Tor! Tor! Tor! „Medizinisch betreut“ kickt es sich besser!

 

 Gestern nahm Detlef Obens den „Doping-Fall“ des diesjährigen Gewinners der Tour de France, Alberto Contador, als Anlass für seinen Beitrag „Schneller! Höher! Weiter! Doping macht´s möglich!“ Darin listet er eine Reihe bekannter und weniger bekannter Doping-Skandale auf, erläutert die Triebkräfte und beschreibt die gesundheitlichen Folgen dieser unsäglichen Praktiken.
Bild: OnlineZeitung24.de

Ungetrübte Freude an Rekorden und Siegen werde es wohl nicht mehr geben, lautet das Fazit, das Detlef Obens zieht. Werner Jurga antwortet ihm. Er fokussiert seine Betrachtung – weg vom Radsport und der Leichtathletik – auf den Profifußball und vertritt die Ansicht, dass die „Fans“ als Kunden mit ihrem Interesse an Höchstleistungen einen Ausgangspunkt im Interessengeflecht der „medizinischen Betreuung“ darstellen. 

„Nicht zuletzt wissen die Sportler auch um die Schäden, die sie ihrem Organismus dauerhaft und langfristig zuführen“, schreibt Detlef Obens. Das glaube ich auch. Nur, um am Beispiel der Tour de France zu bleiben: man kann nicht Tag für Tag stundenlang in einem Affenzahn die Alpen und die Pyrenäen in der prallen Sonne rauf und runter fahren, ohne leistungsfördernde Substanzen zu sich zu nehmen und andere moderne medizinische Verfahren zu bemühen. „Doping“. Und wenn ich das weiß, wissen das nicht nur alle Berufsfahrradfahrer, sondern auch alle „Fans“. Eine Tour de France geht nicht ohne „Doping“.

Doch auch in anderen Sportarten ist der ökonomische Anreiz zu wissenschaftlich basierter Leistungssteigerung enorm. Wenn man sich die medizinischen Abteilungen der Profi-Fußballvereine ansieht, kann man nicht glauben, dass dort nur die Waden massiert werden. Dort werden mehrmals in der Woche sämtliche relevanten Werte der einzelnen Spieler erhoben. Die Fußballprofis legen heute eine etwa zwei bis dreimal so lange Laufstrecke pro Spiel zurück als vor 40 Jahren. Wusste man 1970 noch nicht, wie man Konditionstraining macht?

„Der Kampf gegen Doping im internationalen Spitzensport muss weiter befördert werden.“ Liest man häufiger, und ich nehme Dir ein tatsächliches Interesse daran auch ab. Das gibt es gewiss auch beim ein oder anderen Sportredakteur. Das Interesse des Publikums, also der „Kunden“, steht dem diametral entgegen. Also auch das Interesse der „Vereine“, der Spieler, der Sponsoren, etc.

Der von Dir zitierte „Kampf“, der „weiter befördert“ werden müsse, ist eine bigotte Showveranstaltung. Ein Interesse wird heuchlerisch dadurch vorgetäuscht, dass es unangemeldete Urinproben gibt. Das ist die eine „Kampfpartei“; die andere: die medizinischen Abteilungen der „Vereine“, Sporthochschulen des Staates, Forschungslabors der Pharmakonzerne und last but not least: der „Kunde“, der nichts dagegen hat, dass der Kicker das Zehn- oder Hundertfache z.B. eines Politikers verdient, so lange er „die Leistung bringt“.

Es gibt faktisch einen solchen „Kampf“ nicht. Warum auch? Wer sollte daran interessiert sein? Und außerdem: es passiert doch nichts. Hin und wieder, ganz selten mal ein ungeklärter Todesfall. Höchstens einmal im Monat – weltweit! So what?! – Also wird der ganze Schaukampf z.B. auf die kleinen, doofen Fahrradfahrer verschoben. Da nimmt man sogar in Kauf, wenn schon mal ein ganzes Team vor der Polizei stiften geht und in der Hast die Spritzen im Hotelzimmer rumfliegen lassen muss. Gute Show!

Außerdem muss man bei diesen Jungs wirklich ein wenig den Daumen drauf halten. Was die Doofen da nämlich mit ihrem Körper so alles veranstalten, ist wirklich ziemlich gefährlich.

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