Stefan Mappus: Nichts ist erotischer als Erfolg

Stefan Mappus war von 1994 – 2010 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Enzkreis/Pforzheim. Die Arbeitslosenquote liegt dort bei 9 %, was uns hier in Duisburg nicht wirklich schrecken mag. Da sind wir ganz Anderes gewohnt. Doch im Ländle liegen die Dinge anders als an der Ruhr. 

Liegt im Ruhrgebiet die Quote über 11 %, beträgt sie in Baden-Württemberg nicht einmal 5 %. In Deutschland insgesamt: 7,6 %, doch da ist nicht nur das Ruhrgebiet und Ostfriesland mit drin, sondern auch der ganze Osten. Will sagen: 9 % in Enzkreis/Pforzheim. Für die heile Welt im Südwesten ist das schon etwas. 

Keine Frage: Der Enzkreis und die Stadt Pforzheim sind ein hartes Brot. Seit Jahrzehnten liegt dort die Suizidrate einsam an der deutschen Spitze. Die dortige „Anlaufstelle für Lebensmüde“ berichtet: „Laut seriösen Studien liege die Zahl der Suizidversuche für Stadt und Enzkreis deshalb bei 500 bis 900 jährlich.“ 

Okay, das muss Herrn Mappus nicht interessieren. Er muss Wahlergebnisse „bringen“. Das hatte bei der Kommunalwahl im Juni 2009 – da war er noch KV-Vorsitzender – aber auch nicht mehr geklappt. Erdrutschartiger Verlust für die CDU von 41 % auf 30 %. Dumm gelaufen. 

Nein, erfolgreich ist Stefan Mappus für seine CDU nicht, wohl aber innerhalb der Partei. Denn er bedient konsequent den „konservativen Stammwähler“: militaristisch, schwulenfeindlich, Nähe zum Neofaschismus. Und bloß keine Steuer-CD´s kaufen! Datenschutz und so. Alles, was das rechte Herz begehrt. Und jetzt arbeitet dieser Reaktionär an seinem Meisterstück.

 

Das kam alles so überraschend am letzten Donnerstag. Niemand konnte mit einer solchen Eskalation in Stuttgart rechnen. Jedenfalls: fast niemand. Irgendjemand muss sich ja so etwas fast schon gedacht haben. Denn die Polizei war bestens vorbereitet. Endlich einmal – das erste Mal in Stuttgart! – vernünftig angezogen: geschlossene Helme, Stiefel, Gummiknüppel, Pfefferspray. Gut ausgerüstet: gepanzerte Fahrzeuge mit Wassersprühern. Ja, so heißen die! Wasserwerfer? – Seit wann wird Wasser denn geworfen? 

Egal, irgendjemand muss sich ja so etwas fast schon gedacht haben, sonst hätte er die Beamten doch nicht so gut für einen Sturmangriff auf die ahnungslosen Jack-Wolfskin-Träger vorbereiten können. Jack Wolfskin – draußen zuhause. Nässeschutz flecktarn – kommt beim Angriff fast noch besser. Ob er das geahnt hat, der Stefan Mappus? Ein knallharter Befürworter des Projekts Stuttgart 21 ist er ja schon lange. Auch schon vor zehn Jahren, als ihn Erwin Teufel zum Interregio-Beauftragten ernannt hatte. Klar: das heißt nicht, dass er die Eskalation im Schlosspark am letzten Donnerstag hätte ahnen können. Und seit wann ist ein Ministerpräsident für die Ausstattung seiner Polizei verantwortlich?! – Na bitte.

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