Allison Crowe: The Piano Is A Guy

Photo: AllisonCrowe.com

Standing Ovations in der Aula Carolina für die kanadische Singer-Songwriterin Allison Crowe. Neben neuen Songs aus dem Album „Spiral“ gab es auch Coverversionen von Leonard Cohen, den Beatles oder Cindy Lauper.

Für Allison Crowe ist Aachen fast schon so etwas wie eine zweite Heimat – und wie schon im letzten Jahr waren auch diesmal die Umstände gegen einen früheren Termin. Während die britischen Einwanderungsbehörden das Konzert im letzten Jahr verschoben war es in diesem Jahr der Vulkanausbruch in Island. DieAachener allerdings haben Allison Crowe in ihr Herz geschlossen – Standing Ovations und zwei Zugaben zeigten das deutlich.

Allison Crowe erwiderte die Zuneigung mit einem Programm, dass sowohl alte als auch neue Songs darbot. Manchmal, so erzählte sie, sei es schon etwas merkwürdig wenn man ältere Songs nochmal hervorkrame. „Manchmal hat sich das Leben ganz anders entwickelt. Man schreibt ein Liebeslied und die Beziehung endet dann sehr schmerzhaft. Es ist auch so, dass man sich als Person weiterentwickelt – und dann ist das, was man damals gefühlt hat während des Songschreibens halt nicht mehr das, was man aktuell fühlt.“ Und manchmal, fügt sie hinzu, vergesse sie auch glatt, dass es Songs gibt. „Als wir das Album Spiral zusammenstellten meinte Adrian, mein Manager, wie es denn mit diesem Song hier wäre.“ Allison konnte sich überhaupt nicht mehr an den Song erinnern, aber ihn neu zu lernen und neu für die CD aufzunehmen war dann kein Problem. Dabei klopft sie liebevoll auf den Flügel, der bisher alle Tourneen anstandlos überstanden hat – ein Klavier, das definitiv männlich ist. Ein Guy ebend.

Allison Crowe wechselt während des Konzerts nur einmal zur Gitarre, um dann unter anderem einen Song von Leonard Cohen zu spielen. Ein Künstler, den sie sehr schätzt – unter anderem spielt sie an diesem Abend „Halleluja“ und auf dem Album „Spiral“ ist der Song „Chelsea Hotel Nr.2“. Generell aber covert Allison Crowe sehr gerne – so in der Vergangenheit „Time After Time“ von Cindy Lauper. Oder „In My Life“ von den Beatles, beides Songs die sie im Konzert singt. Dabei sind die Klaviereinleitungen zu den Coverversionen bisweilen eigene kunstvoll gebaute Stücke.

Kraftvolle Klavierpassagen wechseln in den eigenen Songs mit zartfragilen Melodien ab. Es ist nachdenklich machende Musik, die Allison Crowe sogar beim Dienst  Jamendo vollkommen umsonst zur Verfügung stellt – und die vollkommen legal für eigene Podcasts verwendet werden dürfen. Ein Widerspruch? Nein, denn nach dem Konzert drängeln sich die Interessierten um den CD-Verkaufstisch, an dem Allison ihre CDs signiert. Die kanadische Sängerin wirkt dabei genauso natürlich und charmant wie während des ganzen Konzerts. Zum Schluss des Konzerts nutzt sie die besondere Akustik des gotischen Baus aus: Das irische Volkslied von Thomas Moore „Believe me if all those endearing young charms“ klingt durch die Weite des Gebäudes und entlässt die Besucher in das mittlerweile regenfreie Aachen.

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