Die Scheiß Deutschen und ihre Alltagserfahrungen – heute: die Kartoffel

Die Nation macht mobil. Am Mittag hatte ich Radio gehört: das Mittagsmagazin auf WDR 2. Thema: „Seehofer gegen weitere Zuwanderung“ („Focus“-Interview). Stichwort: „Deutschenfeindlichkeit“. WDR online: „Die Integrationsdebatte, die Ministerpräsident Horst Seehofer und Bundesfamilienministerin mit ihren Äußerungen wieder heftig aufflackern lassen, beschäftigt auch die WDR 2 Hörerinnen und Hörer – viele Mails und Anrufe belegen dies. Im WDR 2 Mittagsmagazin nahm Armin Laschet (CDU), ehemaliger NRW-Integrationsminister, Stellung zu diesen Wortmeldungen.“
Und so liest ihm der Moderator zunächst einmal die eine oder andere „Wortmeldung“ vor:

Wie haben viele Mails gekriegt, die uns Alltagserfahrungen schildern. Hier zum Beispiel ein Hörer, der sagt: „Wir sitzen im Garten und ich höre über dem Zaun die türkischen Nachbarjungen.“ Die mit ihm sprechenden, die sagen: „Da sitzen die Scheiß Deutschen!“ Und dann schreibt er: „Bitte haben Sie Verständnis, wenn ich angesichts der Mehrheitsverhältnisse in meinem direkten Wohnumfeld anonym bleiben möchte.“ Das haben ganz viele darunter geschrieben: „Bitte nennt nicht unseren Namen!“

So schnell kann es gehen. Erst so ein Sarrazin, dann wird der Bundespräsident von den eigenen Leuten zurückgepfiffen, und wenn dann noch das kleine blonde Mädchen im Ministeramt berichtet, eine „deutsche Schlampe“ genannt worden zu sein, dann, ja dann … kommt der große Horst und haut einmal richtig auf den Tisch.
Jetzt hält auch der Durchschnittsarier die Stunde für gekommen, sich so zu zeigen, wie er nun einmal ist: feige, selbstmitleidig, blöd und hasserfüllt. Das heißt: Zeigen möchte er sich lieber nicht. Dazu ist der im Garten hinter dem Zaun Sitzende dann doch zu …, sagen wir mal: vorsichtig.
Denn die Anderen sind ja klar in der Mehrheit. Und beleidigen einen. Einfach so, obwohl man gar nichts gesagt hat. Diesmal nicht, und wahrscheinlich auch noch nie – schon allein wegen der Mehrheitsverhältnisse. Aber die kommen an, nur weil man ein Deutscher ist, und rufen über den Zaun: „Scheiß Deutsche!“ Einfach so. Obwohl man gar nichts gemacht hat. Echt! Voll deutschenfeindlich.
Na logisch: der Gartensitzer ist blöd. Denn entweder hat er tatsächlich den türkischen Nachbarsjungen wirklich noch nie etwas Böses getan, sitzt aber hinter seinem Zaun und hört sich ständig an, was er für ein Scheiß Deutscher ist. Oder aber: er lügt. Ja, wie blöd ist das denn?!
Freilich: der Ausruf „Scheiß Deutsche!“ erfüllt, auch wenn er gar keiner war – die Jungs hatten sich ja untereinander unterhalten –, eindeutig den Tatbestand einer Beleidigung; denn er und seine Frau Gemahlin konnten ja diese Beurteilung vernehmen. Die türkischen Jungs hätten sich also ein wenig leiser unterhalten sollen; andererseits: es muss auch einmal die Wahrheit gesagt werden! Und wenn man so einen Scheiß Nachbarn hat, dann kann man die Wahrheit auch nicht ständig runterschlucken. „Bitte haben Sie Verständnis, wenn ich angesichts der Mehrheitsverhältnisse in meinem direkten Wohnumfeld anonym bleiben möchte.“
Mein Gott, was für ein Scheißkerl! Ob der sich überhaupt schon einmal Gedanken darüber gemacht hat, dass die Defizite in der Integration mancher türkischer Jugendlicher in unsere Gesellschaft zwar nicht allein, aber doch in erster Linie an Typen wie ihm liegen?! 

