Schneller! Höher! Weiter! Doping machts möglich!

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Radprofi Alberto Contador, der diesjährige Gewinner der Tour de France, ist positiv auf Clenbuterol getestet worden. Wie üblich, streitet er dies ab und will am heutigen Donnerstag, um 12 Uhr, in seiner spanischen Heimat eine Pressekonferenz geben. Angeblich, laut seinem Sprecher Vidarte, seien Lebensmittel vermutlich „verunreinigt“ gewesen.

Und wieder ein Doping-Fall im Radsport. Diesmal betrifft es den überragenden Gewinner der Frankreich-Rundfahrt 2010, den Spanier Alberto Contador. Bei ihm wurde das Medikament Clenbuterol nachgewiesen. Das eigentliche Asthmamittel sorgte schon mehrfach für negative Schlagzeilen, da es ungesetzlich im Sport als leistungsförderndes Mittel eingesetzt werden kann. Einigen prominenten SportlerInnen wurde die Einnahme dieses Wirkstoffes, welches auf der Dopingliste steht, in der Vergangenheit bereits nachgewiesen. Prominenteste Fälle aus deutscher Sicht waren die einstige 100-Meter-Weltmeisterin Katrin Krabbe und die damals überragende 400-Meter-Läuferin Grit Breuer. Beide gehörten sie dem Trainingsteam von Thomas Springstein an.

Die Doping-Affairen im internationalen Radsport hatten bereits in den letzten Jahren immer wieder für Empörung und Aufregung gesorgt. So hatten sich 2009 bereits ARD und ZDF aus der täglichen Live-Berichterstattung der TOUR  zurückgezogen, um damit ein Zeichen gegen das verbreitete Doping im Radsport zu setzen. Auch deutsche Fahrer waren betroffen, wie das Team Telekom. Prominentester Fall aber ist  Jan Ulrich, der ehemalige Tour-Sieger und Olympiasieger. Ihm werden seit 2006 Dopingvorwürfe in Verbindung mit dem umstrittenen spanischen Arzt Fuentes gemacht.

Das Thema Doping im Hochleistungssport ist nicht neu. Seit Jahrzehnten versuchen „Sportärzte und Sportwissenschaftler“ ihre SportlerInnen bis über die menschlichen Leistungsgrenzen hinweg zu führen. Trauriger Vorreiter war die ehemalige DDR. Sie erkannte bereits in den 60-iger und 70-iger Jahren wie prestigeträchtig Goldmedaillen und Fabelweltrekorde für einen Staat sein können. Als Beispiel sei hier der Uralt-Weltrekord der 400-Meter-Läuferin Marita Koch genannt. Beim Weltcup 1985 im australischen Canberra rannte Koch – damals 28-jährig – zu schier unglaublichen 47,60 Sekunden–eine Zeit für die Ewigkeit! Auch sie musste sich immer wieder fragen lassen, ob dies allein nur mit normalen Trainingsmitteln möglich gewesen sei. Konfrontiert mit kritischen Fragen sieht sich auch immer wieder die heutige ZDF-Sportreporterin Kristin Otto, die 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul 6 Goldmedaillen im Schwimmen für die DDR gewann. Sie selbst weist jede wissentliche Schuld von sich, wenn es um das Thema DDR-Doping im Schwimmsport geht.

Neben dem Rad- und Schwimmsport ist es gerade die Leichtathletik, die immer wieder von Doping-Vorwürfen überschattet wird. Seit Ben Johnsons Olympiasieg 1988 im 100-Meter-Lauf und dem darauffolgenden Skandal, er war gedopt, ist Doping immer wieder ein Dauerthema, gerade zu Zeiten von olympischen Sommer- und Winterspielen. Vielen MedaillengewinnerInnen wurden rückwirkend ihre Medaillen aufgrund Doping aberkannt. Dadurch rutschen Nachplatzierte nach. Allerdings wurden diese Nachrücker um den wohl schönsten Sportlermoment ihres Lebens gebracht, einer olympischen Siegerehrung.

Doping ist keine Sünde und immer von Dopingsündern zu sprechen ist falsch.

