Uni Bonn: Größtes indisches Bernsteinvorkommen entdeckt | Neue wissenschaftliche Erkenntnisse erwartet

Bonn (ots) – Seit zwei Jahren untersuchen Forscher der Universität Bonn zusammen mit indischen und US-Kollegen Bernsteinfunde aus dem Nordwesten Indiens. Inzwischen zeigt sich, dass es weltweit möglicherweise eines der größten Bernsteinvorkommen ist, das bislang entdeckt wurde. Die Forscher berichten in der Zeitschrift PNAS über den 50 Millionen Jahre alten Schatz.

Mehr als 700 Gliederfüßer aus 55 verschiedenen Tierfamilien haben die Forscher bislang in den braunen Brocken gefunden. Diese sind trotz ihrer 50 Millionen Jahre währenden Gefangenschaft teilweise extrem gut erhalten. Die Einschlüsse werfen ein neues Licht auf die Geschichte des indischen Subkontinents: Dieser soll nämlich vor 160 Millionen Jahren von der ostafrikanischen Landmasse „abgebrochen“ und dann durch die Weltmeere gedriftet sein. Erst vor etwa 50 Millionen Jahren ist Indien dann mit Asien zusammen gestoßen.

Wenn das so stimmt, müsste Indien über einhundert Millionen Jahre lang völlig isoliert gewesen sein. Diese Zeit müsste gereicht haben, um eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt entstehen zu lassen. Der indische Bernstein ist vor 53 Millionen Jahren entstanden. Er zeigt also, wie das Leben in Indien kurz vor dem Zusammenstoß aussah. Er sollte daher viele Tierarten enthalten, die es anderswo nicht gibt.

Genau das tut er aber nicht: Ähnliche Insekten-Fossilien wurden auch in Europa oder gar in Mittelamerika gefunden. „Das spricht dafür, dass es schon lange vor Entstehung des Bernsteins einen regen Artenaustausch gegeben hat“, spekuliert der Bonner Paläontologe Professor Dr. Jes Rust. Möglicherweise gab es damals an der Grenze zwischen den Kontinentalplatten lange Ketten vulkanischer Inseln. Per „Insel-Hopping“ könnten sich so die Insektenarten in Indien und Asien vermischt haben – und das schon viele Millionen Jahre vor dem großen Crash. Von Asien aus hätten sie sich dann weiter ausgebreitet.

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