter dem Jubel tausender Gläubiger die Kirche verlassen und sich um  09:00 Uhr am Plaça de la Catedral zeigen.

Was er dann nach dem Willen der Organisation „queerkissingflashmob“ zu sehen bekommt, wird dem Oberhirten aller Katholiken sicher nicht gefallen. Denn die schwule und lesbische Community Europas wollen dort, vor seinen Augen, einen Kuss-Flashmob inszenieren. Tausende habe bereits auf der dafür eingericheten Facebookseite zugesagt. Mindestens 2 Minuten lang soll und will jedes gleichgeschlechtliche Paar einen Kuss demonstrieren, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Kuss als Symbol der noch immer vorhandenen Unterdrückung und Nichtanerkennung der Schwulen und Lesben durch die katholische Kirche. Und wie der Vatikan über gleichgeschlechtliche Liebe in unserer Zeit denkt, hat er in seiner Schrift anschaulich verfasst.

Wie das Internetportal gaywien.at schreibt, gestaltete sich die Werbung auf Facebook allerdings nicht unproblematisch: „Die entsprechende Facebook-Seite hatte nach 4 Tagen bereits über 1.500 bestätigte sowie über 1.000 mögliche Teilnehmer. Kurz darauf löschte Facebook jedoch die Seite ohne Angabe von Gründen. Die Organisatoren gaben nicht auf: Sie starteten noch einmal einen Facebook-Eventeintrag und hatten wieder innerhalb kürzester Zeit über 1.300 bestätigte Teilnehmer. Jedoch auch diesmal wurde die Veranstaltung von Facebook gelöscht: „Ihre Seite wurde wegen Verstosses gegen die Nutzungsbedingungen gelöscht (…) Unter anderem sind Seiten, die hasserfüllt, bedrohlich oder obszön sind, nicht zulässig. Wir löschen auch Seiten, die Angriffe gegen eine Person oder eine Gruppe enthalten oder von nicht autorisierten Personen eingerichtet wurden (…)“ teilte Facebook mit. Insgesamt wurden den Organisatoren 2 Events, 1 Facebook-Seite und 8 Profile gelöscht.

Die Organisatorin  Marylène Carole sagte gegenüber der Zeitung „El Periódico de Catalunya“, sie könne immer noch nicht begreifen, dass Facebook profanes Küssen als eine Gefahr ansieht.

Das Facebook solche friedlichen Seiten sperrt, aber auf der anderen Seite gewaltbereite Aktionen wie „Castor schottern“ weiterhin publiziert, ist schon mehr als fraglich.

Mittlerweile zieht sich dieses Thema durch alle gängigen Social Networks, viele internationale Zeitungen berichten darüber und die Planer der Papstmesse werden sicher schon ins Schwitzen geraten sein.

xtranews hat Stimmen von Lesben-und Schwulenverbänden eingeholt.

Ronny Pohle, der Bundesgeschäftsführer der LSU (Schwul/Lesbenverband der CDU/CSU): “ Ich begrüße  friedliche Aktionen, um für mehr Toleranz und Akzeptanz auch in der katholischen Kirche zu werben. Und natürlich ist es noch schöner wenn diese Aktionen so kreativ sind.“ In Richtung Papst gewandt meinte Pohle: “ Vor Gott sind wir alle gleich, dass sollte auch der Heilige Vater wissen!“

Manuel Rudolph von den Schwusos (SPD) empfindet diese Aktion ebenso positiv: „Hier muss ein deutliches Zeichen gegen Intoleranz der Kirche gesetzt werden. Küssen ist ein starkes Zeichen, gegen das selbst die Kirche nichts einwenden kann.“

Wie der Papst und seine Kirche den Anblick küssender Schwuler und Lesben erträgt, wie er dieses Zeichen interpretiert und welche Schlüsse er für sich daraus zieht, bleibt bisher offen. Hinsichtlich dessen, das auch die Katholische Kirche ihre homosexuellen Priester nicht mehr geheim halten konnte, (wobei hier ausdrücklich nicht die pädophil veranlagten Straftäter gemeint sind) nach all den Skandalen der letzten zwei Jahre, bleibt den Schwulen und Lesben die Hoffnung, das selbst eine derart verkrustete Institution wie die Katholische Kirche irgendwann einmal den Weg in die  Gegenwart und unsere Lebenswirklichkeit  findet.

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