Johano Strasser: SO kam es zum 3. Oktober

Johano Strasser wurde in den 1970er-Jahren als programmatischer Vor- und Querdenker der Jungsozialisten bekannt, deren stellvertretender Bundesvorsitzender er von 1970 bis 1975 war. Der Politologe, Publizist und Schriftsteller war seit 1995 Generalsekretär des deutschen PEN-Clubs, seit 2002 ist er dessen Präsident.
Im Vorwärts Online präsentiert Strasser eine ganz andere – als die bislang bekannten – Version der friedlichen Revolution in der DDR. Darin kommt dem Bauelektriker Alfons Beil von der „Gruppe Loblied“ eine zentrale Bedeutung zu.

 

Subversives zum 3. Oktober

Johano Strasser:
Ein staatsgefährdendes Maß an Loyalität

 

Vor 20 Jahren hörte die DDR auf zu existieren. Wie es dazu kam, erzählen die Geschichtsbücher. Der Schriftsteller Johano Strasser beschreibt eine andere Version der Ereignisse, die zum 3. Oktober 1990 führten.

Wenn wir uns fragen, was letzten Endes zum Zusammenbruch der ddr geführt hat, fällt uns zumeist ein ganzes Bündel von Faktoren ein, von denen wir annehmen, dass sie das dramatische Geschehen irgendwie beeinflussten, deren spezifisches Gewicht wir aber nur schwer abschätzen können: der Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung, die unter dem Dach der evangelischen Kirche operierenden Friedens- und Umweltinitiativen, die Tatsache, dass angesichts der Entspannungspolitik das Feindbild des westdeutschen Revanchismus nicht mehr aufrecht zu halten war, die stagnierende wirtschaftliche Entwicklung, das Auftreten Gorbatschows, die Ausreisebewegung und natürlich die Montagsdemonstrationen in Leipzig und anderswo. 

Ein Faktor allerdings wird so gut wie nie genannt, vermutlich, weil er für westliche Beobachter der Ereignisse nicht weniger irritierend ist, als er es seinerzeit für die wachsamen Organe der ddr war. Wir meinen die Aktivitäten jener jungen Leute, die in den Berichten und Analysen der Stasi als Gruppe Loblied geführt und von Mitte der 1980er Jahre bis zum Mauerfall auf allen Ebenen von Partei und Staat bis hinauf zum Politbüro für Verwirrung sorgten. 

Als Kopf der Gruppe galt der Bauelektriker Alfons Beil aus Köpenick, ein, wie es in einem Spitzelbericht des auf ihn angesetzten im Falter heißt, „unauffälliger junger Mann, über den nichts Verdächtiges in Erfahrung zu bringen ist“. Nun fragt man sich natürlich, wieso die Stasi über Jahre hinweg einen Menschen bespitzeln lässt, an dem beim besten Willen nichts Verdächtiges auszumachen ist. Der Grund ist einfach …

Und Sie dürfen ihn auch erfahren. Hier.

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