Doping, und alles was dazu gehört, ist eine Straftat. Die einstige DDR hat dieses Verbrechen generalstabsmässig über Jahrzehnte durchgeführt, ohne das es zu nennenswerten Konsequenzen für die dafür Verantwortlichen kam. Denn dort war es üblich, bereits Heranwachsenden Dopingmittel ohne deren Wissen und Kenntnisse zu verabreichen. Dies ist zumindest strafrechtlich gesehen eine Körperverletzung. Einige dieser „Versuchstiere“ leiden heute unter Spätfolgen solcher leistungssteigernder Hormongaben.

Heutzutage geht es beim internationalen Spitzensport um Geld–um sehr viel Geld! Ein Olympiasieg in einer populären Sportart kann oft allein ausreichen, um für den Rest des Lebens bestens versorgt zu sein. SportlerInnen, die dieses Ziel unter wissentlichem Einsatz von Doping erreichen, sind nichts anderes als Betrüger. Sie erreichten ihre Siege nicht durch hartes Training, sondern viel mehr durch ein mittlerweiles mafiöses Doping-System mit Millionenumsätzen weltweit. Der Kampf vieler internationaler Anti-Doping-Agenturen dagegen ist teilweise nicht erfolgreich genug. Denn die Doping-Strukturen sind oftmals den Laboren der Anti-Doping-Agenturen einen Schritt voraus.

Die Schuld am Doping-Sumpf allein bei den betroffenen SportlerInnen zu suchen ist allerdings nicht ausreichend. Gerade in der heutigen kommerziellen Zeit wird der einzelne Spitzensportler unter enormen Leistungsdruck durch die Öffentlichkeit gesetzt. Immer schneller, immer höher und immer weiter, das sind die Erwartungen des Publikums und vor allem, der Sponsoren. Bei internationalen Sportfesten werden Millionenprämien für Weltrekorde ausgelost um damit die Erwartungshaltung der Sportfans noch mehr zu steigern. Der jeweilige Weltrekords-Aspirant steht dann unter enormen öffentlichen Druck und medialer Aufmerksamkeit. Oftmals sind es aber junge Menschen, die diesen Sport ausüben, und denen es an charakterlicher Reife fehlt um derartige Situationen unbeschadet meistern zu können.

Und hier setzen die Doping-Bosse an. Sie versprechen dem Athleten Dollars, Ruhm und Ehre. Allerdings für den Preis des persönlichen Verlustes an Wahrheit und Ehrlichkeit des betroffenen Sportlers. Die Entscheidung , seine Leistungsgrenzen unter Einsatz von verbotenen Substanzen zu steigern, fällt aber letztendlich der oder die entsprechende SportlerIn für sich allein. Dann, wenn er oder sie der Einnahme von Dopingmitteln überführt ist, in Pressekonferenzen so zu tun, als wisse er oder sie von Nichts, ist heutzutage ein bekanntes Phänomen und wenig glaubhaft. Jeder muss heute wissen was er tut, wenn er seinem Körper Substanzen zuführt im Bewusstsein dessen, das dies verboten und betrügerisch ist. Nicht zuletzt wissen die Sportler auch um die Schäden, die sie ihrem Organismus dauerhaft und langfristig zuführen.

Der Kampf gegen Doping im internationen Spitzensport muss weiter befördert werden. Unangemeldete Trainingskontrollen intensiviert werden und die Sanktionen bei Beweis von Einsatz von Dopingsmitteln verschärft werden. Und, was entscheidend ist: alle Länder müssen nach den gleichen Vorgaben in dieser Thematik handeln und arbeiten. Leider schliessen sich immer noch Länder einer konsequenten Dopingverfolgung aus. Unter anderem wird dies auch den USA vorgeworfen. Deutschland hat eins der schärfsten Doping-Gesetze und effektivsten Doping-Agenturen (NADA) weltweit, wird aber allein wenig ausrichten können.

Die ungetrübte Freude an Rekorden und Siegen wird es wohl nicht mehr geben. Denn immer steht ein Fragezeichen dahinter. Jüngstes Beispiel ist der jamaikanische Superstar und Wunderläufer Usain Bolt. Er flog die 100 Meter in unglaublichen 9,58 sec. über die Tartarbahn. Auch ihn begleiten Dopingvorwürfe rund um die Welt. Scheinbar ist alles möglich, die Grenzen eines Körpers lange nicht erreicht. Eine Frage der Zeit, wann der erste Mann der Welt eine 100-Meter-Zeit unter 9,5 sec. läuft. Der Preis, den dieser Mann dann zahlen muss, wird hoch sein.

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