Andererseits: es ist – nicht in NRW, dem WDR-Sendegebiet, aber – in Berlin ein Ausmaß der Verrohung bei einigen muslimischen Jugendlichen zu beklagen, bei dem es einem wirklich die Sprache verschlägt. Ich sage nur: Rütli-Schule! Und dann die Sache mit der „deutschen Schlampe“. Und, wenn selbst bei uns schon das böse Wort von den „Scheiß-Deutschen“ gefallen ist, dürfte es uns nicht überraschen, wenn diese verbale Ausgeburt von Ausländerfeindlichkeit mit besonderem Unwertgehalt, also von „Deutschenfeindlichkeit“ (Kristina Köhler) auch in Berlin vernommen werden konnte.
Und dennoch: ein Kleinkram, verglichen mit dem, was ich im Berliner „Tagesspiegel“ lesen musste. Sie können sich das  ja gar nicht vorstellen! Wir Deutsche werden inzwischen von diesen migrantischen Nichtsnutzen beschimpft als „Kartoffeln“. Was zu weit geht, geht zu weit! Was zuviel ist, ist zu viel! Wenn wir einfach nur deshalb beschimpft würden, weil wir einer bestimmten Ethnie angehören, nämlich der deutschen. Okay. Das wäre nicht schön, sondern – ja! – Rassismus. Müssen wir noch in unser Strafrecht aufnehmen, sagt die Familienministerin. „Deutschenfeindlichkeit“ als Straftatbestand – ja sicher! Wo kommen wir denn da hin?! Man darf in diesem Land keinen Judenwitz mehr erzählen, aber deutschenfeindlich daherreden. Klar, das kann so nicht weitergehen.
Und dennoch: Kleinkram. Kleinkram jedenfalls im Vergleich zur „Kartoffel“. Ein sofortiges Verbot muss her! Wie wäre es mit § 185 a StGB? Ich schlage vor: „Wer einen Menschen vorsätzlich, fahrlässig oder gar ironisch als Kartoffel bezeichnet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Und ganz wichtig wäre ein § 185 b StGB: „In besonders schweren Fällen, in denen ein besonderer Unwertcharakter nach § 185 a feststellbar ist, weil sich die Kartoffel-Beleidigung nämlich gegen Deutsche richtet, also rassistisch motiviert ist, ist eine Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren zu verhängen, so dass einer zügigen Abschiebung nicht im Wege steht.“
In der Kartoffelfrage ein deutliches Zeichen zu setzen, ist allein schon deshalb unverzichtbar, weil diesbezügliches Mobbing auf die hartnäckige Weigerung hinweist, den Erdapfel als Grundnahrungsmittel in seinen individuellen Ernährungsplan einzubauen, womit in gleichsam klassischer Weise ein Beleg für tief sitzende Integrationsunwilligkeit erbracht wäre.

So, Erkan, nun sag´ das auch mal Deiner Mama! Das ist Mist, immer die ganzen Kilopackungen mit dem billigen Zucker und Mehl bei Aldi in den Einkaufswagen, und dann backt die Mama ständig Euren ekelhaft-süßen Türkenmatsch. Das ist Scheiße, Erkan! Sag´ der Mama, sie soll auch mal Kartoffeln kaufen! Was man mit der alles anstellen kann. Pommes, ist klar – aber auch Klöße, Salzkartoffeln, Kartoffelpüree, Reibekuchen und noch alles Mögliche. Sehr vielseitig. Und gesund.
Viel gesünder als Mamas Zucker-Mehl-Billigmatsch. Guck doch nur mal, wie Du aussiehst, Erkan! Du könnest so ein hübscher Türke sein – aber nicht, wenn Du so schwabbelig bist. Hör mal: Du musst Dich integrieren. So fett wirst Du nicht alt. Jetzt ist es freilich schon alles etwas schwieriger. Aber noch hast Du die Chance. Werde eine Kartoffel mit türkischen Wurzeln! Nun ja, mir kann es ja egal sein …
Aber ich sage Dir eins, Erkan! Beschimpfst Du mich auch nur ein einziges mal als Kartoffel (oder als Schweinefleischfresser), dann werde ich Dir aber etwas erzählen, Du Speckdöner! Das musst Du Dir nämlich einmal merken: wir Kartoffeln haben auch ganz tolle Schimpfwörter auf Lager. Lass es nicht drauf ankommen!

3 thoughts on “Die Scheiß Deutschen und ihre Alltagserfahrungen – heute: die Kartoffel

  1. Juhuuu, das musste mal gesagt werden! Und sollte irgendwer behaupten, dieser Artikel sei beleidigend und/oder fremdenfeindlich und/oder deutschenfeindlich… dann hat er recht. Gute Arbeit, Herr Dr. Jurga!

  2. Ich möchte nur einmal Wissen, wie unsere Regierung die Migartion und Integration fördern will, wenn anderseits solche Dinge zu hören und lesen sind. Übrigens wird die Feindschaft unter den Menschen gefördert, es sind nicht alle die so reden und denken, gilt übrigens für beide Seiten!
    Von daher die ganz einfache Frage:“Wie sollen wir jemals freidlich miteinander Leben?“ „Und wie sollen wir jemals ohne Kriege auf dieser Welt leben, wenn wir uns in unserem Land schon nicht einmal vertragen?“ Ich finde es erschreckend und traurig zugleich, denn es müsste nicht sein, wenn wir alle etwas toleranter mit einander wären. Tja, immer wieder das selbe leidige Thema und unsere Politiker leben es uns ja noch vor. Echt Klasse!