Fahrgastverband PRO BAHN fordert Baustopp und Neuorientierung für Stuttgart 21

(ddp direct) Anlässlich des immer schärfer werdenden öffentlichen Streites um das Großprojekt Stuttgart 21 fordert der Fahrgastverband PRO BAHN eine Versachlichung der Debatte ein.
Hierzu ist eine von allen Seiten akzeptierte Klärung der offenen Fragen notwendig. „Die Frage der immer weiter ansteigenden Gesamtkosten muss durch unabhängige Fachleute geklärt werden, der verkehrliche Nutzen des Projekts muss unter dem Gesichtspunkt der Bedürfnisse der Nutzer beurteilt werden. und , Risiken für Umwelt- und Bodenverhältnissen müssen unabhängig und ergebnisoffen bewertet werden,“ fordert der Bundesvorsitzende des Verbraucherverbandes Karl-Peter Naumann.. „Ein Verweis auf Verträge und frühere Entscheidungen genügt nicht, um Bürger zu überzeugen. Wasserwerfer und Schlagstöcke – wie sie seit dem 30. September in Stuttgart massiv zum Einsatz kommen – geben keine fachliche Antwort.“
Zu klären ist nach Auffassung des Fahrgastverbandes auch, welcher Zusammenhang zwischen der Bahnhofsgestaltung und der Neubaustrecke über die Schwäbische Alb besteht. „Die Neubaustrecke von Wendlingen bis Ulm kann auch ohne den Tunnelbahnhof gebaut werden und bringt den größten Teil der für Baden-Württemberg erwünschten Fahrzeitverkürzung,“ erklärt Naumann. „Es besteht jetzt die Gefahr, dass diese Chance vertan wird, weil nur noch über den Bahnhof diskutiert wird.“
Bis zu dieser Klärung fordert der Verbraucherverband einen Stopp des Abrisses des bestehenden Kopfbahnhofes und eine Schonung des Schlossgartens. „Ein Baustopp ist unerlässlich, um für die Zukunft jede Gestaltungsoption offen zu halten.“ erklärt Naumann. „Die Bundesregierung, das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart und die Deutsche Bahn AG müssen sich allen offenen Fragen in angemessenem Rahmen stellen, um für eine Lösung für Stuttgart breite Akzeptanz herstellen zu können.“
"Das handeln entgegen jeder Akzeptanz in der Bevölkerung hat bereits heute einen großen Schaden für das System Schiene und damit für die Infrastruktur des Landes und für die Umwelt herbeigeführt," warnt Matthias Oomen, Bundespressesprecher von PRO BAHN. „Im Zweifelsfalle muss eine Entscheidung zu Stuttgart 21 durch einen Bürgerentscheid herbeigeführt werden.“
Die Frage an die Bürger darf aber nicht durch die Formulierung "Stuttgart 21 oder gar nichts" ausschließlich negativ besetzt sein, sondern muss mit der Alternative "Stuttgart 21 oder Kopfbahnhof 21" auch einen positiven Ausgang ermöglichen. „Den Bürgern muss auch klar sein, dass die Fahrzeitverkürzung Richtung München und Bodensee um eine halte Stunde nicht mit der Bahnhofsfrage verbunden ist,“ so Oomen.
"Schon heute ist es in Deutschland enorm schwierig, selbst dann Infrastruktur zu bauen, wenn im Gegensatz zu Stuttgart 21 der Nutzen unumstritten ist", so Oomen weiter, "das von Stuttgart ausgehende Signal dürfte die Widerstände zukünftig noch verstärken, da sich die Bevölkerung übergangen fühlt."

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