Mediziner, Psychologen und Sozialwissenschaftler bilden Forschungsnetz gegen Kindesmissbrauch

Bundesministerin Dr. Annette Schavan

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Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt insgesamt 32 Millionen Euro für Forschungsprojekte zu Ausmaß, Ursachen und Folgen von Missbrauch und Gewalt im Kindes- und Jugendalter zur Verfügung.
"Gewalt und Missbrauch an Kindern und Jugendlichen ist wissenschaftlich bisher nur wenig erforscht", so Bundesforschungsministerin Annette Schavan. "Wir brauchen dringend gesicherte Erkenntnisse über den Missbrauch, die Vernachlässigung und die Gewalt an Kindern. Davon versprechen wir uns eine wichtige Grundlage, um Kindesmissbrauch zu verhindern und den Opfern wirkungsvoll zu helfen", sagt Bundesforschungsministerin Annette Schavan.

In einem interdisziplinären Forschungsnetz "Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt" sollen die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Deutschlands aus der medizinischen, psychologischen und auch der sozialwissenschaftlichen Forschung zusammenarbeiten. Ziel ist die Entwicklung von Maßnahmen für eine bessere Prävention von Gewalt an Kindern und für eine wirksame Therapie von Betroffenen. Das BMBF wird dieses Forschungsnetz mit rund 20 Millionen Euro ausstatten. "Wir erhoffen uns einen systematischen Befund zu den Gründen, die Menschen zu Gewaltanwendung gegenüber Kindern und Jugendlichen bewegen, und über die körperlichen und psychischen Auswirkungen von Missbrauch und Vernachlässigung in der Kindheit", sagt Annette Schavan.

Auch für die Förderung bildungswissenschaftlicher Forschung  werden zusätzliche Mittel bereitgestellt. Zentrales Ziel im Bereich der Bildungsforschung ist es, Forschungsschwerpunkte abzustimmen und Forschungsverbünde aufzubauen. Durch die Erweiterung der Wissensbasis kann die Aus-, Fort- und Weiterbildung zum Umgang mit Missbrauchsfällen sinnvoll auf- und ausgebaut werden.

Um die Datengrundlage zu verbessern, wird das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Aktualisierung und Erweiterung der einzigen deutschen Repräsentativbefragung aus dem Jahr 1992 zur Thematik des sexuellen Missbrauchs von Kindern fördern. Wie 1992 wird das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen http://www.kfn.de/home.htm  (KFN) dieses Vorhaben realisieren. Die Stichprobe soll dieses Mal allerdings von 3.300 auf 10.000 Personen erhöht und auf die Altersgruppe der 16- bis 40-Jährigen begrenzt werden.

Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des KFN und Leiter der Untersuchung, erklärt: "Wir verfügen gegenwärtig in Deutschland weder über aktuelle, repräsentative und wissenschaftliche Erkenntnisse zum tatsächlichen Ausmaß des sexuellen Kindesmissbrauchs noch zu den spezifischen Risikokonstellationen seiner Entstehung. Dank der günstigeren Rahmenbedingungen für die neue Befragung werden wir nun noch besser klären können, welche Kinder ein besonders hohes Missbrauchsrisiko haben, von welchen Personen die größte Gefahr ausgeht und welche Präventionsansätze Erfolg versprechen."

Die vom Bundesforschungsministerium initiierten Maßnahmen sind Teil der Aktivitäten des Runden Tisches "Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen sowie im familiären Bereich" der Bundesregierung. Gemeinsam mit Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger setzt sich Ministerin Schavan dabei für einen verbesserten Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt ein. Die 2. Sitzung des Runden Tisches findet am 30. September 2010 in Berlin statt.

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