Jurga im Urlaub, Teil 4: Zu Gast bei Ulrich W. Sahm

 

Werner Jurga und Ulrich W. Sahm (v.l.) - Foto: M. R. Jurga

Ich weiß: versprochen ist versprochen. Und ich hatte nun einmal versprochen, von meinem Israel-Urlaub zu berichten. Zumal: die ersten drei Teile meines Urlaubs-„Tagebuchs“ stehen schon online. Im ersten Teil die Anreise und die Ankunft am Mittwoch, im zweiten hatte ich Ihnen Irit Bar-Natan vorgestellt und im dritten den Kibbuz, in dem sie lebt. Dort waren wir am Freitag. Das heißt: es ist noch das ein oder andere nachzutragen.

Am Donnerstag waren wir, also die Familie Jurga, zum Essen eingeladen. Und zwar von Ulrich W. Sahm, dem bekannten Nahost-Korrespondenten. Seit nunmehr vierzig Jahren lebt Sahm in Jerusalem und berichtet von dort für verschiedene Fernsehsender und Zeitungen über die Ereignisse im „Gelobten Land“. Vielen dürfte er vor allem als n-tv-Korrespondent bekannt geworden sein. Freundlicherweise hatte er in den letzten Monaten auch mir immer wieder gestattet, Teile seiner Arbeiten auf xtranews publizieren zu dürfen.

Wir besuchten Ulrich Sahm zu Hause, irgendwo am Rande der Jerusalemer Altstadt. Das Abendessen fand angesichts der hiesigen Temperaturen selbstverständlich draußen statt – dabei ein Panorama, das einen Ein- und Ausblick auf den facettenreichen jüdisch-arabischen Konflikt gewährt: die Altstadt, das überwiegend arabisch bewohnte Ost-Jerusalem, der jüdische Siedlungsgürtel im Südosten der Stadt und der weite Blick auf die Westbank.

Ein Kollege von n-tv war noch zugegen; ansonsten waren wir die einzigen Gäste. Die Menükarte lag bei unserer Ankunft bereits auf dem Tisch. Allerdings in etwas modifizierter Form im Vergleich zur Onlineversion. Statt des online in Aussicht gestellten Zitronenhaschisch-Tees mussten wir mit einer Zitronenhaschisch-Limonade vorlieb nehmen. Auch lecker. Wer jedoch meinen sollte, wir hätten uns dort an einem Thc-Kick erfreuen können, irrt: Haschisch ist arabisch und bedeutet Gras. Gras im Sinne von Gras. That´s all. Aber – wie gesagt: lecker.

Was die Speisen betrifft, war die Karte mit der Onlineversion weitgehend identisch. Ja, der Salat mit Sandra Maischbergers Lieblingssoße hat sehr gemundet. Zumindest was dieses Dressing betrifft, hat die Moderatorin Geschmack. Das ein oder andere Gericht war nicht im Angebot, dafür aber der nicht im Netz stehende Kanzler-Kohl-Salat. Und sollten Sie jetzt vor Neid erblassen ob meines kulinarischen Abends im Hause Sahm, beruhigen Sie sich bitte: die meisten Rezepte hat Ulrich Sahm online gestellt. Hier. Wohl bekommt´s!

Aber klar: wir hatten uns auch viel unterhalten an diesem wunderbaren Abend des 14. Oktobers. Ein Thema hatte sich förmlich aufgedrängt: am Tag zuvor war Ahmadinedschad im Libanon. Von der dortigen Grenze aus hatte der iranische Präsident ursprünglich einen Steinwurf auf Israel geplant. Der Druck – insbesondere aus diversen arabischen Staaten – soll, erzählte Sahm, so stark gewesen sein, dass der große Diktator schließlich von dieser martialischen de-facto-Kriegserklärung absehen musste.

Also beließ es Ahmadinedschad dabei, die im Libanon vor Begeisterung tobenden Massen mit seinen zur Genüge bekannten Sprüchen zu versorgen: „Die ganze Welt weiß, dass die Zionisten verschwinden werden!“ Wow! – Okay, ich wusste es bislang noch nicht. Für mich sah es – insbesondere im letzten Jahr – eher danach aus, dass Ahmadinedschad und sein Mullah-Regime verschwinden würden. Doch er ist noch da. Und auch wenn ganz sicher Israel noch da sein wird, wenn er schon längst verschwunden ist: der Typ ist brandgefährlich.

Und so plauderten wir und plauderten. Über das vor Kurzem von Sarrazin in die Welt gesetzte „Juden-Gen“ und über dies und das. Wir plauderten, will heißen: es gab soweit nichts kontrovers zu diskutieren. Wir waren nämlich durchweg einer Meinung. Das macht doch nichts; so etwas geht doch auch einmal. Gerade an einem wunderschönen, sehr milden Oktoberabend in Jerusalem. Zu Gast bei Ulrich W. Sahm.

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