Silbereisen, Borg & Co. – Wider den demografischen Wandel?

Foto Wikipedia

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Wer kennt das nicht? Man freut sich auf einen schönen Samstagabend vor dem Fernseher, hat Knabberzeug und ein kühles Getränk bereitgestellt, nimmt die Fernbedienung in die Hand, schaltet auf die „1“ oder die „2“ und was sieht man? Florian Silbereisen, Andy Borg oder Carmen Nebel, die gerade vor ein Publikum treten, in dem man meistens vergeblich nach jemandem sucht, den man nicht zum rentenfähigen Alter zählt. Das kann nur eines sein: Volksmusik in den öffentlich-rechtlichen Kanälen!

Heutzutage kann man schon ein rotes Kreuz auf den Kalender malen, wenn man mal einen volksmusikfreien Samstagabend verbringen kann, ohne auf die schönen Privatsender zurückgreifen zu müssen.

Schnell stellt man sich die Frage: Wer lässt solche Sendungen eigentlich in das TV-Programm? Es ist doch unfassbar, dass der Hollywood-Blockbuster oder die Familienshow der Volksmusik weichen müssen.

Kaum kommt einmal die Diskussion in den Reihen der Programmdirektoren auf, ob nicht eine der unzähligen Volksmusiksendungen abgesetzt werden solle, werden die Interessenvertretungen der so genannten „Ü60-Fraktion“ aktiv und werfen ihnen doch allen Ernstes Diskriminierung vor. Aber wer denkt bitte an die anderen Generationen in unserer Gesellschaft? Werden diese etwa nicht diskriminiert, wenn sie sich diese „Musik“ anhören müssen, ohne dass vorher Oropax bereitgelegt worden sind? Soll die nicht endende Beschallung mit Volksmusik im öffentlich-rechtlichen TV etwa die Antwort auf den demografischen Wandel in unserer Gesellschaft sein?

Wir brauchen eine größere Generationengerechtigkeit. Schon seit langem ist es kein Geheimnis mehr, dass unsere Generation zunehmend älter wird. Viel zu spät hat die Politik diese Entwicklung wahrgenommen und auf diese reagiert. Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind zu Teilen noch gar nicht vollständig abzusehen.

Natürlich bedeutet Generationengerechtigkeit gegenseitiger Respekt. Das heißt also auch, dass die jüngeren Menschen Verständnis dafür haben, wenn die „Älteren“ mal wieder den Verkehr aufhalten, weil sie mehr Zeit an der Supermarktkasse benötigen oder mit 30 km/h über unsere Landstraßen brettern.

Auch wenn sich die Alterspyramide unserer Gesellschaft immer weiter zu einemBaum mit einer großen, fülligen Krone entwickelt, darf die Generationengerechtigkeit weder zu Lasten der älteren noch der jüngeren Generationen vernachlässigt werden. Und dazu gehört beispielsweise auch, nicht jeden Samstagabend auf Volksmusik in den öffentlich-rechtlichen Sendern zu setzen. Schließlich wollen die „Jüngeren“ auch mal einen Hollywood-Blockbuster oder die Familienshow mit Knabberzeug und einem kühlen Getränk vor dem Fernseher genießen, nicht wahr?

Tim Schmitz

4 thoughts on “Silbereisen, Borg & Co. – Wider den demografischen Wandel?

  1. Dr. Werner Jurga So, 24 Okt 2010 at 15:04:45 -

    Man kann sich freilich auch als jüngerer Mensch diese Volksmusik-Sendungen ansehen, wenn man einen entsprechend niedrigen IQ mitbringt. Es bibt Millionen von Volksmusik-Fans unter 60. Es stimmt: die Senioren sind überrepräsentiert. Dennoch ist nicht etwa das Alter das entscheidende Kriterium, sondern die Bildungsferne. Parole der Öffentlich-Rechtlichen: am Samstag gehörn die Blöden mir …

    • Ich weiß nicht, ob das so direkt an den IQ gekoppelt ist.
      Wie wäre es mit Geschmacklosigkeit, Unkenntnis, Anpassung?
      Aber trotzdem: Das hast Du schön ausgedrückt, Werner.
      Ich höre übrigens gern Weltmusik. Auch das ist meist (ausländische) Volksmusik, wird allerdings nie mit Pathos vorgetragen.
      Wer zu jung ins Seniorenheim muß, hat halt die Arschkarte.
      Aber warum über das Fernsehen das ganze Land als Seniorenheim-Großversuch mißhandelt wird, ist unklar. Wie wäre es mit Beschwerdebriefen?