Junge NRW-PolitikerInnen: Bleiben sie sich treu?

Die 6-teilige Artikelserie über junge NRW-Politiker-In, die xtranews in den vergangenen Wochen brachte, stiess auf reges Interesse unserer LeserInnen. Das war erfreulich und zeigt auch das Interesse an jungen politischen Talenten innerhalb  der demokratischen Parlamentsparteien. In allen sechs Interviews wurde deutlich, das insbesondere die Parteijugend, fernab der sonst üblichen Politikerstatements, eine erfrischende und dennoch fundierte Meinung vertreten hat.

Die meisten meiner Gesrpächspartner hatten auf „ihrem“ jeweiligen Bericht Feedbacks erhalten. Von Freunden und Bekannten, als auch aus der eigenen Partei. Für einige junge NRW-Politiker(-in) war dies ihr erstes offizielles Interview, das nur sie selbst und ihre eigenen Ansichten zur Politik und zur eigenen Partei zum Thema hatte.

So beispielsweise der 19-jährige Tim Schmitz (SPD) von den Jusos Stolberg. Auch ihn treffe ich des öfteren, wie alle anderen auch, im Internet an, und er berichtete mir von positiven Rückmeldungen auf seinen Artikel, die ihn sehr gefreut haben. Ebenso wie die fast 18-jährige Marie Dazert (Grüne), Vorsitzende der Grünen Jugend NRW , hat auch er auf seiner Facebook – Seite einige zustimmende Einträge erhalten. Beide sind mir in sehr guter, angenehmer Erinnerung. Sie waren meine jüngsten Gesprächspartner, aber zeigten sich in ihren politischen Aussagen durchaus sehr gefestigt und auch kritisch gegenüber der eigenen Partei.

Henning Höne (FDP), der JULI-Vorsitzende NRW war da sicher schon ein wenig landespolitisch erfahrener. Neben seiner Tätigkeit als Juli-Vorsitzender ist er zudem noch im Vorstand der nordrhein-westfälischen FDP und somit sehr nah an der großen Landespolitik dran. Aber auch er fand Worte der Kritik an der Mutterpartei FDP und ihrem derzeitigen Erscheinungsbild. Dies sicher auch aus der Sicht der Jugendorganisation der FDP heraus, die er als Vorsitzender in NRW vertritt. Auch für ihn gilt, wie für alle meine Interviewpartner, das sie sich trotz Kritik an der eigenen Partei, mit ihr aber voll verbunden fühlen. Dies traf auch für den Vertreter der Linksjugend zu, Onur Ocak (DIE LINKE) ebenso, wie für den Ahlener Ratsherren Steven Scholle von der SZP.

Die weitaus größte Resonanz fand der Vertreter der CDU. Jens Bergmann, der 22-jährige Vorsitzende der LSU-NRW, ein bekennender Konservativer und Chef des CDU-Schwulen-und-Lesben-Verbandes NRW entfachte besonders viel Interesse. Der Artikel über ihn wurde mehrfach von anderen Medien übernommen und hatte weit über NRW hinaus große Beachtung. Unter anderem übernahm QUEER den Artikel von xtranews. Dort wurde er zum Renner, nicht nur wegen der vielen Kommentare. Bis jetzt über 140 kontroverse Zuschriften kamen dort zusammen. Die Konstellation „jung-schwul-CDU“ brachten und bringen viele nicht auf einen gemeinsamen Nenner.

Aber mir war bei der Auswahl meiner Gesprächspartner wichtig, eine möglichst für die Leser interessante junge Persönlichkeit zu finden. Das ist wohl gelungen, nicht nur mit Jens Bergmann. Bergmann erhielt innerhalb seines Verbandes LSU und seiner Partei sehr positiven Zuspruch. Das er auch mit weniger freundlichen Kommentaren rechnen musste, war ihm allerdings bewusst. Der Bekanntheitsgrad seiner LSU ist gewachsen und kann demzufolge auch als Gewinn bei der Debatte insgesamt, hinsichtlich gleichgeschlechtlicher Beziehungen, gewertet werden.

Mir war und ist wichtig, die politisch interessierte und engagierte Jugend auch einmal gebührend öffentlich darzustellen. Dazu gehörten selbstverständlich auch Vertreter von Parteien, denen ich im politischen Alltag eher kritisch gegenüber stehe. Aber darum kann es hierbei nicht gehen. Bei allen sechs ausführlichen Interviews habe auch ich vieles lernen können. Und muss jetzt anerkennen, dass sich gerade eine neue Parteiengeneration heranbildet mit Visionen, Zielen und Wünschen, die oftmals von der bekannten publizierten Parteimeinung abweicht. Und das ist auch gut so.

So ist ein Konservativer nicht immer nur ein Konservativer in dem Sinne, welches wir kennen und so ist ein „Linker“ nicht immer so weltfremd links, wie es uns manche Politiker der NRW-Linken vorleben.

Den jungen politischen Kräften, aller demokratischen Partieien, zuzuhören schadet nicht. Im Gegenteil, sie brachten mich sehr oft ins Nachdenken und zeigten mir, wie verkrustet die Denkweise der „Alten“ doch ist. Ein wenig Jugend sollten wir uns alle erhalten.

Bleibt mir zu hoffen, das alle meine Gesprächspartner ihren Elan, ihre Flexibilität und ihre Modernität noch sehr lange konservieren. Bleiben sie ihren jetzt vertretenen Ansichten treu? Vielleicht sollten sie immer mal wieder nachlesen, wenn ihnen Zweifel kommen, was sie mir in den Gesprächen im Herbst 2010 vermittelt haben.  Und Kontakt zu allen besteht ohnehin noch, erfreulicherweise.

Denn das wäre für alle, nicht nur für sie selbst, ein politischer Vorteil, sich treu zu bleiben.  Ganz sicher auch für die alten, scheinbar ausgelernten da allwissend erscheinenden, prominenten Polit-Gesichter unserer Parteien.

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