Lady zu Guttenberg wird bei Porno ganz gaga

„Schaut nicht weg!“ heißt ihr Buch. Gut, dann mache ich das so. Dann schaue ich nicht weg; dann schaue ich eben hin. Und weil mich ihr Foto auf dem Buchdeckel nicht so richtig antörnt, schaue ich mir die Autorin auf der Seite 168 des „Spiegels“ vom letzten Montag (Nr. 38 / 2010) an. Holla, die Waldfee! 
Freifrau Stephanie von und zu Guttenberg, geborene von Bismarck-Schönhausen in ein knallrotes, hautenges Kleid geklemmt, das ihre weiblichen Kurven stark betont. In der linken Hand ein schmuckes kleines Handtäschchen, die rechte Hand lasziv in die Hüfte gestemmt. Das Dekolleté gewährt tiefe Einblicke, und das merkwürdige Lachen verzerrt ihr Gesicht stärker und anrüchiger als das der anderen Stefani beim Singen.

Bild: Chasewc91 / Wikipedia
                                                       

Die andere Stefani ist eine Bürgerliche, hat deshalb einen bürgerlichen Namen, und der ist Germanotta. Stefani Germanotta ist auf der Seite 169 abgebildet, also rechts neben der Freifrau. Und zwar gleich viermal. Und weil eine bürgerliche Sängerin keine adelige Ministergattin ist, und weil Stefanis Bilder aus Foto-Shootings stammen, Stephanie jedoch auf einer Feinen-Leute-Gala geknipst wurde, fällt die Bekleidung der Sängerin noch etwas spärlicher aus.
Kurios: für meinen Geschmack ist Stefani Germanotta so etwa der gleiche Frauentyp wie Stephanie von und zu. Um ehrlich zu sein: so ganz mein Typ ist es nicht. Sicher, ich würde sie nicht von der Bettkante schubsen. Die Lady Gaga, versteht sich. Und umgekehrt dürfte mich die Freifrau ohnehin nicht so attraktiv finden. Die steht mehr auf so einen wie Lothar Matthäus. 

Hoffentlich bin ich mit dieser Bemerkung Stefani nicht zu nahe getreten. Denn sie ist natürlich eine Dame von einem ganz anderen Rang als die Gattin des Herrn aus dem Frankenland. Sie ist wesentlich bekannter, und ein Vergleich in Sachen Einkommens- und Vermögensverhältnisse verbietet sich von selbst.
Stefani Germanotta scheffelt unter dem Künstlernamen Lady Gaga Millionen und Abermillionen. Zumal sie auch die Texte all ihrer Songs selbst schreibt. So etwas macht sich auf dem Konto richtig bemerkbar. Auch die andere Stephanie, also die mit dem etwas vornehmeren „ph“, hat ihr Buch nicht von einem Ghostwriter schreiben lassen.
Gott sei Dank hatte sie aber eine Co-Autorin. Was das betrifft, bin ich bei Lady Gaga jetzt nicht so richtig informiert. Da müssten Sie schon selbst mal googeln – falls es Sie interessieren sollte. Oder, falls Sie gar das Buch der Freifrau interessieren sollte, möglich ist ja Alles, dann kaufen Sie es sich halt. Darüber bin ich nämlich auch nicht so richtig informiert. 

Das Buch „Schaut nicht weg!“ klärt darüber auf, „was wir gegen sexuellen Missbrauch tun müssen“ – so der Untertitel. Der „Spiegel“ schreibt: „Das Erziehungsbild, das Stephanie zu Guttenberg zeichnet, unterscheidet sich nur noch in Nuancen von dem des durchschnittlichen Grünen-Wählers und ist Lichtjahre von den Vorstellungen entfernt, die noch vor kurzem in der CSU Konsens waren“. Und so weiter, und so fort. Wie schön!
Das Buch läuft ganz gut, konnte sich sogar in dem ganzen Sarrazin-Wirbel recht gut behaupten. Das funktioniert natürlich nicht mit vernünftigen Darlegungen zu einem komplizierten Thema wie dem sexuellen Missbrauch. So etwas muss man ganz anders anstellen. Die Profis von der Bildzeitung wissen, wie man so etwas macht. „Pornographie verdirbt unsere Kinder. Minister-Gattin schlägt Alarm“, titelte das Blatt am 18. August 2010 und illustrierte seinen Vorabdruck aus dem Buch mit Bildern der Pop-Diva Lady Gaga. 

Das ist freilich absoluter Stuss, der die Frage aufwirft, warum sie das macht. Die Stephanie mit der Stefani. Zwei Motive habe ich bereits anklingen lassen: erstens Marketing. Lady Gaga, Porno – einmal umgerührt mit Kindern, so will es die Bildzeitung, so will es der Markt. Zweitens: ob die Freifrau wirklich eifersüchtig auf die Pop-Diva ist? Wie gesagt: der gleiche Typ. Vielleicht hat aber auch – drittens – der „Spiegel“ recht. Tobis Rapp schreibt dort:
„Guttenbergs Popkritik ist ein Ablenkungsmanöver, das überspielen soll, dass sich in ihrer Lebenswelt kaum noch Konservatismus befindet.“ Das adelt die Autorin, finde ich. Oder die Co-Autorin, ich weiß es nicht. Nur dass die arme Stefani Germanotta darunter zu leiden hat, finde ich echt nicht gut. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass ausgerechnet so etwas die Lady Gaga macht.

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